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Hotellerie

Ski-WM bringt mehr Gäste, aber weniger Umsatz

Während der Ski-WM sind Hotels in St.Moritz fast komplett ausgebucht. Das Event bringt aber nicht die üblichen Gäste und entsprechend weniger Umsatz. An einen positiven Effekt wird trotzdem geglaubt.

Gabriel Knupfer

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Ski-WM: Das Event bringt nicht die üblichen Gäste nach St. Moritz. Keystone RMS

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Während der Ski-WM vom 6. bis 19. Februar sind Hotels und andere Übernachtungsmöglichkeiten in St. Moritz fast vollständig ausverkauft. Selbst in den anderen Ortschaften des Oberengadins können Kurzentschlossene in den nächsten Tagen kaum mehr eine Unterkunft finden. Doch das bedeutet nicht, dass die Hotels auch mehr Geld verdienen.

Für den Motivationscoach und ehemaligen Bündner Hotelier Ernst Wyrsch ist klar: «Die Rentabilität ist während der WM nicht wesentlich besser als sonst im Februar.» Zwar hätten die meisten Hotels volles Haus, doch der Umsatz pro Gast sei tiefer, als in Jahren ohne sportliches Grossereignis.

Rabatte für Ski-Stars und Funktionäre

Ein Grund für die Diskrepanz zwischen Gästezahl und Umsatz ist, dass sich das WM-Publikum von den üblichen Besuchern des mondänen Ferienortes unterscheidet. Unmittelbar könnten deshalb vor allem die preiswerteren Hotels finanziell profitieren, glaubt Wyrsch. Die 5-Sterne-Häuser, welche die Fahrer und Funktionäre beherbergen, geben diesen Gästen Rabatte auf die üblichen Preise.

Heinz E. Hunkeler, Direktor des Luxushauses Kulm Hotel St. Moritz, bestätigt die Einschätzung des Experten: «Wir werden im Februar einen Logiernächte-Rekord verzeichnen», so der Chef. Einen Umsatzrekord erwarte er aber nicht, «da wir gerne einige Kompromisse für die FIS eingegangen sind». Dennoch unterstütze man die Ski-WM als «fantastische Bühne» für den Ort St. Moritz.

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Marke in die Welt tragen

Die Sichtbarkeit ist auch für das Suvretta House ein wichtiges Plus der Ski-WM. «Die bereits bekannte Marke St. Moritz wird in die ganze Welt hinausgetragen», sagt Direktor Peter Egli. «Bestimmt werden die Bilder auch Erinnerungen auffrischen und Gäste zum Wiederkehren bewegen», glaubt der Chef des 5-Sterne-Hotels.

«So wie sich Gästebedürfnisse verändern, wird sich auch der St.-Moritz-Gast wandeln», so Egli. Die Zimmerpreise im Suvretta House richten sich nach der Saison und wurden – wie auch im Hotel Kulm – trotz der grösseren Nachfrage für die WM nicht angehoben.

Keine Preisauswüchse

Preisexzesse wie beim WEF in Davos seien während der Ski-WM kaum möglich, erklärt Hotel-Experte Wyrsch. «Das WEF findet jedes Jahr statt und da haben sich die Preise hochgeschaukelt, was zu gewissen Auswüchsen geführt hat.» Bei der Ski-WM sei dies anders: «Die Hotels müssen ein positives Image hinterlassen», so Wyrsch. Die Gäste sollen schliesslich auch nach St. Moritz zurückkommen, wenn einmal keine WM durchgeführt wird.

Trotz der weltweiten Bekanntheit des Tourismusortes müsse man potenzielle Gäste immer wieder daran erinnern, zurückzukehren, sagt Wyrsch. «Die Aufenthaltsdauer wird kürzer, die Gäste haben heute mehr Geld, aber weniger Zeit.» Eine Ski-WM sei deshalb ein wichtiger «Reminder».

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Unzufriedene Gewerbler

Sport und Lifestyle gehörten zu den Standbeinen von St. Moritz, sagt auch Kulm-Gastgeber Hunkeler. Während die Hotels durchaus mit einem positiven WM-Effekt rechnen, sieht es beim Gewerbe teilweise anders aus.

Gegenüber «20 Minuten» beschwerten sich mehrere Firmen, dass die Kunden während dem Ski-Event den Ort meiden würden. Die üblichen Kunden – Tagestouristen und Leute aus den benachbarten Dörfern – blieben weg, weil das Dorf während der WM für Privatautos weitgehend gesperrt bleibt.

