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Grossbank im Kapitalstreit

UBS denkt das Undenkbare – verlässt sie die Schweiz?

Die Bank hat Anfragen von potenziellen US-Geschäftspartnern erhalten, während sie sich öffentlich mit Schweizer Politikern über deutlich höhere Kapitalanforderungen auseinandersetzt.

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UBS in Zürich: Ein Umzug aus der Limmatstadt würde den «Schweizer Charakter» einer Bank schmälern, die als finanzielles Aushängeschild des Landes gilt.
UBS in Zürich: Ein Umzug aus der Limmatstadt würde den «Schweizer Charakter» einer Bank schmälern, die als finanzielles Aushängeschild des Landes gilt. Keystone

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Von Margot Patrick, Cara Lombardo und AnnaMaria Andriotis
Führungskräfte bei der UBS, der letzten verbliebenen globalen Vorzeigebank der Schweiz, bereiten sich auf einen einst unvorstellbaren Schritt vor – die Aufgabe ihres Schweizer Heimatstandorts.
Mitarbeiter der Bank und ihre Berater erarbeiten Notfallpläne für den Fall, dass der Schweizer Gesetzgeber strengere Kapitalanforderungen im Rahmen der «Too-big-to-fail«-Gesetze des Landes durchsetzen sollte. Die Massnahmen sind eine Reaktion darauf, dass die UBS vor drei Jahren die Credit Suisse retten musste, wie aus Kreisen hervorgeht, die mit den Bemühungen der Bank vertraut sind.
Dies könnte eine Zukunft bedeuten, in der die UBS – der Finanzgigant des Landes und ein wichtiger Motor der Schweizer Wirtschaft – von einem Hauptsitz aus geführt wird, der weit entfernt von den Kopfsteinpflasterstrassen Zürichs liegt.
Zu den diskutierten Optionen gehören der Kauf eines in den USA ansässigen Finanzinstituts und eine Verlagerung des Hauptsitzes, eine Fusion mit einem europäischen Konkurrenten oder der Verkauf an ein US-Unternehmen, das an der vermögenden Kundschaft der UBS interessiert ist, so die mit der Angelegenheit vertrauten Personen.
Ein Wegzug aus Zürich würde den «Schweizer Charakter« einer Bank schmälern, die als finanzielles Aushängeschild des Landes gilt. Die kulturelle Identität der Schweiz ist eng mit ihrer historischen Rolle als Ort verbunden, der Diskretion und einen sicheren Hafen für das Vermögen der globalen Elite bietet.

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Der mögliche Weggang der UBS hat die Schweiz in ihre jüngste existenzielle Krise gestürzt: Es geht darum, inwieweit die Finanzbranche die wirtschaftliche Identität des Landes prägen soll. Das Land verlangt von der UBS, dass sie für ihre umfangreichen Auslandsgeschäfte erhebliches neues Kapital vorhält – eine Aufstockung, deren Kosten die UBS nach den dem Parlament vorliegenden Gesetzesentwürfen auf rund 16 Milliarden US-Dollar schätzt. Umfragen im Land zeigen Unterstützung für diese Aufstockungen.
Finanzministerin Karin Keller-Sutter, die sich an vorderster Front für die Einführung der höheren Kapitalanforderungen eingesetzt hat, sagte, dass ein Weggang für die UBS teurer wäre als ein Verbleib, und dass sie nicht glaube, dass die Bank das Land verlassen werde.
«Die UBS will eine globale Bank sein, und die Menschen in der Schweiz möchten, dass sie der lokale Ansprechpartner für den Tante-Emma-Laden und die lokale Sparkasse ist«, sagte Stefan Legge, Professor und Leiter des Bereichs Steuer- und Handelspolitik an der Universität St. Gallen. «Wir erleben gerade ein Spiel von ‚Wer traut sich nicht?‘. Wer macht zuerst einen Rückzieher?«
Das Vermögen der Schweizer Haushalte, das zu den höchsten der Welt zählt, wird durch die Präsenz einiger der weltweit grössten Unternehmen gestützt. Globale Champions aus dem eigenen Land stärken das Image der Nation, die mit nur neun Millionen Einwohnern weit über ihre Gewichtsklasse hinaus spielt. Die Geschichte der UBS reicht bis ins Jahr 1862 zurück. Als sich 1998 die Union Bank of Switzerland und die Swiss Bank Corporation zur modernen Institution zusammenschlossen, wurde sie kurzzeitig zur zweitgrössten Bank der Welt gemessen an der Bilanzsumme.

