Die Migros beliefert die deutsche Drogerie-Kette DM mit Kosmetik- und Hygieneprodukten, die in der Schweiz produziert werden. Dank guter Vorbereitung und etwas Glรผck auch noch nach dem Frankenschock.
Philipp Albrecht
Mibelle beschรคftigt in Buchs AG und im britischen Bradford rund 1000 Angestellte. PR RMS
Eigentlich sollten bei Mibelle alle Alarmglocken lรคuten: Auf einen Schlag wird am 15. Januar 2015 der Franken um 15 Prozent teurer. Doch in Buchs AG bleiben alle auf ihren Stรผhlen sitzen. Die Migros-Industrietochter macht zwar 43 Prozent ihres Umsatzes im Ausland, doch aus mehreren Grรผnden konnte die Aufhebung der Franken-Euro-Untergrenze durch die Nationalbank dem Unternehmen nichts anhaben.
An der Prรคsentation der Jahreszahlen diese Woche, erlรคuterte M-Industrie-Chef Walter Huber gegenรผber der ยซBilanzยป, warum man auf einen solchen Wรคhrungsschock vorbereitet war und mit welchen Mitteln man einen Umsatzrรผckgang verhinderte. ยซWir verschoben einen Teil der Produktion an unseren Standort im englischen Bradfordยป, sagte Huber. Neben den 17 Produktionsanlagen und 14 Abfรผlllinien in Frenkendorf BL betreibt Mibelle dort zwรถlf Abfรผlllinien. Damit lassen sich tรคglich 70 Tonnen Kosmetik- und Hygieneprodukte verarbeiten.
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Gรผnstige Rohstoffe aus dem Euroraum
Daneben war Mibelle bereits gut gerรผstet: ยซDer Grossteil der Produktion ist gรคnzlich automatisiertยป, erklรคrte Huber. Dadurch fallen hohe Personalkosten weg, die vielen Export-Firmen seit dem Frankenschock zum Verhรคngnis wurden. Und dann waren da noch die Faktoren, auf die das Unternehmen keinen Einfluss hatte, die ihm aber zugute kamen: ยซEinersteits half uns der sinkende รlpreis und andererseits die Aromastoffe, die wir aus dem Euroraum beziehen.ยป
Ein Kuriosum von Mibelle ist die Geschรคftsbeziehung zu deutschen Drogerieketten und Discountern mit ihren Billigprodukten. Allen voran die Kette DM, deren Eigenmarke Balea teilweise aus Mibelle-Produkten besteht (Duschgel und Shampoo). Erkennbar nur durch den Hinweis ยซHergestellt in der Schweizยป im Kleingedruckten auf der Rรผckseite der Verpackung. Laut ยซHandelszeitungยป ist DM einer der grรถssten Kunden der M-Industrie. Es ist doch eher selten, dass ein bei Billigketten in Deutschland angebotenes Produkt aus dem Hochpreisland Schweiz stammt. Offenbar gibt es aber weit und breit keinen Produzenten, der qualitativ hochstehende Ware zu Tiefstpreisen herstellen kann.
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Mehr Umsatz trotz Frankenschock
Wie Huber nun bestรคtigte, kann Mibelle die Billigware weiterhin zum gleichen Preis an DM verkaufen, ohne dass dies Folgen fรผr den Standort Buchs hรคtte. Im Gegenteil: Das M-Industrie-Geschรคftsfeld ยซNear Foodยป, das hauptsรคchlich die Tรคtigkeit von Mibelle betrifft, wuchs 2015 um 2,3 Prozent.
Die Erfolgsgeschichte trรคgt dabei eine gewisse Ironie mit sich: Deutschschweizer Einkaufstouristen kaufen in Deutschland bei Mรผller, DM, Aldi und Lidl vor allem Kosmetik- und Hygiene-Artikel. Wenn also die Migros รผber den Einkaufstourismus jammert, darf sie nicht vergessen, dass zumindest ein kleiner Teil davon wieder zurรผck in die eigenen Kassen fliesst.