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Auszeichnung

Unbekannte Studios hoffen auf den Oscar-Effekt

An der Oscar-Verleihung am Sonntag geht es nicht nur um Ehre, sondern auch um Geld. Bei der sinkenden Anzahl an Kinobesuchern wird der Preis auch finanziell immer wichtiger.

Dominic Benz

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Das sind die Oscar-Nominationen: Best Picture: Birdman Boyhood (im Bild) The Grand Budapest Hotel The Imitation Game The Theory of Everything Whiplash RMS

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Die Schweiz darf erstmals wieder auf einen Oscar hoffen. Am kommenden Sonntag wird in Los Angeles zum 87. Mal die begehrteste Auszeichnung der Filmwelt verliehen. Auch der Kurzfilm Β«ParvanehΒ» der Aargauerin Talkhon Hamzavi ist nominiert. Bis vor ein paar Tagen buhlte sie in den USA um die Stimmen der 6000 Academy-Mitglieder. Damit will sie ihre Chancen auf das begehrte GoldmΓ€nnchen erhΓΆhen.
Hazavi will die TophΓ€e unbedingt. Kein Wunder. Denn der Preis bringt nicht nur Ehre und Ruhm. Er lΓ€sst auch die Kassen klingeln – bei Filmemachern ebenso wie bei Kinos und Filmverleihern. Β«Der Oscar ist fΓΌr unser GeschΓ€ft sehr wichtigΒ», sagt Roman GΓΌttinger vom hiesigen Filmverleih Ascot-Elite.

Je mehr Oscar, desto hΓΆher der Marktwert

Ascot-Elit verleiht etwa den Film Β«The Imitation GameΒ», der acht Nominierungen hat, unter anderem fΓΌr den besten Film und den besten Schauspieler. Β«Je mehr Auszeichnungen ein Film hat, desto grΓΆsser ist sein MarktwertΒ», sagt GΓΌttinger. Β«Filme, die nominiert sind oder einen Oscar gewonnen haben, ziehen besonders den durchschnittlichen KinogΓ€nger an.Β» Kassenmagneten sind in erste Linie die Auszeichung fΓΌr den besten Film oder einen der Schauspieler.
Das sieht auch Beat KΓ€lin so, der GeschΓ€ftsfΓΌhrer der Kinobetreiberin Arthouse: Β«Ein Oscar ist wie ein GΓΌtesiegel.Β» Die kleine Statue habe eine viel grΓΆssere Sogwirkung als andere Filmpreise wie etwa die Goldene Palme beim Filmfestival Cannes. Genutzt wird das bei der Werbung, etwa um auf Flyern einen Film zu promoten.

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Kino ist schnelllebiger geworden

Allerdings hat der Oscar nicht mehr die gleiche Schlagkraft wie frΓΌher. Noch Anfang 2000 konnte ein GoldmΓ€nnchen fΓΌr den besten Film den Marktwert um bis zu 30 Millionen Dollar steigern, hat das Kinomagazin Variety laut Β«SΓΌddeutscher ZeitungΒ» errechnet. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Damals liefen die Filme monatelang in den Kinos. Heute ist das GeschΓ€ft schnelllebiger, Filme sind oft nur noch gut fΓΌnf Wochen zu sehen. Inzwischen werden mit einem Oscar prΓ€mierte Werke auch nur noch selten wieder ins Programm genommen, die schon vor Monaten im Kino waren. Β«Dazu laufen einfach zu viele FilmeΒ», sagt Arthouse-Chef KΓ€slin. Zudem seien sie dann schon oft auf DVD erhΓ€ltlich.

Guter Zeitpunkt fΓΌr Β«WhiplashΒ»

Entscheidend fΓΌr den Effekt eines Oscars an der Kinokasse ist daher das Timing. Der gΓΌnstigste Zeitpunkt ist kurz vor der Preisverleihung. Dann spielen vor allem auch die Nominierungen eine zentrale Rolle. LΓ€uft ein Film im Kino und wird nominiert, steigen die Besucherzahlen. Umso besser, wenn er spΓ€ter noch mit einem Oscar ausgezeichnet wird.
So habe der Film Β«WhiplashΒ» einen super Zeitpunkt erwischt, um ins Kino zu kommen, sagt Roman GΓΌttinger vom Ascot-Elite-Verleih. Bevor der Streifen am gestrigen Donnerstag ins Kino kam, hat er noch drei Nominierungen erhalten – darunter fΓΌr den besten Film und den besten Nebendarsteller. Das dΓΌrfte dem Film bereits ab Kinostart gute Besucherzahlen bescheren.

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Grosse Bedeutung fΓΌr Kurzfilme

Auf einen Oscar-Effekt darf auch Β«FoxcatcherΒ» hoffen. Der Film lief in der Schweiz Ende Januar an. Doch die Zahlen enttΓ€uschten bisher. Β«Das Interesse fΓΌr den Film  ist derzeit leider sehr geringΒ», sagt GΓΌttinger. Daran geΓ€ndert haben ΓΌberraschenderweise auch die hinzugekommenen fΓΌnf Nominierungen nichts, etwa fΓΌr Steve Carell als besten Schauspieler. Helfen kΓΆnnte, wenn Carell gewinnen wΓΌrde.
Letztlich ist der Oscar-Effekt bei ohnehin schon bekannten Hollywood-Produktionen oftmals geringer als bei unbekannten Filmen. Β«Jene, die im Kino von Anfang an gut laufen, kΓΆnnen die Besucherzahlen mit einem Oscar in der Regel halten oder gar leicht steigern.Β» Umso mehr Bedeutung hat ein Oscar fΓΌr die beste fremdsprachige Produktion oder den besten Kurzfilm.
Die Auszeichnung kann den Zugang zum internationalen Markt ΓΆffnen, fΓΌr mehr Aufmerksamkeit und entsprechen fΓΌr grΓΆssere finanzielle Erfolge sorgen. Ein Oscar fΓΌr den Schweizer Kurzfilm Β«ParvanehΒ» wΓ€re daher fΓΌr die Regisseurin Talkhon Hamzavi ein Segen.

Zuschauer haben bereits gewΓ€hlt

Die Gewinner der Oscar-Nacht sind zwar noch geheim. Allerdings haben die Zuschauer offenbar ihre Favoriten bereits ausgesucht. In der Schweiz wird laut Google Β«American SniperΒ» im Internet am meisten gesucht, gefolgt von Β«BirdmanΒ», Β«The Imitation GameΒ», Β«WhiplashΒ» und Β«BoyhoodΒ». Bei der weltweiten Suche hat dann allerdings Β«The Imitation GameΒ» die Nase vorne.

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Bei den Hauptdarstellern suchen die Filmfans rund um den Globus am hΓ€ufigsten nach Bradley Cooper, der fΓΌr seine Hauptrolle in Β«American SniperΒ» nominiert ist. Bei den Frauen ist es Reese Witherspoon fΓΌr ihre Darstellung in Β«WildΒ». Und vielleicht liefert die Google-Auswertung schon jetzt Hinweise auf die tatsΓ€chlichen Gewinner.

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