Sehen Sie in der Bidergalerie unten, die zehn besten Ferienhotels der Schweiz 2016:
Die besten Ferienhotels der Schweiz 2016:Platz 10 (Vorjahr: 9): Grand Resort Bad Ragaz, Bad RagazDas weitläufige Ostschweizer Resort punktet mit höchster Kompetenz in Gesundheitsfragen und 175-jähriger Thermalwasser-Tradition. Unlängst hat Spitzenkoch Andreas Caminada das Restaurant «Igniv» eröffnet, mit «plates to share» als kulinarischem Konzept. Die Frischzellenkur treibt Geschäftsführer Peter Tschirky weiter voran: Bald soll das Grand Hotel Quellenhof komplett erneuert werden.
Platz 9 (Vorjahr: 28): Grand Hotel Park, GstaadJa!!!! Die unaufgeregte Dynamik, die Gastgeber Daniel Ziegler seit dem letzten Winter im Grand Hotel Park entwickelt, etwa mit dem neuen argentinischen Restaurant «Chubut», sorgt für strahlende Gesichter und einen grossen Sprung von Rang 28 in die Top 10. Nicht jeder in der Branche hätte darauf gewettet, dass es Ziegler in so kurzer Zeit gelingen würde, aus dem heimelig luxuriösen Hotel wieder eine der führenden Adressen der Alpen zu machen.
Platz 8 (Vorjahr: 12): Kulm Hotel St. Moritz, St. Moritz
Neues zu wagen und Traditionen zu pflegen, das verträgt sich recht gut – wie das Kulm Hotel zeigt und sich damit um vier Ränge verbesserte. Heinz und Jenny Hunkeler sorgen für jenes Fluidum, in dem sich jeder Gast mindestens so wichtig genommen fühlt, wie er sich selbst fühlt. Zudem werden derzeit die Zimmer vom französischen Architekten Pierre-Yves Rochon kontinuierlich erneuert.
Platz 7 (Vorjahr: 5): Eden Roc, AsconaDie Uferlage am Lago Maggiore, das Spa- und Wassersportangebot und die gastronomische Vielfalt in vier Restaurants sind top. Dennoch fühlt sich das Eden Roc wie ein Luxushotel der Nullerjahre an. Zwar wurde jüngst ein Teil der 95 Zimmer in einem etwas zurückgenommeneren Stil als bisher renoviert, doch dominieren immer noch schrilles Design und Farben, die einen nervös machen. Gastgeber Daniel Schälli wird das Hotel im Herbst nach sieben Jahren verlassen.
Platz 6 (Vorjahr: 3): Riffelalp Resort 2222m, ZermattDie Luxus-Lodge ist ein begehrtes Winterziel von sportlichen Genussmenschen aus aller Welt. Diese schätzen die Hammerlage neben der Skipiste und den Mix aus solider Swissness und mondänder Gelassenheit. Leider ist das Hotelteam weniger «wach» als in früheren Jahren, doch sind wir zuversichtlich, dass es nach der Renovation aller Zimmer im Sommer 2016 rasch wieder zu seinem Gespür für die Anforderungen des Moments zurückfindet.
Platz 5 (Vorjahr: 8): Tschuggen Grand Hotel, Arosa
Um drei Plätze verbessert hat sich das Tschuggen Grand Hotel. Das von farbig illuminierten Glas-Segeln gekrönte Spa und der hauseigene «Tschuggen Express» ins Skigebiet müssen nicht mehr erklärt werden. Im Schatten dieser Highlights geht beinahe vergessen, wie sehr hier die Servicekultur überzeugt, weshalb eine zunehmend internationale Gästeschaft den Weg hierher findet und damit eine noch entspanntere Atmosphäre ins Haus bringt.
Platz 4 (Vorjahr: 7): Suvretta House, St. Moritz
Oldschool-Hotels sind weltweit im Aufwind. Viele erkennen im Suvretta House die Grösse des Unzeitgemässen und die Stärke des Unbeirrbaren – einfach die Schönheit des Originals, die mit dem Alter noch zunimmt. Ganz von heute ist das Sommer-Aktivitätenprogramm: Kostenfrei können sich Hotelgäste täglich fachkundig geführten Genuss- und Erlebnissportarten anschliessen, sei es Segelfliegen über dem Oberengadin oder Segeln auf dem Silsersee.
Platz 3 (Vorjahr: 4): The Alpina Gstaad, Gstaad
Das Alpina, das auf den dritten Platz vorrückte, ist ein Spa-Hotel wie kein anderes in der Schweiz. Dank ausgeklügelten, stark individualisierten Wellbeing-Konzepten und schönster Natur rund ums Haus kann man hier heitere Ferientage mit einem positiven gesundheitlichen Effekt verbinden. Gäste, die blass und erschöpft in Gstaad ankommen, können davon ausgehen, strahlend und quicklebendig wieder abzureisen.
Platz 2 (Vorjahr: 1): Gstaad Palace, Gstaad
Das weisse Märchenschloss ist nicht nur eines der letzten inhabergeführten Luxushotels der Schweiz, sondern auch eines der charaktervollsten. Es verbindet den Prickeleffekt eines Grandhotels sensationell stimmig mit der Herzlichkeit eines Boutiquehotels. Die Seele des Hauses, die familiäre Sorge ums Detail ist an allen Ecken und Enden spürbar, und Besitzer Andrea Scherz sorgt mit nicht nachlassendem Engagement dafür, dass dies so bleibt.
Platz 1 (Vorjahr: 2): Castello del Sole, AsconaNach vier Jahren eroberte das Castello del Sole die Goldmedaille zurück. Das Direktionspaar Simon und Gabriela Jenny rückt den Resort-Charakter der zauberhaften Anlage mit dem riesigen Hotelpark und dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb noch stärker als bisher in den Fokus. Jüngst wurde der private Badestrand ausgebaut und um ein schmuckes Beach-Bistro als auch um diverse Wassersportmöglichkeiten erweitert.Bilder: PR
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RMS
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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