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Wie Katar global und in der Schweiz investiert ist

Credit Suisse und Glencore sind nur zwei Beispiele: Das kleine Golf-Emirat Katar ist mit seinem Staatsfonds an vielen internationalen Konzernen beteiligt. Eben auch in der Schweiz.

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Skyline von Doha: Die Katarer sind in der Schweiz dick im GeschΓ€ft.Keystone RMS

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Das kleine Golf-Emirat Katar ist mit seinem Staatsfonds global mit ΓΌber 330 Milliarden Dollar investiert. In der Schweiz hat der Fonds letzte Woche seine Beteiligung an der Credit Suisse aufgestockt. Beteiligt sind die Katarer auch am BΓΌrgenstock-Resort und an Glencore.

Direkte wirtschaftliche Auswirkungen hat die diplomatische Isolation Katars bereits im Flugverkehr gezeigt. Die Schweiz ist davon aber nicht betroffen.

Flugverkehr zu wichtigen NachbarlΓ€ndern eingestellt

Die nationale Fluggesellschaft des Emirats Katar, Qatar Airways, hat am Dienstag den Flugverkehr zu wichtigen NachbarlΓ€ndern eingestellt. Zuvor hatten am Montag Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Γ„gypten die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. SpΓ€ter schlossen sich weitere arabische Staaten dem diplomatischen Bruch mit Katar an. Sie werfen dem kleinen Staat am Persischen Golf vor, Terrororganisationen zu unterstΓΌtzen.

Die Fluggesellschaften der vier LΓ€nder stellten ihrerseits den Flugverkehr nach Katar ein. Teilweise wurde auch der Luftraum fΓΌr katarische Flugzeuge gesperrt.

Die Schweizer Verbindung ist nicht betroffen. Qatar Airways ist die einzige Fluggesellschaft, die ZΓΌrich direkt mit Doha verbindet. Laut einer Sprecherin des Flughafens ZΓΌrich hat die Airline ZΓΌrich (heute) Dienstag nach Plan angeflogen. Auch der Abflug solle planmΓ€ssig verlaufen.

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FΓΌnftwichtigste Handelspartner

Katar war letztes Jahr der fΓΌnftwichtigste Handelspartner der Schweiz in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika - mit einem Handelsvolumen von total 1,1 Milliarden Franken. Die Schweiz exportiert vor allem Edelsteine- und -Metalle sowie Uhren, Maschinen und Pharmaprodukte in das Land.
Die Handelsimporte aus Katar sind mit 287 Millionen Franken (2016) minimal. Umso wichtiger sind die Investitionen des Emirats in der Schweiz ΓΌber seinen Staatsfonds Β«Qatar Investment AuthorityΒ» (QIA).

Die QIA sieht sich selbst als globalen Investor, der seine Gelder in einer breiten Palette von VermΓΆgensklassen und Branchen in allen Teilen der Welt anlegt. Fachleute sprechen davon, dass der Fonds auf dem gesamten Globus ΓΌber 330 Milliarden Dollar angelegt hat.

ViertgrΓΆsster CS-AktionΓ€r

So ist der Staatsfonds von Katar der viertgrΓΆsste AktionΓ€r der Grossbank Credit Suisse. Letzte Woche hatte er seine Beteiligung leicht auf knapp 18 Prozent erhΓΆht. Die Aktien der Credit Suisse Group (CS) gaben bis am Dienstag bis BΓΆrsenschluss um 1,2 Prozent auf 13,20 Franken nach.

Marktbeobachter schliessen nicht aus, dass Katar gegebenenfalls sogar zur Reduktion seiner an der CS gehaltenen Beteiligung gezwungen ist, sollten die von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain verhΓ€ngten Wirtschaftssanktionen ihre Wirkung vollumfΓ€nglich entfalten.

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Β«Keine Auswirkungen fΓΌr BΓΌrgenstockΒ»

Der Fonds steht auch hinter dem Zentralschweizer Luxushotel-Resort BΓΌrgenstock. Der Staatsfonds hat ΓΌber seine Zuger Tochter Katara Hospitality Switzerland ΓΌber 500 Millionen Franken in das Luxusresort investiert.

Laut Resort-Sprecher Raphael Amrein haben die Entwicklungen in Katar keinen Einfluss auf das Projekt. Die ErΓΆffnung finde wie geplant im August statt. Neben dem BΓΌrgenstock Resort gehΓΆren auch die Luxushotels Schweizerhof in Bern und das Royal Savoy in Lausanne zu Katara Hospitality.

Beteiligungen auch an LΓ€ndereien

Der Staatsfonds QIA selbst hΓ€lt sich mit detaillierten Angaben ΓΌber seine weltweiten Beteiligungen zurΓΌck. Selbst spricht QIA von weiteren Anteilen an Volkswagen, Barclays, Canary Wharf, der Harrods-Gruppe, Heathrow, Glencore, Tiffany & Co und Total. Bei Volkswagen ist die Qatar Holding mit 14,6 Prozent einer der ganz grossen AktionΓ€re.

