Der EU-Binnenmarkt wirkt sich positiv auf das Einkommen der europΓ€ischen BΓΌrger aus. Und ausgerechnet die Schweiz - als Nicht-EU-Land ΓΌber bilaterale VertrΓ€ge mit dem europΓ€ischen Binnenmarkt besonders verbunden - profitiert am meisten.
Zu diesem Ergebnis kommt eine am Mittwoch verΓΆffentlichte Studie der Bertelsmann Stiftung zwei Wochen vor der Europawahl. Der grΓΆsste Wirtschaftsraum der Welt steigert demnach das Einkommen der EU-BΓΌrger pro Kopf und Jahr im Durchschnitt um rund 840 Euro.
Einkommensplus von 2914 Euro
Die Schweiz steht dabei mit 2914 Euro Einkommensplus an der Spitze der Rangliste. Es folgen Luxemburg (2834 Euro) und Irland (1894 Euro). Unter den besonderen Gewinnern sind auch Belgien, Γsterreich, die Niederlande. Frankreich (1074 Euro) und Deutschland (1046 Euro) gehΓΆren noch zu den Top-Ten-Profiteuren. Niedriger seien ZuwΓ€chse bei Staaten mit geringerer WettbewerbsfΓ€higkeit, etwa Spanien, Portugal oder Griechenland mit rund 600 bis 400 Euro pro Person und Jahr.
Dabei fallen die in allen 28 EU-Staaten untersuchten Auswirkungen regional unterschiedlich aus. Β«Nicht jeder profitiert gleichermassen, aber alle gewinnenΒ», sagte Stiftungsvorstand Aart de Geus. Der Binnenmarkt sei Β«grΓΆsster Treiber fΓΌr unseren WohlstandΒ».
EU-weit 420 Milliarden Euro mehr
Die Autoren gehen davon aus, dass insgesamt EU-weit rund 420 Milliarden Euro EinkommenszuwΓ€chse jΓ€hrlich durch den 1993 eingefΓΌhrten Binnenmarkt erzielt werden. Auf Deutschland entfalle das grΓΆsste Plus - zusammengerechnet etwa 86 Milliarden Euro. GrundsΓ€tzlich gehΓΆrten vor allem LΓ€nder und Regionen mit hoher Exportorientierung und starker Industrie zu den Gewinnern. Was sind die GrΓΌnde fΓΌr die Einkommensgewinne? Das Wegfallen von ZΓΆllen und anderen Hemmnissen lasse den Handel wachsen, schildern die Autoren. Es gebe mehr Wettbewerb, was sich positiv auf Produktion und Preise auswirke. Handelskosten wΓΌrden gesenkt. Der Binnenmarkt berge noch viel Potenzial fΓΌr weitere Wohlstandsgewinne - vor allem beim Handel mit Dienstleistungen, so die Stiftung in GΓΌtersloh.
Zum anstehenden Brexit prognostizierte Studien-Mitautor Dominic Ponattu, ein vollstΓ€ndiger Austritt der Briten aus dem Binnenmarkt wΓΌrde das Land hart treffen. Das gelte besonders fΓΌr den Grossraum London und die Bewohner in den industrie- und innovationsstarken SΓΌd-Regionen.