Der erste Tag des Staatsbesuchs von Bundesprรคsident Johann Schneider-Ammann in der Islamischen Republik Iran ist mit einem Besuch im Krebsspital fรผr Kinder, Mahak, zu Ende gegangen. Der Abstecher in die renommierte Klinik symbolisiert neben dem menschlichen Aspekt die Chancen fรผr die Schweizer Wirtschaft in Iran.
Diese bestehen nรคmlich beispielsweise in der Medizinaltechnik sowie im Pharmasektor, wo Schweizer Unternehmen weltweit fรผhrend sind und an deren Produkten die Iraner starkes Interesse zeigen.
80 Millionen Einwohner als enormes Marktpotenzial
Doch die Geschรคftschancen im Iran fรผr Schweizer Firmen sind noch vielfรคltiger. Vor der Visite des Spitals war Schneider-Ammann nรคmlich in der iranischen Handelskammer empfangen worden und dort zeigten sich der mitgereisten Wirtschaftsdelegation weitere Mรถglichkeiten.
So hob der Prรคsident der Handelskammer, Mohsen Jalalpour, in seiner Ansprache hervor, dass der Iran grossen Bedarf an Technologie in der Trink- und Abwasseraufbereitung habe. Zudem stellten die 80 Millionen Einwohner des Irans, die in der Mehrheit sehr jung und konsumfreudig sind, ein enormes Marktpotenzial dar.
Verkehrsinfrastruktur im Vergleich riesig
Um sich die Dimensionen des Landes und die Wirtschaftschancen bei der Infrastruktur zu verdeutlichen, wurden an der Veranstaltung in der Handelskammer Zahlen prรคsentiert. Der Iran hat zum Beispiel rund 200'000 Kilometer an Autotrassen, die teilweise geduldig der Renovierung harren. Zudem gibt es rund 10'000 Kilometer an Eisenbahnstrecken.
Zum Vergleich: Die Schweiz kann auf ein Autobahnnetz von rund 1400 Kilometer und ein Eisenbahnnetz mit einer Lรคnge von rund 5000 Kilometer verweisen. Die Islamische Republik verfรผgt ausserdem รผber 99 zum Teil veraltete Flughรคfen.
Investitionen im Energiebereich nรถtig
Der Telekommunikationssektor kann rund 40 Millionen Nutzer von Mobiltelefonen vorweisen und rund 47 Millionen Personen haben laut den Angaben Zugang zum Internet, das allerdings stark zensiert wird.
Geschรคftliche Mรถglichkeiten bรถten sich fรผr Schweizer Unternehmer auch im Bereich der Energieeffizienz. Energie in den Produktionsprozessen sowie im Vertrieb zu sparen, sei eine grosse Notwendigkeit des Irans, sagte ein Redner.
Banken scheuen direkte Geldtransfers
Natรผrlich sรคhen die Iraner es am liebsten, wenn auslรคndische Firmen in der Islamischen Republik gleich eine Produktion aufbauen wรผrden. Statt Rohrleitungen im Ausland zu kaufen, wรคre eine lokale Produktion besser, betonte in diesem Zusammenhang ein Teilnehmer.
Wรคhrend aller Gesprรคche unter den Geschรคftsleuten und Funktionรคren wurde deutlich, dass die Wirtschaft hรคnderingend Lรถsungen fรผr direkte Geldtransfers zwischen den Lรคndern braucht. Viele Banken scheuen aber eine Zusammenarbeit bei Geschรคften mit Iran-Bezug, weil die strikten Sanktionen der USA noch in Kraft sind.
Schneider-Ammann hatte daher am Vormittag in einer Zusammenkunft mit dem iranischen Prรคsidenten Hassan Ruhani die Ausweitung der staatlichen Exportrisikoversicherungen vereinbart. Zudem prรผft das Schweizer Pendant, die Serv, ob sie kรผnftig iranische Banken versichern kรถnnte.
Zwischenfazit fรคllt positiv aus
In der Wirtschaftsdelegation sind zudem drei Schweizer Bankenvertreter dabei, um die Mรถglichkeiten fรผr Finanzdienstleistungen mit dem Iran auszuloten. Schneider-Ammann betonte mehrfach auf seiner Reise, dass die Realwirtschaft eine funktionierende Finanzbranche brauche.
Der Bundesprรคsident zog am Samstagabend an einer Medienkonferenz ein positives Zwischenfazit seines Besuches. Mit dem obersten Religionsfรผhrer Ali Khamenei habe er am Nachmittag ein gutes Gesprรคch gefรผhrt.
Das eigentliche Staatsoberhaupt des Irans hat wรคhrend der Visite der Schweiz fรผr die Ausรผbung des Schutzmachtmandats der USA und die รbernahme der guten Dienste im Fall von Saudi-Arabien gedankt. Mit der Schweiz wolle man zusammenarbeiten, habe der Religionsfรผhrer gegenรผber Schneider-Ammann gesagt.
Guten Worten mรผssen Tagen folgen
Die gesamte Fรผhrung des Irans hat sich in den Augen des Schweizer Bundesprรคsidenten fรผr den Staatsbesuch viel Zeit genommen. Nach solchen Treffen kommt es mit den Worten Schneider-Ammanns aber darauf an, dass den guten Worte auch Taten folgen.
Der Bundesprรคsident hat am Sonntag zum Abschluss seines Staatsbesuches im Iran die Universitรคt Teheran besucht und einen Vortrag vor Wirtschaftsstudenten gehalten. Ausserdem wohnte Schneider-Ammann der Unterzeichnung zahlreicher Abkommen รผber die Zusammenarbeit von Hochschulen sowie Universitรคten des Irans und der Schweiz bei.
Schneider-Ammans Besuch im Iran: