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Warum der Blackrock-Chef Larry Fink als permanenter Co-Chairman ungeeignet ist

Fink demonstriert seine Macht und leistet sich einen massiven Interessenskonflikt. Und sein Sohn ist auch noch in die Epstein-Files verstrickt.

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Blackrock-Lenker Larry Fink blühte beim WEF 2026 in Davos auf – der Griff nach der permanenten Macht ist die logische Folge. AP

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Es ist eine kleine Streichung mit grosser Wirkung: Am Tag des Rücktritts des WEF-Geschäftsführers Børge Brende am 26. Februar führten die Stiftungsräte Larry Fink und André Hoffmann die Genfer Organisation noch als «Interims-Vorsitzende». Am nächsten Tag war der Zusatz «Interim» verschwunden. Dafür bekam ihn der 64-jährige Brende-Nachfolger Alois Zwinggi angehängt.
Getroffen wurde der Entscheid im kleinen Kreis. Wie das WEF ausrichten lässt, war nicht etwa der gesamte 28-köpfige Stiftungsrat in die Aufwertungsmission involviert. Das sechsköpfige Governing Board des Rats habe bestimmt, dass die beiden Co-Chairs in dieser Phase des Übergangs «Sicherheit und Kontinuität gewährleisten» sollten und «deshalb der ‹ad interim›-Zusatz von ihren Titeln gestrichen» werde. Praktischerweise gehören Roche-Erbe Hoffmann und Blackrock-Lenker Fink beide dem Führungsgremium an, dazu kommen Axa-Chef Thomas Buberl, die Bain-Veteranin Orit Gadiesh, Siemens-Aufsichtratschef Jim Hagemann Snabe und der chinesische Staatsökonom Zhu Min. Die anderen 22 Stiftungsräte von Ex-US-Vizepräsident Al Gore bis zur EZB-Chefin Christine Lagarde: nur Staffage.
Roche-Vizepräsident André Hoffmann (Bild) und der neue interimistische Geschäftsführer Alois Zwinggi vertreten die heimische Fraktion.
Roche-Vizepräsident André Hoffmann (Bild) und der neue interimistische Geschäftsführer Alois Zwinggi vertreten die heimische Fraktion.KEYSTONE/Laurent Gillieron
Roche-Vizepräsident André Hoffmann (Bild) und der neue interimistische Geschäftsführer Alois Zwinggi vertreten die heimische Fraktion.
Roche-Vizepräsident André Hoffmann (Bild) und der neue interimistische Geschäftsführer Alois Zwinggi vertreten die heimische Fraktion.KEYSTONE/Laurent Gillieron

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Es ist vor allem eine Machtdemonstration von Larry Fink, als CEO und Chairman des weltgrössten Vermögensverwalters mit Nahkämpfen auf Teppichetagen bestens vertraut und unbestritten der starke Mann des Führungsduos. Hoffmann und Fink waren im August letzten Jahres nach dem Abgang des ebenfalls nur interimistischen Chairman Peter Brabeck eingesprungen, und das war verdienstvoll: Fink, mit engem Kontakt zu Donald Trump, sollte nicht nur die schon vorliegende Zusage des US-Präsidenten für das WEF 2026 absichern, sondern auch die Sponsoren aus den USA bei Laune halten, die mehr als die Hälfte der Gelder bringen. Hoffmann war der Zählkandidat für die Schweizer Seite.
Fink lieferte: Er brachte so viele Tech-CEOs ans WEF wie nie zuvor, selbst der Eliten-Basher Elon Musk kam zum ersten Mal. Dass die Veranstaltung zur Trump’schen Politshow verkam, war da aus Finks Sicht nur eine Petitesse: Der 73-Jährige ging gestärkt aus dem Event hervor. Der Griff nach der permanenten Macht war die logische Folge.
Doch die Aufwertung ist brisant: Das WEF will laut Mission den «Zustand der Welt verbessern». Jetzt beherbergt es einen der grössten Interessenskonflikte der Weltwirtschaft und verstösst damit an oberster Stelle gegen die eigenen Grundsätze: «Das Forum stellt unter allen Umständen Unabhängigkeit und Unparteilichkeit sicher», heisst es in Artikel 4 der Statuten. Artikel 2 des Reglements legt zusätzlich fest: Kommt es bei einem Mitglied des Stiftungsrats zu einem «Interessenskonflikt zwischen seinen beruflichen Interessen oder Funktionen und seiner Rolle als Stiftungsrat», sollte es «seinen Rücktritt von seinem Mandat bekannt geben».

