Anissa Bader

«Unmöglich» gab es nicht für sie

Die Akhor-Saga. Oder wie Gründerin Anissa Bader mit einem schwebenden Zifferblatt die Aufmerksamkeit der Uhrenwelt für ihre Marke gewinnt.

Pierre_Andre_Schmitt.jpg

file864iejnk4785czwflh8
Anissa Bader hat geschafft, was nur wenige erreichen: Ihre Uhrenmarke Akhor erhielt das begehrte «Poinçon de Genève». zVg

Werbung

Schuld ist ihr Bruder. Als Chef des Familienunternehmens Clamax, eines Zulieferbetriebs für die Uhrenindustrie, bat er sie im Jahr 2018 um einen helfenden Einsatz. Nur etwa für vier bis sechs Monate, wie er dachte. Es wurden Jahre daraus, inzwischen ist der Bruder aus dem Unternehmen ausgeschieden – Anissa Bader hat die Führung übernommen.
Und wie. Erst knapp vor einem Jahr gründete sie die Uhrenmarke Akhor, sozusagen als Tochter von Clamax. Bald zeigte sie an den Geneva Watch Days erste Zeitmesser. Und schon diesen Frühling lancierte sie mit dem Modell «Le Temps en Équilibre» eine Uhr, die mittlerweile das begehrte «Poinçon de Genève» erhalten hat.
Das ist wahrlich ein Husarenstück. Denn die Genfer Punze, so heisst das Zertifikat auf Deutsch, steht für allerhöchste Genfer Uhrmacherei, nur etablierte Marken wie Louis Vuitton, Chopard, Roger Dubuis und Vacheron Constantin können die Punze als Gütezeichen in ihre Uhrwerke eingravieren.
Anissa Bader fällt auf. Aus verschiedenen Gründen. Einer davon: Frauen sind rar in den Chefetagen der männerdominierten Uhrenbranche. Es gibt Nayla Hayek, Verwaltungsratspräsidentin bei der Swatch Group, Ilaria Resta, CEO bei Audemars Piguet, es gibt die Ausnahme-Uhrmacherin Carole Forestier-Kasapi, heute bei TAG Heuer, oder Christine Hutter, CEO der Marke Moritz Grossmann. Dann aber erschöpft sich die Liste schon bald.

Partner-Inhalte

Anissa Baders Credo: «Ich suche stets die Perfektion.»
Anissa Baders Credo: «Ich suche stets die Perfektion.»zVg
Anissa Baders Credo: «Ich suche stets die Perfektion.»
Anissa Baders Credo: «Ich suche stets die Perfektion.»zVg
Doch Anissa Bader, Wissenschaftlerin mit nordafrikanischen Wurzeln, hat schon früh gelernt sich durchzusetzen. Als Pharmazeutin, unter anderem bei Novartis, pflegte sie ein analytisches Denken sowie einen strukturierten Ansatz. Und ist derzeit daran, ihre Marke auf der Landkarte der Uhrenwelt zu etablieren. Ihr Credo: «Ich suche stets die Perfektion.» Ihr Kapital: Beharrlichkeit. Ihr Produkt: eine Uhr mit schwebendem Zifferblatt. Mehr darüber an späterer Stelle.
Begonnen hat alles am 1. März 2018. Damals kaufte ihre Familie das 1988 gegründete Genfer Mikromechanik-Unternehmen Clamax, den Zulieferbetrieb für die Uhrenindustrie. Anissa Bader, die noch im selben Jahr dazustiess und später CEO wurde, waren zwei Dinge klar. Erstens: «Ich kam von aussen. Und ich kannte die Branche überhaupt nicht.» Zweitens: «Ich wollte aus Clamax ein hochmodernes Unternehmen machen.» Mit, zum Beispiel, topmodernen State-of-the-Art-Maschinen.
Doch dann kam Covid. Und plötzlich standen die Maschinen still. «Es war eine schwierige Zeit», sagt sie, «alles war wie tot.» Aber es hatte auch einen Vorteil: «Es gab mir Zeit zum Denken.» Warum, so fragte sie sich als Folge, warum nicht ein eigenes Projekt durchziehen?

