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Europa

Die EU-Mitgliedschaft bringt nicht mehr Wohlstand

Eine neue Studie zeigt: Die EU-Mitgliedschaft generiert nicht mehr Wirtschaftswachstum. Aber sie hat andere, eindeutige Vorteile zu bieten.

Melanie Loos

Juncker
Jean-Claude Juncker: Die Amtszeit des EU-Kommissionsprรคsidenten endet in diesem Jahr. 2018 Getty Images

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Die Europรคische Union steht vor grossen Herausforderungen, oder in den Worten des franzรถsischen Prรคsidenten Emmanuel Macron: ยซNoch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war Europa so wichtig. Und doch war Europa noch nie in so grosser Gefahrยป.
Ein Symbol fรผr die Krise in Europa ist der Brexit, dessen Umsetzung nur wenige Tage vor dem offiziellen Ausstiegsdatum am 29. Mรคrz immer noch in Frage steht. Denn die Zukunft und der Wohlstand der britischen Bevรถlkerung steht auf dem Spiel, wie die EU-Befรผrworter argumentieren und mit Studien รผber die รถkonomischen Folgen des Brexit belegen.
Eine รคhnliche Debatte fรผhrt gerade die Schweiz: Die Politik ringt um das Rahmenabkommen mit der EU. Die Befรผrworter verweisen vor allem auf die รถkonomischen Vorteile. Doch inwiefern die Bilateralen zum Wirtschaftswachstum in der Schweiz beigetragen hat, ist umstritten.

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Wirtschaftswachstum durch die EU-Mitgliedschaft?

Ist das Wirtschaftswachstum รผberhaupt ein verlรคsslicher Indikator, um die Vorteile durch die Europรคische Union zu messen? Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftler von der Universitรคt Sรผddรคnemark beschรคftigt. Dazu haben sie das Wirtschaftswachstum verschiedener EU-Lรคnder zwischen 1960 und 2015 betrachtet und mit dem Wachstum in den USA und anderen OECD-Lรคndern ausserhalb der EU verglichen.
Das Ergebnis: Es gibt keinen eindeutigen Hinweis auf mehr Wirtschaftswachstum durch die EU-Mitgliedschaft. Vielmehr entsprach die Wirtschaftsleistung in der EU mehr oder weniger dem globalen Wachstum. Ganz anders sieht das etwa EU-Kommissionsprรคsident Jean-Claude Juncker, der jรผngst verkรผndete, sein Investitionsplan von 2014 habe europaweit Hundertausende Jobs geschaffen und das Wirtschaftswachstum angekurbelt. Allerdings stellen die Studienautoren auch fest, dass die EU-Mitgliedschaft mehr wirtschaftliche Vorteile haben kรถnnte, als es scheint. Denn das Bruttoinlandprodukt (BIP) alleine sei nicht aussagekrรคftig genug, um die รถkonomische Wirkung zu messen.

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Vorteile fรผr EU-Bรผrger

Und trotzdem geben einzelne Regierungen immer wieder Berichte in Auftrag, die belegen, wieviel reicher die Menschen durch die EU-Mitgliedschaft geworden sind. Die OECD berechnete die wirtschaftlichen Folgen des Brexit und prognostiziert einen kurzfristigen BIP-Rรผckgang in Grossbritannien von 3,3 Prozent und von 2,7 bis 7,7 Prozent im Jahr 2013. Die dรคnischen ร–konomen Thomas Barnebeck und Pieter Vanhuysse widersprechen diesen Studien nicht โ€“ fรผr einzelne Lรคnder mรถgen sie zutreffen. Sie selbst haben hingegen das Wachstum im EU-Durchschnitt untersucht und kommen zu dem Schluss, dass es keinen Zusammenhang zwischen EU-Mitgliedschaft und Wirtschaftswachstum gibt. Zwar kรถnne die Union fรผr gleiche rechtliche Bedingungen sorgen, doch gebe es keine pauschale Wachstumspolitik, die fรผr alle EU-Lรคnder funktioniere. Vielmehr brรคchte die EU Vorteile fรผr die Bรผrgerinnen und Bรผrger โ€“ etwa durch die Freiheit in jedem EU-Land reisen, studieren, arbeiten und leben zu kรถnnen. Zudem habe die EU beispielsweise massiv zu stรคrkeren Konsumentenrechten und zur wirtschaftlichen Angleichung zwischen den Regionen und Lรคndern beigetragen. Diese Errungenschaften seien viel wichtiger als Indikatoren wie das Wirtschaftswachstum, wie sie die Studien รผber die wirtschaftlichen Kosten des Brexit oder die Diskussion in der Schweiz รผber das EU-Rahmenabkommen in den Mittelpunkt stellen.

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Wohlstand als Ziel

Auch in der EU selbst ist Wirtschaftswachstum heute noch ein wichtiges Ziel. Die Lissabon-Strategie von 2000 sollte die EU zum wettbewerbsfรคhigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt machen. Das aktuelle Wirtschaftsprogramm namens ยซEuropa 2020ยป zielt auf ยซintelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstumยป ab. Vielleicht sollten sich die Mitgliedstaaten der EU stattdessen wieder mehr an gemeinsamen Werte und politischen Zielen orientieren, statt nur die wirtschaftlichen Vorteile des europรคischen Marktes hervorzuheben. Schliesslich ist die Sicherung von Wohlstand ein Grundgedanke des europรคischen Projekts und fรผr seine Zukunft zentral. Doch das BIP ist nicht umsonst als verlรคsslicher Wohlstandsindikator seit einiger Zeit umstritten.

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