Zwei Risikokapitalisten über die Chancen von Exeon
Stefan Kuentz ist Investment Partner bei Swisscom Ventures, der Firma für die Start-up-Beteiligungen des Carriers:
«Huhn-und-Ei-Problem»
«Ich kenne Exeon schon seit zwei Jahren, die Firma war in der Swisscom Startup Challenge unter den Top 5. Für ihre Lösung gibt es ein klares Marktbedürfnis, denn gerade in Grossfirmen wird gezielt Malware eingeschleust zur Erpressung. Viele Konzerne erkennen das Problem zu spät – wenn man die Gefahr frühzeitig auf Knopfdruck sichtbar machen kann, ist das eine grosse Value Proposition. Bei Grosskunden muss eine Lösung aber auch integriert werden, das kann lange gehen. Das erklärt auch, warum Exeon erst jetzt die ersten Verträge buchen kann. Nun ist die Schweiz für Security Software kein Hotspot, anders als etwa Israel. Das macht den Einstieg nicht leichter. Dass Exeon ein Start-up ist, hilft ebenfalls nicht: Gerade im Bereich Security will ein Grosskonzern mit Firmen zusammenarbeiten, die ein gewisses Gewicht haben und auch nächstes Jahr noch da sind – für Exeon das klassische Huhn-und-Ei-Problem. Anders als die Konkurrenz wie Darktrace, Vectra oder Cisco bietet Exeon eine reine Softwarelösung und geht das Problem sehr spezifisch an. Das ist ein klares Plus und bringt massive Vorteile beim Skalieren. Die Technologie ist ausgereift, aber die Kommerzialisierung fehlt noch. Das Entscheidende ist jetzt Wachstum, Wachstum, Wachstum: Exeon muss internationale Kunden gewinnen und sich einen Namen schaffen.»
Philipp Stauffer ist als Co-Gründer und Partner von Fyrfly Venture Partners seit 2001 im Silicon Valley aktiv:
«Sie müssen sich strecken»
«Der Markt für Sicherheitssoftware ist signifikant und wächst, weil Datenschutzgesetze und Compliance-Anforderungen immer konsequenter werden. Im Fall von Marriott etwa, wo 500 Millionen Kundendatensätze gestohlen wurden, war die Schadsoftware während vier Jahren im System. Mit einer Lösung, wie sie Exeon anbietet, hätte man das viel früher entdecken und innerhalb von Tagen handeln können. Und im Ernstfall ist die Reaktionsgeschwindigkeit entscheidend. Mir gefällt, dass Exeon eine reine Softwarelösung bietet: leicht zu integrieren in die konstant wechselnde IT-Landschaft von Grossfirmen und gut zu skalieren. Das unterscheidet Exeon auch von der namhaften Konkurrenz in diesem Bereich. Auch das Team um den Gründer macht mir einen guten Eindruck, es hat grosse Expertise im Bereich Cybersecurity. Die Firma bekommt jetzt langsam Traction mit grösseren Kunden, das ist auch dringend nötig. Aber es muss die Anfangserfolge international bestätigen, am besten in den USA. Das Produkt von Exeon ist ideal, um diese Expansion kosteneffizient durchzuführen. Dass das Team zu konservativ ist und noch immer zu sehr auf die Schweiz fokussiert, ist meine Hauptkritik. Dabei hätte Exeon grosse Chancen, ein international wichtiger Player in Cybersecurity zu werden. Sie müssen sich strecken und die Gelegenheit nutzen!»