Werbung

Und so schlug die Geburtsstunde für Akhor, eine Marke, die traditionelle Uhrmacherei mit technischer Innovation verbinden will. Im Zentrum steht die Konstruktion mit dem scheinbar schwebenden Zifferblatt – ein Konzept, das die gestalterischen und mechanischen Möglichkeiten von Clamax sichtbar macht.
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Blue Honeycomb von Akhor
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Blue Honeycomb von AkhorzVg
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Blue Honeycomb von Akhor
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Blue Honeycomb von AkhorzVg
Anissa Bader hat auf einem Sessel im Sitzungsraum des Unternehmens Platz genommen. Licht dringt durch das Fenster auf den langen Tisch, auf dem sie ein paar Modelle drapiert hat, ein diamantbesetztes Edelstahlmodell in Blau zum Beispiel. Sie nimmt das Stück in die Hand, bewegt es hin und her, lächelt. Ihre Augen sind auf das Zifferblatt mit dem typischen Honigwabenmuster gerichtet, sie wirkt in sich versunken – Anissa Bader lässt sich Zeit.
«Bei einer Uhr», sagt sie dann, «schaue ich zuerst nicht auf die Zeiger. Ich schaue auf das Zifferblatt.» Hier passiere es, hier entscheide sich, ob eine Uhr Emotionen auslöse oder nicht. «Wenn ich auf das Zifferblatt schaue, auf das tiefe Blau zum Beispiel, freut mich das, es entspannt mich auch. Wollte ich nur die Zeit wissen, könnte ich das Handy zücken.» Aber die Uhr sei nicht primär ein Objekt, sie sei ein persönlicher Begleiter. Man solle sich wohl fühlen, wenn man sie trägt.

Werbung

Billig ist so etwas nicht: Akhor-Uhren kosten je nach Ausführung zwischen 28’800 und 78’800 Franken. Bezahlt wird damit vorab auch eine Leistung der Konstrukteure – denn der Weg zur Uhr war steinig. Die Idee mit schwebendem Zifferblatt mag zwar attraktiv klingen, die Realisierung indes war eine schier unlösbare Knacknuss. Der Grund: Das an einer zentralen Achse unterhalb der Zeiger und über einer Platine fixierte schwebende Zifferblatt ist einiges schwerer als zwei oder drei Zeiger. Und mithin anfälliger auf laterale Stösse. Das galt es zu beherrschen.
«Unmöglich!» sagten die Ingenieure zuerst. Und wollten das Handtuch werfen.
Unmöglich? Das liess Anissa Bader nicht gelten, sie wolle keine Uhr wie alle anderen. «Ich brauche eine Lösung», insistierte sie. Und erhielt sie auch.
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Green Sunburst von Akhor
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Green Sunburst von AkhorzVg
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Green Sunburst von Akhor
Die Uhr AK-10-D Steel Diamond – Green Sunburst von AkhorzVg
Die Uhr mit dem Kaliber AK10 hat es technisch in sich. Das Handaufzugswerk besteht aus 117 Komponenten und wurde von Beginn an so konstruiert, dass es später auch zusätzliche Komplikationen aufnehmen kann. Im Mittelpunkt steht natürlich das schwebende Zifferblatt. Es verleiht der Uhr eine dreidimensionale Anmutung und macht sichtbar, worum es Anissa Bader geht: Sie will einen eigenständigen Zeitmesser. Irgendwo zwischen Poesie und Präzision.

Werbung

Vielleicht birgt ihre Geschichte auch ein Rezept in sich: Man lasse sich von Experten erklären, warum eine Sache unmöglich sei. Und mache es dann trotzdem.

Über die Autoren

Werbung