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Schweizer Gesetzgeber sagen, dass strengere Massnahmen erforderlich sind, um einen Bankenzusammenbruch zu verhindern, der eine Staatsschuldenkrise auslösen könnte. Die bestehenden Gesetze wurden verabschiedet, nachdem die UBS 2008 aufgrund ihrer Engagements in toxischen US-Hypotheken eine Rettungsaktion in Höhe von mehr als 50 Milliarden US-Dollar benötigte; sie wurden jedoch nicht vollständig durchgesetzt und erwiesen sich als wenig hilfreich, als die Credit Suisse 2023 auf ihren Zusammenbruch zusteuerte.
Der Zusammenschluss der beiden grossen Kreditinstitute hat die Befürchtungen nur wiederbelebt, dass die Schweiz vor weiteren Rettungsaktionen stehen könnte. Die Vermögenswerte der UBS in Höhe von 1,7 Billionen US-Dollar entsprechen rund 150 % der Schweizer Wirtschaftsleistung, verglichen mit 15 % des US-BIP bei der grössten amerikanischen Bank.
Während sich die UBS und die Regierung in den letzten Monaten öffentlich über die Gesetzgebung stritten, erhielt die UBS laut einigen der Informanten Anfragen von potenziellen US-Partnern bezüglich möglicher Geschäfte. Sie wiesen jedoch darauf hin, dass die Bank sich nicht in aktiven Verhandlungen befinde und noch keine formellen Schritte in Richtung eines Deals unternommen habe.

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Es gibt keine Garantie dafür, dass die UBS einen Deal abschliessen wird, und einige vermuten, dass die Bank nur eine letzte verzweifelte Anstrengung unternimmt, um die Gesetzgeber davon zu überzeugen, ihre Pläne zu ändern, die noch der Zustimmung des Parlaments bedürfen, die in den kommenden Monaten erwartet wird. Sie könnte sich auch einfach dafür entscheiden, zu bleiben. Nach dem aktuellen Vorschlag hätte die Bank sieben Jahre Zeit, die höheren Kapitalanforderungen schrittweise umzusetzen.
Zwei externe UBS-Aktionäre, Cevian Capital und Artisan Partners, drängen auf einen Umzug.
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Selbst wenn die Bank ihren Hauptsitz verlegt, könnte die UBS ihr inländisches Schweizer Geschäft behalten oder es möglicherweise an Aktionäre oder externe Investoren ausgliedern. Sie gibt keine Aufschlüsselung des Gesamtumfangs ihres Schweizer Geschäfts bekannt, doch in ihren Lobbying-Unterlagen heisst es, dass sie Schweizer Unternehmen und Haushalten Kredite in Höhe von rund 417 Milliarden US-Dollar gewährt und dort etwa ein Drittel ihres Umsatzes erwirtschaftet.
Colm Kelleher, der ehemalige Präsident von Morgan Stanley, der seit 2022 den Vorsitz im Verwaltungsrat der UBS innehat, spricht sich laut einigen der Befragten zunehmend dafür aus, eine Einigung auszuloten. Sein Auftrag bei seinem Amtsantritt bestand darin, die UBS in den USA auszubauen und ihren Wert in den Augen der Bankinvestoren zu steigern.

