Landis+Gyr startet am Freitag an der Schweizer Börse. Dort suchen 29,5 Millionen Aktien einen Besitzer. Das Unternehmen erhofft sich damit einen Erlös von bis zu 2,4 Milliarden Franken. Der Börsengang wurde nötig, weil... RMS ... sich die bisherigen Besitzer, Toshiba und der halbstaatliche Investmentfonds Innovation Network Corporation of Japan, zum Verkauf ihrer Anteile gezwungen sahen. Toshiba benötigt nach der Insolvenz ihrer US-Kraftwerkstochter Westinghouse dringend Geld. Zusätzlich zum Unternehmen aus Zug versuchen die Japaner auch ihre Chipsparte zu verkaufen. RMS Für Landis+Gyr ist der Börsengang auch eine Rückkehr: Bis vor 22 Jahren wurden die Titel der 1896 gegründeten Firma an der Börse gehandelt. Allerdings hat sich das Zuger Unternehmen in der Zwischenzeit grundlegend verändert: Heute arbeiten deutlich weniger Leute für Landis+Gyr und auch die Produktepalette hat sich gewandelt. RMS Geblieben sind die Stromzähler. Heute allerdings sind diese nicht mehr mechanisch oder rein elektrisch. RMS Seit Anfang des 20. Jahrhundert war Landis & Gyr - damals noch mit «&» verbunden - im Besitz der Familien Landis und Gyr. Nachfolgeprobleme zwangen das Unternehmen 1987 aber zum Verkauf. Die Erben übergaben das Geschäft an... RMS ... den Industriellen Stephan Schmidheiny. 1994 beschäftigte das Unternehmen weltweit noch 16'000 Mitarbeiter. Acht Jahre später trennte sich Schmidheiny wieder vom Traditionskonzern. RMS Käufer Elektrowatt hielt allerdings noch weniger lang an Landis+Gyr fest. Bereits drei Jahre später stand wieder ein Verkauf an. RMS Das Zuger Unternehmen ging erstmals in ausländische Hände über. Unter Siemens wurde Landis+Gyr grundlegend umgebaut. Zusammen mit der Siemens-eigenen Zählersparte wurde das Unternehmen zur Siemens Metering AG. Doch auch damit kehrte keine Ruhe ein. RMS 2002 ging die ganze Zählersparte an die amerikanische Investmentgesellschaft KKR. Unter dem neuen CEO Andreas Umbach ging das Unternehmen wieder als Landis+Gyr ins Rennen. Ein wichtiger Teil der Ursprungsfirma lebt heute in Siemens Building Technologies weiter. RMS Der Besitzer wechselte nur zwei Jahre später bereits wieder, CEO Umbach blieb dem Konzern aber bis Frühling 2017 erhalten. 2004 wurde L+G nach Australien verkauft. Unter Bayard Capital wurden 14 Akquisitionen im Wert von 1,2 Milliarden Dollar getätigt. Ebenfalls kamen neue Sektoren im Bereich der Netzwerk- und Kommunikationstechnik dazu. Der Plan eines Börsengangs machte dann aber die Finanzkrise zunichte. Ein erneuter Besitzerwechsel stand an. RMS Den Zuschlag bekam 2011 Toshiba. 2,3 Milliarden Franken bezahlte der japanische Konzern für Landis+Gyr. Vom Börsengang am Freitag erhofft sich das Unternehmen eine ebenso grosse Summe. Auch ein Verkauf stand zur Diskussion, allerdings schien niemand gewillt, für L+G so viel zu bezahlen. RMS Das Management von L+G sprach sich ebenfalls für einen Börsengang aus. Der neue CEO Richard Mora und sein Team erhoffen sich davon mehr Eigenständigkeit. Heute ist das Unternehmen stark amerikanisch geprägt: Viele Mitglieder an der Spitze kommen aus den USA und grosse Teile des Umsatzes werden dort erwirtschaftet. Dennoch halten sie am Zuger Hauptsitz fest. Mit dem IPO in Zürich wird L+G vielleicht wieder etwas schweizerischer. Bilder: Keystone Keystone