Milliardengeschäfte hier, Regierungsangelegenheiten dort: Mit Donald Trump wird ein umtriebiger Immobilien-Tycoon US-Präsident – das wirft die Frage nach Interessenkonflikten auf. Er werde sich «komplett» aus seinen Firmen heraushalten, verspricht Trump. Doch es gibt scharfe Kritik.
Trump lässt keine Zweifel
an der Erhabenheit seines Geschäftsimperiums zu: «Die Leute haben sehr viel gelernt über mein Unternehmen, und jetzt realisieren sie, dass es viel grösser und viel mächtiger ist, als sie jemals dachten.» Darauf sei er sehr stolz.
Familieninterne Lösung
Wie dieses angeblich so grosse und mächtige Firmenreich, das sich «in viele Länder» erstrecke, mit seinem künftigen Amt als US-Präsident unter einen Hut passt? Dazu sagt Trump nicht so viel.
Dabei hatte er ein für alle Mal reinen Tisch machen wollen bei der ersten Pressekonferenz seit Monaten. Entsprechend hoch waren die Erwartungen – der Trump Tower in Manhattan platzte aus allen Nähten. Eigentlich hatte dieses Spektakel schon am 15. Dezember stattfinden sollen, doch der Plan zur angeblichen Loslösung von den Geschäften zog sich hin. «Ich gebe die Führung komplett ab», verspricht Trump nun. «Meine Söhne Don und Eric werden das Unternehmen führen.»
Enges Familienverhältnis als Kritikpunkt
Statt seine Firmen in eine unabhängige Treuhandgesellschaft auszulagern, einen sogenannten Blind Trust, will er lediglich auf Investments im Ausland verzichten und die Kontrolle an seine Söhne abgeben.
Hier liegt für Experten die Crux. Der Trump-Clan ist eine enge Familienbande. Wie wahrscheinlich ist es, dass dem Oberhaupt der Einblick in die Finanzen von den Söhnen verwehrt wird? «Sie werden das nicht mit mir diskutieren», beteuert Trump – und damit basta.
Oberster Ethiker fordert Unabhängigkeit
Walter Shaub, der Direktor des U.S. Office of Government Ethics, der Behörde zur Einhaltung von Ethikstandards, ist entsetzt. Trumps vermeintlicher Blind Trust sei «nicht mal halbwegs blind».
Der Plan entspreche den schwächsten Ethikstandards seit dem Watergate-Skandal in den 1970er Jahren, der am Ende Präsident Richard Nixon zu Fall gebracht hatte. Shaub fordert vom «President-elect», sein undurchsichtiges Firmengeflecht, die Trump Organization, in wirklich unabhängige Verwaltung abzugeben.
Nur aus Medien informiert
Doch Trump hält schon die als unzureichend kritisierten Massnahmen für übertrieben. «Noch einmal, ich muss das nicht tun», sagt er sichtlich genervt vor den Journalisten.
Dann übergibt er zur weiteren Erläuterung des Sachverhalts an seine Anwältin Sheri Dillon und zeigt wie zum Beweis, dass nun alles geklärt sei, auf Stapel mit Dokumenten auf einem Tisch neben sich. Das seien nur einige der Papiere, die er unterzeichnet habe, um die «totale Kontrolle» zu übergeben.
Dillon meint, von Trump könne nicht verlangt werden, dass er das Unternehmen, das er aufgebaut habe, zerstöre oder Firmenwerte unter Preis losschlage. «Wir versuchen, auch nur den Anschein von Interessenkonflikten zu vermeiden», verspricht die Anwältin. Das einzige, was Trump über seine Geschäfte erfahre, sei das, was er in der Zeitung lese oder im Fernsehen sehe.
Shaub beeindruckt das nicht. Trumps Plan «stimmt nicht mit der Tradition unserer Präsidenten in den letzten 40 Jahren überein», kritisiert der Ethikwächter.