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Larry Fink lotste im Januar erstmals den Eliten-Basher Elon Musk (l.) nach Davos ans WEF.
Larry Fink lotste im Januar erstmals den Eliten-Basher Elon Musk (l.) nach Davos ans WEF.AFP
Larry Fink lotste im Januar erstmals den Eliten-Basher Elon Musk (l.) nach Davos ans WEF.
Larry Fink lotste im Januar erstmals den Eliten-Basher Elon Musk (l.) nach Davos ans WEF.AFP

Massiver Konflikt

Keine Finanzfirma der Welt verfügt über so viele Regierungsaufträge wie Blackrock. Und da ist das WEF-Präsidium potenziell hochattraktiv. Es liefert eine Währung, die selbst dem Lenker des weltumspannenden Blackrock-Reichs bislang verwehrt war: direkten Zugang zu allen Regierungschefs – der Aufbauarbeit des Klaus Schwab sei Dank. Eine Anfrage des Büros des Gründers verschaffte ihm direkten Zutritt zu praktisch jedem Staatenlenker.
Blackrock führt ihre Regierungsaufträge in der «Official Institutions Group». Die letzte detaillierte Aufzählung stammt aus dem Jahr 2020. Dort listet Blackrock 109 Kunden aus dem öffentlichen Bereich, darunter 45 Notenbanken, 19 staatliche Pensionskassen, 22 Staatsfonds, 14 Ministerien. Namen wurden nicht genannt, doch dass praktisch alle grossen Staatsfonds von China über Norwegen bis zu den Emiraten mit den New Yorkern zusammenarbeiten, ist bestätigt. In den USA ist die Zusammenarbeit besonders eng: In der Finanzkrise 2008 wickelte Blackrock im Regierungsauftrag die Assets des kollabierten Versicherers AIG ab, bei Corona-Ausbruch 2020 übernahm sie das Anleihen-Kaufprogramm für die Fed, und zu Trumps Antritt kaufte der traditionell den Demokraten zugewandte Fink dem neuen Präsidenten seine Häfen in Panama von den Chinesen. Trump liess auch private Gelder von Fink managen, wie er nach seiner Wahl 2017 bestätigte («Larry did a great job for me»).

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579 Milliarden Dollar für staatliche Organisationen managte Blackrock Ende 2020, heute dürften es deutlich mehr sein. Der letzte Geschäftsbericht bezifferte die verwalteten Vermögen für offizielle Institutionen auf 294 Milliarden Dollar. Doch der grösste Block, die staatlichen Pensionskassen, wurden anders als 2020 nicht mehr in dieser Kategorie erfasst. Sie werden in der Sparte der Pensionskassen aufgeführt, der Gesamtbetrag liegt bei 3400 Milliarden. Selbst wenn nur 15 Prozent davon staatlich wären, kämen noch einmal gegen 500 Milliarden verwalteter Staatsvermögen hinzu. Blackrock dürfte also mindestens 800 Milliarden Dollar staatliche Gelder verwalten – fast so viele wie die Schweizer Wirtschaftsleistung. Da kann der neue exklusive Zugang zu den Staatschefs rund um die Welt sehr hilfreich sein. In Davos beriet Finks Team schon mal Regierungen über Investment-Gelegenheiten beim Wiederaufbau der Ukraine.
Dass sich Blackrock dieser Problematik bewusst ist, zeigt Finks Verhalten gegenüber den Firmen, in denen er investiert ist: Um Interessenskonflikte zu vermeiden, untersagt die offizielle Blackrock-Politik den Eintritt in die Verwaltungsräte. Beim WEF sieht es Fink nicht so eng – dem hohen moralischen Anspruch zum Trotz.

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Doch selbst gegenüber den privatwirtschaftlichen Unternehmen verleiht das neue WEF-Mandat besondere Macht: Nicht nur sind 900 der 1000 weltgrössten Firmen Partner des WEF – und die meisten von ihnen Blackrock-Kunden. Fink verfügt als Co-Chair auch über die Gnade der Einladungen: Die begehrten «White Badges», höchste Währung unter den Forumsgängern, entscheiden über den Zugang zum Kongresszentrum – und dürfen von den Präsidenten teilweise nach Gutdünken verteilt werden. Hier können Fink und auch sein Co-Chair Hoffmann Freunde fördern und Gegner bestrafen. Selbst der Roche-Vizepräsident, gern mit hohem ethischem Habitus unterwegs, steht hier in einem Interessenskonflikt, wenn auch deutlich geringer als Fink: Roche lobbyiert gegen zu starke staatliche Regulierungen und kämpft gegen aggressive Rivalen.
Die BILANZ-Frage, ob Fink seine Doppelrolle bei Blackrock wegen des offensichtlichen Interessenskonflikts nicht aufgeben müsse, will das WEF nicht beantworten. Es teilt nur mit, dass mehrere Stiftungsräte aus der Privatwirtschaft kämen und deshalb automatisch Bezug zur Firmenwelt hätten, was gemäss den Statuten ausdrücklich erwünscht sei. Das stimmt sicher für die bisherige Rolle und durfte auch noch für die interimistische Chair-Funktion gelten. Doch als permanenter Präsident ist die Macht ungleich grösser – und entspricht kaum der Corporate Governance, die Fink so gern seinen Investitionsobjekten verordnet.

