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Debatte

WEF: «China ist nicht die SNB»

Börsencrash und Wachstumsschwäche: Wohin steuert China? Und schafft es das Land glaubwürdig in der Devisenpolitik zu werden? Experten am WEF zeigen die Richtung auf.

Karen Merkel-Gyger

Immer im Januar trifft sich die politische und wirtschaftliche Elite in Davos am World Economic Forum und diskutiert über die Zukunft Europas. Eine Auswahl aus der illustren Gästeliste:David CameronDer britische Premier nimmt dieses Jahr am WEF in Davos teil - die deutsche Kanzlerin Angela Merkel gab den Organisatoren hingegen einen Korb.
Justin TrudeauDer neue kanadische Regierungschef wird wegen seiner jugendlichen Aura weltweit wie ein Popstar gefeiert. 2015 ins Amt gewählt, nimmt er erstmals am WEF teil.
John Kerry und Joe Biden (von links)Zwei gewichtige Vertreter der US-Regierung reisen in die Schweizer Berge: Aussenminister Kerry und Vizepräsident Biden. Es ist der letzte Besuch der Beiden in ihren jetzigen Funktionen – gegen Ende Jahr stehen in den USA die Präsidentschaftswahlen an.
Loretta LynchDie US-Justizministerin ist ebenfalls Teil der grossen US-Delegation. Zuletzt war die Amerikanerin im Herbst wegen der Fifa-Ermittlungen in der Schweiz zu Besuch.
Benjamin NetanjahuDer israelische Ministerpräsident war schon mehrmals am WEF – auch für die diesjährige Ausgabe hat er seinen Besuch angekündigt.
Mauricio MacriDer neue argentinische Präsident sorgte für eine Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik seines Landes. Sein wirtschaftsfreundlicher Kurs dürfte am WEF auf Anklang stossen.
Alexis TsiprasDer griechische Premier ist nicht mehr so häufig in den Schlagzeilen wie während der Griechenland-Krise. Doch noch immer beunruhigt die Situation in seinem Land die EU-Elite.
Johann Schneider-AmmannDer Bundespräsident nimmt am WEF teil - wie auch die Mehrheit der anderen Bundesräte.
Zum ersten Mal nach 18 Jahren wollte auch Nordkoreas Diktator Kim Jong-un seinen Aussenminister Ri Su-yong nach Davos schicken. Doch WEF-Gründer Klaus Schwab erteilte ihm eine Absage - er lud das Land nach dem Atomtest im Januar wieder aus.
Christine Lagarde und Mario DraghiMit der IWF-Direktorin Lagarde und EZB-Präsident Draghi sind auch die Geldpolitiker gut vertreten. Aus diversen Staaten werden dazu die Nationalbankpräsidenten und Notenbanker erwartet.
Jack MaZahlreiche Vertreter der Wirtschaftswelt haben ihren Besuch angekündigt. Nicht zum ersten Mal nach Davos reist der Alibaba-Gründer und CEO Jack Ma. Er vertritt am WEF die IT-Elite ebenso wie...
Sheryl Sandberg... etwa Facebook-COO Sheryl Sandberg.
Königin Rania von JordanienDas WEF bietet auch Prominenten eine Bühne, die sich für ihre karikativen Interessen einsetzen wollen. Die jordanische Königin Rania legt dabei den Fokus auf die Gleichberechtigung von Frauen und den Schutz von Kindern. Rania von Jordanien wird in Davos an der Veranstaltung zu globalen Sicherheitsfragen teilnehmen.
BonoDer U2-Musiker Bono setzt sich seit langem für die Armutsbekämpfung und den Kampf gegen Aids ein. Auch dieses Jahr wird Bono zum WEF in Davos reisen, um dort mit Politik- und Wirtschaftsgrössen zu sprechen.
Olafur EliassonDer dänisch-isländische Künstler wird am WEF für seinen Einsatz zur Verbesserung der Welt ausgezeichnet. Sein Projekt «Little Sun» soll 1,1 Milliarden der Ärmsten dieser Welt Licht in Form einer Led-Lampe bringen. Den gleichen Preis erhält auch...
Leonardo DiCaprio... der US-amerikanische Schauspieler und Filmproduzent Leonardo DiCaprio.Bilder: Keystone
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RMS