Bei der Deutschen Bank hielten Katars Ex-Premier Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani und sein Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani Ende vergangenen Jahres zusammen rund acht Prozent sowie Kaufoptionen im Volumen von rund zwei Prozent.

Bei Hapag Lloyd wird die QIA mit 14,4 Prozent Kapitalanteil gefΓΌhrt. Auch Konzerne wie Hochtief, Porsche und Solarworld haben Erfahrungen mit katarischen AktionΓ€ren.



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Breite Anlagestrategie

Katar ist aber in seiner Anlagestrategie noch viel breiter engagiert. Das Emirat legt seine Gelder nach eigenen Angaben in allen mΓΆglichen VermΓΆgensarten und Regionen an. So beteiligt sich das Emirat auf den ImmobilienmΓ€rkten, kauft LΓ€ndereien, WΓ€lder, Anleihen und andere Finanzinstrumente.

Erst jΓΌngst hat sich Katar wieder in der TΓΌrkei engagiert. Daneben wurden Anteile an der russischen Γ–lgesellschaft Rosneft erworben.

Die katarische Wirtschaft hat in den letzten Jahren, auch bedingt durch den Γ–lpreis-RΓΌckgang, bestΓ€ndig an Fahrt verloren und wuchs 2016 nur noch um 2,6 Prozent.



(sda/ccr)
Wie die grΓΆssten Staatsfonds der Welt investieren, sehen Sie in der Bildergalerie:
Hier sind die Top Ten der grΓΆssten Staatsfonds der Welt (laut Sovereign Wealth Fund Institute):
10. Platz: National Social Security Fund (China)
Der Fonds ist einer von mehreren chinesischen Staatsfonds und soll zur Deckung von kΓΌnftigen Sozialausgaben dienen. Die 236 Milliarden Dollar sind vor allem in festverzinsliche Anlagen und chinesische Aktien investiert.
9. Platz: Qatar Investment Authority (Katar)
Der katarische Staatsfonds ist erst 2005 gegrΓΌndet worden und setzt auf langfristige Beteiligungen. Die 256 Milliarden Dollar sind unter anderem bei Glencore und Credit Suisse angelegt.
8. Platz: Government of Singapore Investment Corporation (Singapur)
Die BehΓΆrde ist eigentlich eine Dachgesellschaft, welche einen Teil der diversen Staatsfonds von Singapur verwaltet (die andere ist die Temasek Holding auf Rang 11). 344 Milliarden Dollar werden von der Corporation beaufsichtigt.
7. Platz: Hong Kong Monetary Authority Investment Portfolio (Hongkong)
Die de facto Zentralbank von Hongkong hat ihre Investitionen in einen Staatsfonds ausgelagert, der mit 442 Milliarden Dollar ausgestattet ist.
6. Platz: SAFE Investment Company (China)
Das staatliche chinesische Devisenamt betreibt einen Fonds, der zustΓ€ndig fΓΌr Deviseninvestitionen ist. Ihm stehen geschΓ€tzte 474 Milliarden Dollar zur VerfΓΌgung, wobei die Zahlen nicht ΓΆffentlich gemacht werden.
5. Platz: Kuwait Investment Authority (Kuwait)
Die BehΓΆrde ist eigentlich wieder eine Oberaufsicht ΓΌber verschiedene Staatsfonds, die gemeinsam gemanagt werden. Der Golfstaat verfolgt schon seit 1953 die Strategie, das Γ–lgeld mittels Staatsfonds zu verwalten. 592 Milliarden Dollar haben sich seither angesammelt.
4. Platz: SAMA Foreign Holdings (Saudi-Arabien)
Die saudische Zentralbank betreibt einen Staatsfonds mit 632 Milliarden Dollar. Doch der Γ–lstaat plant nach dem Aramco-BΓΆrsengang einen noch viel gewaltigeren Fonds zur Verwaltung der Γ–leinnahmen.
3. Platz: China Investment Corporation (China)
Der grΓΆsste von mehreren chinesischen Staatsfonds verwaltet die auslΓ€ndischen Devisenreserven des Landes. Die Corporation hat ihr Vorbild – die singapurische Temasek Holding – mit 747 Milliarden Dollar lΓ€ngst ΓΌbertroffen.
2. Platz: Abu Dhabi Investment Authority (Vereinigte Arabische Emirate)
Wie andere Γ–lfΓΆrderer bereiten sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate auf die Zeit nach dem Γ–l vor. Ihr 1976 gegrΓΌndeter Staatsfonds ist schon 773 Milliarden Dollar schwer.
1. Platz: Government Pension Fund (Norwegen)
Der Fonds verwaltet die Γ–leinnahmen des Landes seit 1990 und war zuletzt mit 848 Milliarden Dollar der grΓΆsste Staatsfonds der Welt. Doch die Krone dΓΌrfte den Norwegern bald abgejagt werden.
Daten: SWFI. Bilder: Keystone
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