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Gründer Schwab war um die Jahrtausendwende ebenfalls Mitglied in einigen Verwaltungsräten, unter anderem bei der US-Tech-Firma US Web. Er wollte für die WEF-Teilnehmer ein eigenes Datennetzwerk aufbauen, dazu brauchte er externe Hilfe. Jedoch legte er fest, dass alle potenziellen Tantiemen in eine Stiftung fliessen. Dennoch gab es heftige Kritik vom «Wall Street Journal», und der damalige WEF-Rechtschef musste gegenüber der Zeitung klarstellen, dass hier kein Interessenskonflikt vorliege. Seitdem sagte Schwab jegliche VR-Anfragen ab.
Finks Interessenskonflikt ist massiv grösser, zumal er ja nicht nur Chairman, sondern auch CEO ist, und das von einem globalen Finanzkonzern mit mehr als 20’000 Mitarbeitenden. Doch dieses Mal schweigt das «Wall Street Journal».

Finks Milde bei Brende

Zusätzlich problematisch: Finks Ämterhäufung. Blackrock zeigt sich beim sogenannten Overboarding strikt: Die Firma verweigerte mehreren Kandidaten die Wahl, etwa bei den US-Tech-Firmen Alphabet, Salesforce oder Twitter, weil die Anwärter aus ihrer Sicht zu viele Mandate hielten. Die Grundregel lautet: maximal vier VR-Mitgliedschaften. Wohlgemerkt: Es handelte sich um Verwaltungsräte mit wenig operativer Belastung.

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Fink hat dagegen mit dem Doppelmandat beim weltgrössten Vermögensverwalter Blackrock einen der intensivsten Jobs der Finanzwelt. Jetzt leitet er auch noch als Co-Chair das WEF, mehr als 6000 Kilometer von seinem New Yorker Wohnsitz entfernt – Schwab wohnte in Gehdistanz zum WEF-Hauptquartier in Cologny und hatte keine Aktivitäten ausserhalb des Forums. Fink schon, zusätzlich zu Blackrock: Er amtet als exekutives Mitglied bei der Standortinitiative «Partnership for New York City», als Mitglied im Advisory Board der Tsinghua University oder als «Strategic Advisor» der Non-Profit-Finanzberatung FCLTGlobal. Das sind zwar keine klassischen VR-Mandate. Doch Blackrock würde die Postensammlung kaum gutheissen – genauso wenig wie die Amtsdauer des eigenen Chefs: Er ist seit 28 Jahren Chairman. Bei anderen Firmen votiert Blackrock nach zwölf Jahren gegen die Wiederwahl.
Und noch an einer anderen Front steht Fink unter Druck. Selbst innerhalb des WEF war das Erstaunen über das zögerliche Vorgehen des starken Mannes gegen den tief im Epstein-Sumpf versunkenen Geschäftsführer Brende zu spüren. Quälende vier Wochen liess sich die Führung Zeit mit einer Alibi-Untersuchung, obwohl die Faktenlage und Brendes Lügengebäude sofort unstrittig signalisierten, dass der Norweger nicht mehr tragbar war. Bei Brendes Abtritt wurde der Sexualstraftäter mit keinem Wort erwähnt.

