Erstmals seit mehr als 40 Jahren erhebt eine Schweizer Bank von ihren Privatkunden Negativzinsen. Beim Genfer Vermögensverwalter Lombard Odier müssen Anleger auf ihre Kontoguthaben ab Donnerstag Zinsen zahlen. Das Traditionsinstitut reicht die Strafgebühr weiter,
die die Schweizerische Nationalbank (SNB) ab diesem Zeitpunkt erhebt. Mit der Massnahme stemmt sich die Notenbank gegen die milliardenschweren Zuflüsse in die Schweiz, die den Franken in die Höhe treiben und die Konjunktur abzuwürgen drohen. Auch andere Vermögensverwalter dürften dem Beispiel der Genfer folgen.
Lombard Odier erhebt ab Donnerstag auf Bargeld-Bestände von mehr als 100'000 Franken eine Gebühr von 0,75 Prozent. Lediglich bei Portfolios, deren Verwaltung die Kunden vollständig der Bank übertragen haben, kommt der Mindestzins nicht zum Zug. Dass Kunden in Scharen deshalb abwandern, erwartet die Bank nicht. Die Genfer gehen davon aus, dass viele Reiche für die hohe Sicherheit zu zahlen bereit sind, die Anlagen bei der SNB bieten. Lombard Odier parkt die Franken-Bestände bei der SNB.