Kritische Länder und brisante Verflechtungen
Dass das Thema so brisant ist, liegt auch an dem weitverzweigten Firmenreich und der Art von Trumps Geschäften. Die Verbindungen der aus
Hunderten Firmen bestehenden Trump Organization reichen bis nach Saudi-Arabien, China oder in die Vereinigten Arabischen Emirate. Sie hat finanzielle Interessen in Ländern, zu denen die USA heikle Beziehungen pflegen.
Trump, der sich als Baulöwe in New York einen Namen gemacht hat, ist mit seinen Firmen zudem in zahlreiche offene Rechtsstreits verwickelt. Auch die Verflechtungen zu Unternehmen sind brisant, so ist etwa die Deutsche Bank der wichtigste Kreditgeber. Darüber hinaus hat Trump in der Vergangenheit sogar offen damit geprotzt, Steuervorteile und Subventionen für seine Firmen radikal auszunutzen.
Das ist der Familien-Clan um Donald Trump:
Donald Trump inszeniert sich gerne im Kreise seiner Familie. Hielt sich der Nachwuchs während der Wahlkampfkampagne anfangs noch zurück, nahmen die Sprösslinge nach und nach eine zentralere Rolle ein. Mittlerweile fungieren sie als enge Berater und sollen grossen Einfluss auf Donald Trump haben. Die Familienmitglieder im Überblick:RMSDonald Trumps dritte Ehefrau, Melania Trump, ist Model, Mutter und Unternehmerin. Beim Parteitag in Cleveland trat die 46-Jährige erstmals richtig ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Teile ihrer Rede soll sie bei Michelle Obama abgekupfert haben. Bis dato agierte sie eher im Schatten des Immobilienmoguls. Die Erziehung ihres gemeinsamen Sohnes Barron laste sie genug aus, so Melania Trump.RMSStattdessen stand während des Wahlkampfes seine älteste Tochter Ivanka Donald Trump zur Seite. Die eloquente 34-jährige Unternehmerin und dreifache Mutter gilt als Lieblingskind von «The Donald». Mit ihrem Auftreten als moderne Mutter und erfolgreiche Geschäftsfrau sollte sie im Wahlkampf vor allem Wählerinnen für ihren Vater gewinnen.RMSAuch Ivankas Ehemann, Jared Kushner, ist involviert. Der 35-jährige Immobilienunternehmer und Zeitungsverleger agierte als Wahlkampfmanager und sprang immer dann in die Bresche, wenn Trump Antisemitismus vorgeworfen wird. Denn Kushner stammt aus einer orthodoxen jüdischen Familie.RMSDonald Trump junior ist der älteste Sprössling des Milliardärs und zusammen mit seinen Geschwistern Ivanka und Eric Vize-Präsident des Trump-Unternehmens. Am Parteitag in Cleveland verkündete der 38-Jährige mit den Worten «Gratuliere, Dad. Wir lieben dich» das Erreichen der notwendigen Stimmenzahl.RMSEric Trump (im Bild mit seiner Ehefrau Lara) ist der jüngste Sohn aus erster Ehe. Seit dem Jahr 2006 arbeitet er im Familienunternehmen. Im Sommer 2015 haben die drei Geschwister de facto die Leitung der operativen Geschäfte übernommen, nachdem Donald Trump seine Kandidatur zur US-Präsidentschaftswahl 2016 angekündigt hatte. Zudem hat Eric Trump eine eigene Wohltätigkeitsorganisation gegründet.RMSTiffany Trump spielte im Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch hielt die jüngste und unbekanntere Trump-Tochter eine Rede am Parteitag in Cleveland. Es war ein Auftritt, den die 22-Jährige souverän meisterte. Sie ist das einzige Kind aus Donald Trumps zweiter Ehe mit der Schauspielerin Marla Maples und hofft auf eine Karriere als Sängerin. Anders als ihre Geschwister wuchs sie von ihrem Vater entfernt in Kalifornien auf. Bilder: KeystoneRMS