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Eine der Personen verglich Kellehers Strategie mit einem knallharten Pokerspiel gegen die Schweizer Behörden, anstatt einfach nur zu bluffen.
Ein solcher Schritt wäre eine bittere Pille für den Vorstandsvorsitzenden der Bank, Sergio Ermotti. Der Schweizer kehrte 2023 zur UBS zurück, um das Unternehmen durch die Notübernahme des Konkurrenten Credit Suisse zu führen. Er sprach von einem Gefühl der nationalen Pflicht, als er die Rolle auf dem Höhepunkt der Krise annahm.
London, UK. 13 January 2016. Pictured: Sergio P Ermotti, Group CEO, UBS. WOMEN: New Portraits, a global tour of new photographs by Annie Leibovitz launches in London. Commissioned by UBS, the exhibition opens to the public on 16 January at Wapping Hydraulic Power Station, kicking off a 10-city world-wide tour. Access to the exhibition will be free. Annie Leibovitz, WOMEN: New Portraits, Wapping Hydraulic Power Station, London, UK London UK 13 January 2016 Pictured Sergio P Ermotti Group CEO UBS Women New Portraits a Global Tour of New Photographs by Annie Leibovitz launches in London Commissioned by UBS The Exhibition Opens to The Public ON 16 January AT Wapping Hydraulic Power Station KICKING off a 10 City World Wide Tour Access to The Exhibition will Be Free Annie Leibovitz Women New Portraits Wapping Hydraulic Power Station London UK
London, UK. 13 January 2016. Pictured: Sergio P Ermotti, Group CEO, UBS. WOMEN: New Portraits, a global tour of new photographs by Annie Leibovitz launches in London. Commissioned by UBS, the exhibition opens to the public on 16 January at Wapping Hydraulic Power Station, kicking off a 10-city world-wide tour. Access to the exhibition will be free. Annie Leibovitz, WOMEN: New Portraits, Wapping Hydraulic Power Station, London, UK London UK 13 January 2016 Pictured Sergio P Ermotti Group CEO UBS Women New Portraits a Global Tour of New Photographs by Annie Leibovitz launches in London Commissioned by UBS The Exhibition Opens to The Public ON 16 January AT Wapping Hydraulic Power Station KICKING off a 10 City World Wide Tour Access to The Exhibition will Be Free Annie Leibovitz Women New Portraits Wapping Hydraulic Power Station London UK
UBS-Chef Sergio Ermotti hat erklärt, er wolle die globale Bank weiterhin von der Schweiz aus leiten. IMAGO/Bettina Strenske
London, UK. 13 January 2016. Pictured: Sergio P Ermotti, Group CEO, UBS. WOMEN: New Portraits, a global tour of new photographs by Annie Leibovitz launches in London. Commissioned by UBS, the exhibition opens to the public on 16 January at Wapping Hydraulic Power Station, kicking off a 10-city world-wide tour. Access to the exhibition will be free. Annie Leibovitz, WOMEN: New Portraits, Wapping Hydraulic Power Station, London, UK London UK 13 January 2016 Pictured Sergio P Ermotti Group CEO UBS Women New Portraits a Global Tour of New Photographs by Annie Leibovitz launches in London Commissioned by UBS The Exhibition Opens to The Public ON 16 January AT Wapping Hydraulic Power Station KICKING off a 10 City World Wide Tour Access to The Exhibition will Be Free Annie Leibovitz Women New Portraits Wapping Hydraulic Power Station London UK
London, UK. 13 January 2016. Pictured: Sergio P Ermotti, Group CEO, UBS. WOMEN: New Portraits, a global tour of new photographs by Annie Leibovitz launches in London. Commissioned by UBS, the exhibition opens to the public on 16 January at Wapping Hydraulic Power Station, kicking off a 10-city world-wide tour. Access to the exhibition will be free. Annie Leibovitz, WOMEN: New Portraits, Wapping Hydraulic Power Station, London, UK London UK 13 January 2016 Pictured Sergio P Ermotti Group CEO UBS Women New Portraits a Global Tour of New Photographs by Annie Leibovitz launches in London Commissioned by UBS The Exhibition Opens to The Public ON 16 January AT Wapping Hydraulic Power Station KICKING off a 10 City World Wide Tour Access to The Exhibition will Be Free Annie Leibovitz Women New Portraits Wapping Hydraulic Power Station London UK
UBS-Chef Sergio Ermotti hat erklärt, er wolle die globale Bank weiterhin von der Schweiz aus leiten. IMAGO/Bettina Strenske
Angesichts der Entschlossenheit der Regierung, die Kapitalanforderungen der Bank zu erhöhen, habe er jedoch seine Haltung hinsichtlich der Bedeutung der Erhaltung eines Schweizer Finanzriesen gemildert, sagten diese Personen.
Beide Männer haben erklärt, sie wollten die globale UBS weiterhin von der Schweiz aus führen, doch es könnte ein Punkt kommen, an dem dies nicht mehr möglich ist. Eine mit den Überlegungen der Bank vertraute Person sagte, der Verwaltungsratspräsident und der CEO seien sich in dieser Frage völlig einig.
Spekulationen über einen Deal mit der UBS nehmen kein Ende. Zu den von Analysten genannten potenziellen Partnern zählen Morgan Stanley und regionale US-Banken. Im Jahr 2019 berichtete das «Wall Street Journal«, dass die UBS und die Deutsche Bank Möglichkeiten zur Zusammenlegung ihrer Geschäfte geprüft hätten. Jeder Deal müsste wahrscheinlich mehr vermögende US-Kunden einbringen oder neue Wege bieten, diese zu erreichen, sagten der UBS nahestehende Personen.

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Die UBS-Aktie hat in diesem Jahr zwar zugelegt, hinkt aber hinter ihren internationalen Konkurrenten hinterher – ein Faktor, den Anleger auf die Debatte um das Kapital zurückführen. Die Bank hat eine Marktkapitalisierung von rund 155 Milliarden US-Dollar und liegt damit unter der ihrer amerikanischen Konkurrenten Morgan Stanley (280 Milliarden US-Dollar) und Goldman Sachs (rund 260 Milliarden US-Dollar).
In den USA ist die UBS vor allem für ihr Vermögensverwaltungsgeschäft bekannt, zu dem auch das ehemalige Beraternetzwerk von PaineWebber gehört, sowie für ihre Investmentbank, die zu den Top 10 zählt, mit Aktien handelt und Unternehmen bei Aktien- und Anleihetransaktionen berät.
UBS bezeichnet sich selbst als die Bank für Milliardäre und betreut Hunderttausende amerikanischer Millionäre. Sie ist der grösste Vermögensverwalter in Asien und eine wichtige Grösse im Nahen Osten sowie in anderen wachsenden Vermögensmärkten.
Analysten haben darauf hingewiesen, dass die UBS berücksichtigen muss, wie sich die US-Bankenregulierung im Laufe der Zeit entwickeln könnte.
«Unternehmen sind wie Pflanzen«, sagte Professor Legge. «Man kann sie nehmen und woanders einpflanzen, aber werden sie dort auch wachsen?«

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Übersetzt aus dem Englischen von der BILANZ Redaktion.
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