Zwei Risikokapitalisten über die Chancen von Vay
«Corona hilft ihnen»
Roland Zeller gründete einst Travel.ch. Heute führt er Innuvik Ventures und ist VR zahlreicher Start-ups: «Vay hat mit einer Fitness-App im B2C angefangen und dann gemerkt, dass man da kaum Geld verdienen kann. Jetzt konzentrieren sie sich auf die Technologie und B2B2C. Das finde ich sehr smart, auch wenn die Sales Cycles in so einer Konstellation mit typischerweise 12 bis 18 Monaten sehr lang sind. Die Corona-Krise hilft ihnen: Yoga-Studios, die von Live- Unterricht auf Videosessions umgestellt haben, können etwa mit Hilfe von Vays Technologie die Teilnehmenden auch am Bildschirm korrigieren, wenn diese die Übungen nicht richtig machen. Auch Fitness, Telemedizin, selbst Skispringen sind denkbare Anwendungen.
Das kann sehr spannend sein, wenn man die richtigen Partner hat, um in den einzelnen Verticals zu skalieren. Entscheidend wird sein, ob sie in die grossen Fitness-Apps kommen und in die Ökosysteme von Google und Apple. Jetzt muss Vay die Finanzierungsrunde stemmen und den Pilot mit der Yoga-App live bringen. Und dann die nächsten fünf Kunden gewinnen, um mit diesen Knallerprojekte zu entwickeln und einen Revenue Stream hinzubekommen. Wenn sie das schaffen, haben sie eine gute Chance, ein Hidden Champion zu werden, der viele Websites und Apps im Hintergrund besser macht. Vay wird nie eine Firma sein, die jeder auf der Welt kennt. Aber gerade das sind die spannenden Firmen!»
«Werden nicht enorm gross»
Alex Fries lebt seit 15 Jahren als Gründer und VC im Silicon Valley. Derzeit lanciert er einen Fonds mit der EPFL: «Ich habe die Gründer von Vay schon vor einem Jahr kennengelernt, als sie zu Besuch im Silicon Valley waren. Damals hatten sie nur eine App und wollten B2C gehen. Inzwi- schen haben sie einen Pivot gemacht in Richtung Technolo- gielieferant für Motion Analysis. Das finde ich sehr gut, dann sind sie unabhängig von Hardware, und die Lösung wird auch besser skalieren. Das Produkt ist parat in der ersten Version für Yoga und Fitnesstraining, das sind heisse Verticals. Noch interessanter wäre freilich Physiotherapie, auch für ältere Leute. Stattdessen will Vay Corporate Wellness angehen – ich weiss nicht, ob das funktioniert. Beim Go-to-Market bräuchte das ETH-Spin-off also vielleicht etwas Unterstützung. Denn der Markt ist gross, aber es gibt viele Wettbewerber, gerade aus den USA. Die sind teils auch schon grösser, aber technologisch längst nicht so gut – oder sie gehen B2C.
Das Team ist hungrig, die Gründer sind selbst Spitzensportler. In die zu inves- tieren ist immer gut, die geben nie auf. Im Fundraising fehlt ihnen noch die Erfahrung, aber ich glaube, sie werden das schaffen. Mich stört aber, dass die Umsatzprognosen verhalten sind. Das könnte man aggressiver angehen. Ich glaube nicht, dass die Firma enorm gross wird, aber sie ist ein attraktiver Invest- ment Case. Auch weil die Bewertung als Early Stage noch vernünftig ist.»