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Epstein und Einstein

Ein möglicher Grund für die Zurückhaltung: Finks Sohn Joshua, ältestes seiner drei Kinder, taucht ebenfalls prominent in den Epstein-Files auf. Fink junior ist beim WEF kein Unbekannter. Seit 15 Jahren ist er mit seinen Firmen Sponsor: erst als CEO der Finanzfirma Enso, heute als CEO der Nachfolgefirma Luma Group. «Joshua Fink ist aktiv involviert ins World Economic Forum», heisst es auf der WEF-Website.
2011, im Jahr seiner ersten WEF-Teilnahme, begann Joshua Fink eine Beziehung mit der jungen Russin Svetlana Pozhidaeva (ihren Namen hat sie inzwischen geändert). Die Tochter eines russischen Armeeoffiziers war über die Agentur MC2 in die USA gekommen, hatte jedoch Visaprobleme. MC2 war eine Agentur, die der Franzose Jean-Luc Brunel 2004 gegründet hatte, mit Epstein als Geldgeber. Der Name war eine Macho-Anspielung auf E = mc2: In der bekanntesten Formel der Welt ersetzte Epstein das Physikgenie Einstein.
Joshua Fink mit Svetlana Pozhidaeva, die mehrere Jahre eng mit ­Epstein verbunden war.
Joshua Fink mit Svetlana Pozhidaeva, die mehrere Jahre eng mit Epstein verbunden war.WireImage
Joshua Fink mit Svetlana Pozhidaeva, die mehrere Jahre eng mit ­Epstein verbunden war.
Joshua Fink mit Svetlana Pozhidaeva, die mehrere Jahre eng mit Epstein verbunden war.WireImage
Brunel hatte einen desaströsen Ruf. CBS hatte schon 1988 in seiner Serie «60 Minutes« aufgezeigt, dass Brunel mit Versprechen für Modelarbeit junge Frauen unter Drogen setzte und seinen Freunden als Sexpartnerinnen zuspielte. Dieser Fakt war öffentlich bekannt, trotzdem wollte sich Fink junior mit Brunel treffen, um die Visaprobleme der jungen Russin zu lösen. «Wir können morgen sprechen» bestätigte Brunel per Mail Fink. Der zeigte sich auch öffentlich mit ihr, etwa an einer Gala von Elton Johns Aids-Stiftung. Brunel, der Epstein regelmässig Mädchen zuführte, wollte 2016 gegen seinen Geldgeber aussagen, zog die Zusage aber zurück. Im Jahr 2020 nahm ihn die französische Polizei fest, 2022 wurde er erhängt in seiner Zelle gefunden, wie Epstein drei Jahre zuvor.

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Joshua Fink, der Sohn des Blackrock-Chefs, kontaktierte Jean-Luc ­Brunel, der Jeffrey Epstein Mädchen zuführte und 2022 erhängt in seiner Zelle gefunden wurde, wie 2019 Epstein.
Joshua Fink, der Sohn des Blackrock-Chefs, kontaktierte Jean-Luc Brunel, der Jeffrey Epstein Mädchen zuführte und 2022 erhängt in seiner Zelle gefunden wurde, wie 2019 Epstein.zVg
Joshua Fink, der Sohn des Blackrock-Chefs, kontaktierte Jean-Luc ­Brunel, der Jeffrey Epstein Mädchen zuführte und 2022 erhängt in seiner Zelle gefunden wurde, wie 2019 Epstein.
Joshua Fink, der Sohn des Blackrock-Chefs, kontaktierte Jean-Luc Brunel, der Jeffrey Epstein Mädchen zuführte und 2022 erhängt in seiner Zelle gefunden wurde, wie 2019 Epstein.zVg
Bekannt wurden die Details, weil die Russin ihren E-Mail-Verkehr mit Joshua Fink an Epstein weiterleitete. Sie lieferte dem Sexualstraftäter, was er suchte: Macht über Prominente durch kompromittierende Insiderkenntnisse. Fink junior, Sohn der Wall-Street-Ikone Larry Fink, passte bestens ins Beuteschema.

Verbindung zu Brende

Intime Liebesthemen, inklusive Schwangerschaft und möglicher Hochzeit, werden detailliert ausgebreitet. Auch die schwierige Beziehung zum Übervater wird thematisiert. Fink junior hatte mit seiner Firma Enso Schiffbruch erlitten. Er habe von seinen Problemen mit der «schlechten Presse und dem Vater» erzählt, schreibt sie. Was sein «Vater damit zu tun» habe, schrieb er zurück. Gegenüber dem «Wall Street Journal» betonte Joshua Fink, nichts von den Verbindungen seiner Partnerin zu Epstein gewusst zu haben.
Wie eng die Russin mit Epstein verbunden war, zeigte 2019 die Londoner «Daily Mail». Demnach hielt sie sich in Epsteins Villa in Manhattan auf, als auch Prinz Andrew dort nächtigte. Laut den Epstein-Files warb sie auch junge Mädchen für Epstein an. Die Russin hatte auch Kontakt mit Musk, den Fink im Januar ans WEF lotste. Eine weitere Beziehung zum WEF: Auf einem Foto steht sie neben Epstein und dem Norweger Terje Rød-Larsen. Der Diplomat führte später den WEF-Chef Brende bei Epstein ein. Brendes Epstein-Freund kannte also die russische Epstein-Gehilfin, mit der Fink junior eine Beziehung hatte. Brende brachte Fink junior auch zum WEF – und als er selbst in den Epstein-Strudel geriet, wollte Fink senior ihn im Amt halten.

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Doch das war aussichtslos. Ein überführter Lügner tief im Epstein-Morast auf der Bühne des nächsten WEF war ein No-Go. Als sein Vertrauter Brende nicht mehr zu halten war, dankte Fink ihm blumig für dessen «Hingabe und Führungskraft» – und liess sich zum permanenten Co-Präsidenten küren.

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