Kartoffeln, Fett und Salz: Die Heilige Dreifaltigkeit von Zweifel Chips hat sich längst im kollektiven Gedächtnis der Schweiz verewigt. Der Lieblings-Chipslieferant der Schweiz ist ein Familienbetrieb. Seine Geschichte beginnt aber nicht mit Chips, sondern mit Wein.
Die Brüder Emil und Paul Zweifel mussten 1898 wegen Rebkrankheiten auf Most umsatteln und bauten in Zürich-Höngg ihre Mosterei auf. Im Jahr 1958 kam das Schicksal ins Spiel: Hans Meier, Chipspionier und Cousin der Gebrüder Zweifel, verstarb überraschend. Die Familie übernahm seine Produktion – die Zweifel-Gruppe war geboren.
Emil (l.) und Paul Zweifel (r.) sind die Gründer der Zweifel-Gruppe.Zweifel
Emil (l.) und Paul Zweifel (r.) sind die Gründer der Zweifel-Gruppe.Zweifel
Die Zweifels waren schon immer eine Apérofamilie
Ob Wein, Most, Mineralwasser oder Chips: Apéro scheint der Familie Zweifel zu liegen. Die Familie möchte mit ihren Produkten aber den ganzen Tag im Schweizer Haushalt präsent sein. Im Jahr 2020 übernahm Zweifel dafür die Bäckerei Berger in Münsingen BE.
Die «Strategie 24/7», wie sie CEO Christoph Zweifel nennt, scheint zu funktionieren. 2025 machte die Gruppe einen Umsatz von 315 Millionen Franken, rund 10 Millionen mehr als noch 2024. Es ist der zehnte Umsatzrekord in Folge für das Familienunternehmen.
Christoph Zweifel führt das Snack-Unternehmen in dritter Generation.Zweifel Chips
Christoph Zweifel führt das Snack-Unternehmen in dritter Generation.Zweifel Chips
Von der Kartoffel zu den fertigen Chips
Zweifel arbeitet mit Kartoffelbauern aus der Schweiz zusammen. Darauf weist auch der Stempel oben rechts auf der Packung hin: Er zeigt an, von wo die Kartoffeln in der Tüte stammen. Zu Spitzenzeiten werden bei Zweifel täglich bis zu 150 Tonnen Kartoffeln angeliefert.
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Die Scheiben werden drei bis vier Minuten frittiert und dann gewürzt. Pro Jahr verbraucht das Unternehmen über 700 Tonnen Gewürze und 30 Tonnen Salz. Der gesamte Prozess, von der rohen Kartoffel bis zur fertigen Chipstüte, dauert gerade einmal 40 Minuten.
Täglich laufen in Spreitenbach mehrere Tausend Packungen Chips vom Band.Severin Oehler
Täglich laufen in Spreitenbach mehrere Tausend Packungen Chips vom Band.Severin Oehler
Extra-Chips für die Migros
Produziert wird fast ausschliesslich in der Produktionsanlage in Spreitenbach AG. Es gibt aber Ausnahmen: «Wir arbeiten punktuell mit Partnerunternehmen zusammen, die unter Lizenz Produkte nach unseren Vorgaben herstellen», sagt eine Sprecherin von Zweifel.
Seit Beginn der 2000er-Jahre produziert die Bischofszell Nahrungsmittel AG, heute Fresh Food & Beverage Group, einzelne Produkte exklusiv für die Migros. Aus diesem Grund fehlt bei diesen Chipstüten auch der Stempel mit der Herkunftsangabe der Kartoffeln.
Wenn der Ball rollt, knuspert die Schweiz
Sporteventjahre sind Chipsjahre. Europa- und Weltmeisterschaften sorgen in regelmässigen Abständen für Zusatzumsätze. In einem Interview mit der Handelszeitung sagte CEO Christoph Zweifel: «Gemäss unseren Berechnungen bringt eine WM oder eine EM einen zusätzlichen Umsatz von rund 5 Prozent.» Beispielsweise verkaufte Zweifel während der WM 2018 zusätzliche 25 Tonnen Chips und verarbeitete 100 Tonnen mehr Kartoffeln. Dafür lief die Produktion teilweise im Dreischichtenbetrieb.
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Wichtiger als der Fussball ist für den Snackgiganten aber das Wetter. Läuft die Grillsaison mit Sonnenschein auf Hochtouren, landen auch mehr Snacks im Schweizer Warenkorb. Ist das Wetter weniger apéro- und grilltauglich, verregnet es wortwörtlich die Zusatzumsätze.
Chips für jeden Geschmack
Schon 1964 brachte Zweifel mit der Sorte «Paprika» seine erste Innovation auf den Markt. Die Rezeptur ist seit 1964 unverändert und bis heute geheim.
Die erste andere Geschmacksrichtung war Paprika im Jahr 1964.PD
Die erste andere Geschmacksrichtung war Paprika im Jahr 1964.PD
Doch die Schweizer Snackfans mögen Abwechslung. Besonders erfolgreich sind Sorten mit lokalem Bezug: Die limitierte Edition «Poulet im Chörbli» entwickelte sich überraschend zum viertbestverkauften Produkt des Unternehmens. Zusammen mit «Chnoblibrot» zeigt die Sorte, dass sich auch Schweizer Beizenklassiker in Chips verwandeln lassen.
Für neue Ideen orientiert sich Zweifel nicht nur an der Schweizer Küche, sondern auch an anderen Schweizer Kultmarken. Ein Volltreffer waren die Aromat-Chips, die der Idee in einem Tiktok-Video entstammen.
Ursprünglich ein KI-Gag auf Tiktok, dann Realität in den Regalen: Die Aromat-Chips.TikTok
Ursprünglich ein KI-Gag auf Tiktok, dann Realität in den Regalen: Die Aromat-Chips.TikTok
Die erste Charge war innerhalb einer Woche ausverkauft. Mit der kürzlich lancierten Thomy-Zweifel-Paprika-Mayonnaise versucht Zweifel, solche Partnerschaften weiter voranzutreiben.