Der Zoff macht ratlos.
Da hat also Bahn-Grande Spuhler bei der Auftragsvergabe von 116 Doppelstock-Zügen gegen den grossen Rivalen Siemens verloren. Doch das akzeptiert der medial gewandte Stadler-Präsident nicht und schiesst öffentlich gegen die SBB, die notabene noch immer sein wichtigster Auftraggeber ist: Gerade 0,6 Prozent sei sein Angebot teurer gewesen. Die Bähnler um CEO Ducrot halten via «Blick» dagegen: Es sei «kein Kopf-an-Kopf-Rennen» gewesen, die Offerte aus Deutschland sei «klar zugunsten von Siemens Mobility» ausgefallen.
Das Dilemma: Nichts Genaues weiss man nicht. Ist der Unterschied so klein, wie Spuhler ihn darstellt, darf man von einem Staatsbetrieb in diesen patriotisch-protektionistisch so aufgeheizten Zeiten nationales Feingefühl inklusive heimischer Förderung erwarten – selbst wenn dieser Inländer-Vorrang im Beschaffungsrecht nicht erwähnt wird. Auch Bahnbeamte, notabene vom Steuerzahler besoldet, agieren nicht völlig losgelöst. Ist das Urteil der gegen 100 SBB-Fachexperten dagegen so unangefochten, wie es die Staatsbahn darstellt, hat Spuhler zu früh und zu laut gebellt. Was fehlt: Transparenz.
Eigentlich sollten derartige Rangeleien nicht von der Justiz entschieden werden. Doch Spuhler hat den Gang vors Bundesverwaltungsgericht bereits angedroht, und das ist gut so: Endlich gäbe es einmal exemplarischen Einblick in sonst so undurchsichtige Beschaffungs-Verfahren. Für den Stadler-Lenker allerdings auch ein Risiko: Setzen sich die SBB-Experten durch, steht er als vorlauter Jammeri da. Hoffen wir auf ein schnelles Verfahren.