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Von den Debattenrunden am WEF werden dieses Jahr wenige einen Titel tragen, der wörtlicher gemeint ist: «Wohin steuert Chinas Wirtschaft?», so lautete die Frage am Panel mit IWF-Chefin Christine Lagarde. Ihr ist anzumerken, dass eine Antwort gelegen käme. Dem entgegen tritt Jiang Jianqing, Chef der staatlichen Bank of China, der die Ernsthaftigkeit der chinesischen Taktik betont.
Dabei ist die Runde durchaus geneigt, China ein gutes Zeugnis auszustellen. «China vollzieht eine massive Transformation», sagte Christine Lagarde zu Beginn. Sie vertraue darauf, dass all diese Schritte – zum Beispiel die Bekämpfung der Korruption – machbar seien. Später in der Debatte hob die IWF-Chefin gar an, leidenschaftlich für eine positive Einschätzung der BIP-Zahlen zu argumentieren.

«Langfristig ist die Perspektive ausgezeichnet»

China hatte erst am Dienstag 6,9 Prozent Wachstum gemeldet. Damit hat das Land 2015 so langsam zugelegt, wie zuletzt 1990. Die rückläufige BIP-Zunahme kann aber auch als Teil einer gesunden Korrektur verstanden werden, an der Schwelle zum Industriestaat.
Die chinesischen Probleme – Konjunkturschwäche und Börsenturbulenzen – sahen denn einige Vertreter auch mehr als eine Phase an. «Kurzfristig gibt es grosse Herausforderungen, langfristig ist die Perspektive aber ausgezeichnet», sagte Ray Dalio, Chefinvestor von Bridgewater Associates. Zwei bis drei Jahre, so glaubte er, dann habe China die aktuellen Hürden überwunden.

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Intransparenz ist das grosse Problem

Die wahre Problematik lag für die westlichen Vertreter am Panel in der grossen chinesischen Unbekannten: die Intransparenz in der Wirtschaftspolitik von Seiten der Regierung.
«Meint China den Schritt zum freien Markt ernst oder nicht?», fragte Gary Cohn, COO von Goldman Sachs. Viele der Massnahmen, die China unternommen hätte, um ihren Markt zu regulieren, seien zu dem einen oder anderen Zeitpunkt auch in den USA angewandt worden. Die viel kritisierten Interventionen seien darum gar nicht das Problem. «Viel wichtiger ist, dass China sich für eine Variante entscheidet und dann dabei bleibt.»
Dieser Punkt trifft vor allem auf Chinas Währungspolitik zu: Hier hat China im Dezember eine historische Kehrtwende vollzogen. Der Renminbi ist nicht länger nur an den Dollar gebunden, sondern an einen Währungskorb.

Zweifel an der Währungspolitik

Allerdings kamen im Januar, als der Yuan auf ein Fünfjahrestief nachgab, Zweifel auf. Viele Marktbeobachter vermuteten eine Intervention der Regierung, um den Yuan zu schwächen und die Exporte zu erleichtern.
«China meint es ernst, den Renminbi an den Währungskorb zu binden. Dieser Schritt ist entschieden», sagte Jiang Jianqing, Chef der Bank of China. Wichtig sei nun aber, China Luft zu lassen für eine langfristige Entwicklung und nicht auf jede kleine Bewegung zu schauen. «Dann wird der Renminbi sich stabilisieren», ist er überzeugt. Er widersprach der Vermutung, China wolle den Yuan schwächen. «Eine zu günstige Währung ist nicht gut für unseren Binnenkonsum», sagte Jianqing.

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«China ist nicht die SNB»

Dem allerdings wollte Gary Cohn von Goldman Sachs nicht so recht Glauben schenken: «Von China erwarten die wenigsten, dass es so drastisch handelt wie die Schweizerische Nationalbank», sagte er. «Aber die meisten glauben doch, dass China den Yuan entwerten möchte. Das ist einer der Faktoren, der für Volatilität sorgt.»
Und so blieb am Ende der Diskussion, was zu Anfang stand: Die Ungewissheit, wie weit Chinas offiziellen Angaben geglaubt werden kann, ist das grösste Problem.
Am WEF-Panel «Wohin steuert Chinas Wirtschaft?» diskutierten Jiang Jianqing (Verwaltungsrats-Präsident der Bank of China), Ray Dalio (Chefinvestor Bridgewater Associates), Zhang Xin (Gründerin und CEO SOHO China), Christine Lagarde (Chefin Internationaler Währungsfonds), Fang Xinghai (Chinesisches Ministerium für Wirtschaft), Gary D. Cohn (COO Goldman Sachs). Moderiert wurde die Session von Bloomberg-Journalistin Francine Lacqua:

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