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Einordnung der Gerüchte

Die Notfallpläne der UBS – diese Szenarien gibt es

Die UBS wehrt sich gegen strengere Schweizer Eigenkapital-Regeln – und löst damit eine neue Welle an Wegzug- und Fusionsgerüchten aus. Wie realistisch sind die Szenarien?

Bernadette_Hogg_Journalistin Wirtschaftsdesk_Ringier Medien Schweiz_1.jpgMichael Hotz

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Erneut brodelt die Gerüchteküche um mögliche Wegzugpläne der UBS: Das «Wall Street Journal» – das führende Medium des US-Finanzplatzes – berichtet unter Berufung auf Insider, dass sich mehrere US-Finanzinstitute eine Fusion der Schweizer Grossbank vorstellen können – und darum bei der UBS vorstellig geworden sind. «Die Bank hat Anfragen von potenziellen US-Geschäftspartnern erhalten, während sie sich öffentlich mit Schweizer Politikern über deutlich höhere Kapitalanforderungen auseinandersetzt», heisst es dazu im Bericht.
Offenbar arbeitet die UBS im Hintergrund mehrere Notfallpläne aus – als Reaktion auf die politische Debatte um strengere Eigenkapital-Vorschriften. Die neuen Regeln könnten die Bank laut eigenen Angaben zu einer Kapitalaufstockung von bis zu 16 Milliarden Franken zwingen. Die UBS lässt sich nicht in die Karten schauen. «Wir kommentieren keine Spekulationen oder Meinungsäusserungen zu solchen Themen», sagt ein UBS-Sprecher auf Anfrage.
Zu den Notfallplänen für einen Wegzug kursieren mehrere Szenarien. Wir stellen diese vor – und ordnen ein.
Lässt die UBS die Schweiz sitzen und zügelt in die USA? Gerüchte dazu geistern bereits seit Frühling 2025 herum. Das Szenario: Die Schweizer Grossbank kauft ein amerikanisches Finanzinstitut und verlegt ihren Hauptsitz in die USA. Für Schweizer Kunden könnte das bittere Folgen haben, warnte Rudolf Minsch (59), Chefökonom von Economiesuisse, im September im Blick: «Wir merken bereits jetzt, dass die Credit Suisse fehlt. Wir brauchen eine starke Schweizer Grossbank, denn sonst würde es noch schwerer, gerade etwa mit grossen Krediten.»

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Die USA sind für die UBS ein wichtiger Wachstumsmarkt. Mit dem Hauptsitz an der Wall Street könnte sie attraktiver für vermögende Amerikaner sein. Aber: Unter Trump’scher Regulierungsunsicherheit und ohne Swissness stiesse die Grossbank bei asiatischen Vermögensverwaltungskunden wohl auf deutlich weniger Interesse. Entsprechend gibt sich Ökonom Aymo Brunetti (63) gelassen. Kürzlich bilanzierte er: «Wenn die UBS wegen dieser moderaten, neuen Regelung geht, dann war sie eh schon halb weg.»
Gerüchte über eine Mega-Fusion mit einer ausländischen Bank machen auch die Runde. Insider verrieten Blick im September: Mehrere ausländische Banken haben bei der UBS Interesse an einem Zusammenschluss signalisiert. Mindestens acht globale Finanzinstitute wären laut Angaben der Insider offen für Gespräche mit der UBS.
Mögliche Kandidaten, die schon medial erwähnt wurden: Morgan Stanley, die Deutsche Bank oder Grossbritanniens Standard Chartered. Auch das Wall-Street-nahe US-Medium Semafor berichtete bereits über dieses Szenario. Doch Ökonom Brunetti hält auch diese Variante für unwahrscheinlich.
Warum sind ausländische Rivalen überhaupt so scharf auf die UBS? Ganz einfach: Die Schweizer Grossbank kann auf eine sehr lukrative Kundschaft zählen – extrem vermögende Privatpersonen. In den USA ist die UBS in der Vermögensverwaltung bereits eine feste Grösse.

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Deswegen steht laut dem «Wall Street Journal» auch ein möglicher Verkauf an eine US-Grossbank im Raum. Konkrete Beispiele nennt die Zeitung nicht. Ob diese vermögenden Kunden aber auch bleiben würden, wenn die UBS amerikanisch werden würde? «Die UBS verdient in der Schweiz gutes Geld mit all diesen Geschäften. Warum sollte sie diese Zelte bei einem Wegzug niederreissen?», so Brunetti.
Die beiden UBS-Entscheidungsträger CEO Sergio Ermotti (66) und VR-Präsident Colm Kelleher (69) haben sich bisher stets zur Schweiz bekannt. UBS-Chef Ermotti tat die Gerüchte auch schon mit harten Worten ab – sprach etwa von «Bullshit». Will die UBS die Schweiz also gar nicht verlassen? Sehr gut möglich. Ökonom Brunetti hält eine Fusion mit einem Konkurrenten oder einen Wegzug für unwahrscheinlich: «Swissness ist nach wie vor sehr wichtig für die Grossbank», sagte er kürzlich.
Und trotzdem kursieren immer wieder Wegzuggerüchte. Aber genau das spielt der UBS auch in die Karten. Sie sind ein Druckmittel gegenüber der Schweizer Politik und deren neuen Eigenkapital-Vorschriften. Wiederholt hat die UBS die neuen Regeln kritisiert. Die Bankenchefs betonen: Die Vorschriften seien übertrieben und würden die Bank gegenüber der Konkurrenz im Ausland benachteiligen – gerade in den USA, wo die UBS weiter wachsen will.

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Bislang ist die Bank mit ihren Argumenten auf dem politischen Parkett auf wenig Unterstützung gestossen. Im September sprach sich der Ständerat für eine harte Umsetzung aus. Er will, dass die UBS ihre Auslandstöchter mit 90 Prozent Eigenkapital unterlegt. Jetzt steht die UBS vor der Herausforderung, den weniger bankenfreudigen Nationalrat von einer weniger scharfen Lösung überzeugen zu müssen.
Über die Autoren
Michael Hotz
Michael Hotz
Michael Hotz ist Ressortleiter bei Ringier Medien Schweiz

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