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Vom Swiss Travel Club zu Miles & More: Kein Meilenstein

Das Vielfliegerprogramm der Lufthansa beschert den Swiss-Kunden vor allem eine Abwertung der Clubmeilen und hohe Telefonkosten.

Silvia Pfenniger

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Mehr Vorteile mit dem grรถssten Vielfliegerprogramm!ยป So wurde den Schweizern das Lufthansa-Programm Miles & More angepriesen. Wer seine Swiss-Meilen retten wollte, hatte ohnehin keine Wahl. Am 1. April hat die Lufthansa den Swiss Travel Club (STC) geschluckt. Und bereits machen sich erste Nachteile bemerkbar.
Profiteurin ist die Lufthansa, enttรคuscht sind die Kunden des STC. Das Meilengeschรคft ist kein Pappenstiel: Auf den Prรคmienkonten aller Flugreisenden schlummern weltweit mittlerweile 8500 Milliarden Meilen, die laut ยซEconomistยป etwa 500 Milliarden Euro Gegenwert entsprechen. Im Unterschied zu Deutschland, wo das Bundesarbeitsgericht die auf Geschรคftsreisen gesammelten Flugmeilen kรผrzlich dem Arbeitgeber zugesprochen hat, herrscht in der Schweiz noch weitgehend eine grosszรผgige Praxis.
Das gilt auch fรผr den Fiskus: Im neuen Lohnausweis mรผssen die Flugmeilen nicht aufgefรผhrt werden. Doch bei der CS und der UBS gilt bereits die Regel, dass auf Geschรคftsreisen gesammelte Meilen nur fรผr Dienstreisen gebraucht werden dรผrfen. Das kรถnnte Schule machen. Doch vorderhand sammeln viele Schweizerinnen und Schweizer noch in ihrem ureigensten Interesse.

Teure Auskunft

Entsprechend gross ist die Zahl ehemaliger Swiss-Travel-Club-Mitglieder, die sich รผber die ersten News von Miles & More grรผndlich รคrgern. Bereits der Versuch, via Internet den Meilenรผbertrag abzurufen, gelingt vielen nicht. Mit der ยซTechnical Errorยป-Meldung wird die Telefonnummer 0900 85 11 11 des Supports angezeigt โ€“ allerdings die Minute ร  86 Rappen.

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Ganze vier Franken kostete dann der Testanruf, bis wir jemandem unsere Frage stellen durften. Das habe man inzwischen geรคndert, erklรคrt Urs Eberhard, Head Partnership Marketing der Swiss. ยซWir haben nach den unerwartet vielen Anfragen an unser Serviceteam die Gesprรคchsgebรผhr nach unten korrigiert.ยป
Seit Ende April gilt gemรคss Eberhard folgendes Preisregime:
โ€“ 0 bis 180 Sekunden: Lokaltarif,
โ€“ 181 bis 480 Sekunden: 86 Rappen,
โ€“ ab 481 Sekunden: Lokaltarif.

Als ob diese Tarife noch nicht kompliziert genug wรคren: Auf der Internetseite von Miles & More findet man noch immer den Hinweis auf 86 Rappen pro Minute. Eine Rappenspalterei? Oder eher eine verdeckte Abzockerei? Die anderen Fluggesellschaften verlangten gleiche Preise, heisst es bei der Swiss. Wirklich? Bei Air France und Singapore Airlines werden Fragen zum Lokaltarif beantwortet, ohne minutenlange Wartezeit. Telefoniert man Mitgliedern der Star Alliance zum Normaltarif, wird man als Mitglied von Miles & More angewiesen, deren teure 900er-Nummer anzurufen.

Clubmeilen abgewertet

Immerhin klappte der technische Ratschlag. Doch kaum hat man den Zugang zum Meilenkonto via Internet erreicht, folgt die zweite Enttรคuschung. Die seit dem 1. Januar dieses Jahres auf Swiss-Flรผgen gesammelten Clubmeilen sind zu gewรถhnlichen Prรคmienmeilen abgewertet und nicht wie erwartet als Statusmeilen รผbertragen worden. Um dieses Jahr noch einen hรถheren Status zu erreichen, muss das Sammeln von Club- beziehungsweise Statusmeilen von neuem beginnen โ€“ mit dem Handicap allerdings, dass fรผr die 35 000 Statusmeilen (Frequent Traveler) oder die 130 000 Meilen (Senator), die innert eines Kalenderjahres geflogen werden mรผssen, den ehemaligen STC-Kunden 2006 bloss neun Monate zustehen (seit 1. April).

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Schafft dies der ยซTeilnehmerยป nicht โ€“ so heisst die unterste Kategorie bei Miles & More โ€“, erhรคlt er weniger Meilenprรคmien und keine Bewilligung fรผr zusรคtzliches Gepรคck. Dass auf der Homepage von Miles & More neue Mitglieder mit 2000 Prรคmienmeilen angelockt werden, stimmt die just bei Miles & More prรคmienlos gelandeten STC-Kunden auch nicht frรถhlicher. Bei all diesen Nachteilen liest sich die Begrรผssung der Swiss-Travel-Club-Kunden durch die Lufthansa mit eher gemischten Gefรผhlen.
Abgesehen davon ist die Meilenberechnung der Lufthansa hรถhere Mathematik. Zum Beispiel erhรคlt ein ยซTeilnehmerยป fรผr einen Flug Zรผrichโ€“New Yorkโ€“Zรผrich in der Economy je nach Buchungsklasse 11 758, 7838, 3920 Prรคmienmeilen gutgeschrieben. Je teurer die Buchungsklasse, desto mehr Meilen, so das vermutete Prinzip. Doch die konkrete Frage, welcher Flug nach New York uns die attraktiven 11 758 Prรคmienmeilen einbrรคchte und zu welchem Preis, รผberforderte den รผberaus freundlichen Mann vom Callcenter, den wir nach drei Minuten Wartezeit erreichten.
Nach einer Denkpause meinte der Mitarbeiter, er durchschaue die รคusserst komplizierten Meilenprรคmien auch nicht ganz. ยซDas Reisebรผro kann Ihnen aber bestimmt helfenยป, meinte er. Und dies nach einem gebรผhrenpflichtigen Sechs-Minuten-Gesprรคch mit Miles & More!

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Immerhin erfuhren wir, dass alle ยซTeilnehmerยป auf dem Flug Zรผrichโ€“New Yorkโ€“Zรผrich 7852 Statusmeilen erhalten โ€“ unabhรคngig von den Buchungsklassen B, Y, G, H, K, M, P, Q, S, U, V, L, T oder W.
Treue Swiss-Flieger, die jetzt bei Miles & More mittun, werden wohl schon bald auch die Mitgliedschaft bei anderen Vielfliegerprogrammen prรผfen.

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