Im Juni 2008 erwarb die in Wien domizilierte Holding Labelux von der US-Investmentfirma TPG Capital das Schweizer Unternehmen Bally. 600 Millionen Franken sollen die Wiener fΓΌr das Traditionshaus bezahlt haben, wurde damals in der Branche gemunkelt. Bis dahin war Labelux, nur ein Jahr vorher von der Finanzholding Johann A. Benckiser gegrΓΌndet, eine unbekannte GrΓΆsse. Bereits im Portefeuille befand sich die kleine, dafΓΌr noble Londoner Schmuckfirma der Designerin Solange Azagury-Partridge. Nach Bally wurde das ebenfalls kleine New Yorker Modelabel des Stardesigners Derek Lam akquiriert. VorlΓ€ufig letztes StΓΌck in der Preziosensammlung ist Zagliani, ein MailΓ€nder Designer edler Handtaschen.
Der Architekt von Labelux heisst Berndt Hauptkorn. Als dieser den Chefposten bei Bally ΓΌbernahm, nahm Anfang 2010 Reinhard Mieck (Bild) bei Labelux auf dem Stuhl des CEO Platz. Der 43-JΓ€hrige arbeitete davor wΓ€hrend zwΓΆlf Jahren fΓΌr Reckitt Benckiser. Β«Ich werde Labelux zu einem Key Player in der internationalen Luxusbranche aufbauenΒ», hat Mieck einst grossspurig der Β«Financial Times DeutschlandΒ» diktiert. Bislang jedoch hat er nur kleine BrΓΆtchen gebacken. Β«Wir fΓΌhren GesprΓ€che mit verschiedenen Marken, haben jedoch bei der Expansion keine EileΒ», meint er heute gegenΓΌber BILANZ etwas kleinlaut.
Die Stossrichtung ist klar: Mode, Schmuck, Lederwaren, Accessoires. An Gelegenheiten fΓΌr attraktive ZukΓ€ufe bestΓΌnde kaum Mangel; gerade kleinere Luxusmarken haben heftig gelitten wΓ€hrend der Rezession und wΓ€ren wohlfeil zu haben. Auch Kapital fΓΌr ausgedehnte Shoppingtouren ist reichlich vorhanden. Hinter Labelux steht die Familie Reimann; der diskreteste aller diskreten MilliardΓ€rs-Clans in Deutschland. Dieser ist mit Wasch- und Reinigungsmitteln, Kosmetika sowie Parfum reich geworden β die Familie hΓ€lt beispielsweise 15,6 Prozent an Reckitt Benckiser β und besitzt laut Β«Manager MagazinΒ» ein VermΓΆgen von 7,2 Milliarden Euro.
So spielt Mieck, der als PrΓ€sident bei Bally International hΓΆchstselbst ΓΌber das wichtigste Investment wacht, in der internationalen Luxusklasse nur in der zweiten Liga. Wie gross Labelux ist, lΓ€sst er sich, ganz der Verschwiegenheit seiner Geldgeber verpflichtet, nicht entlocken. Β«Wir sind mit der Entwicklung der ersten drei Jahre zufriedenΒ», pariert er die Frage nach Umsatz und Ertrag. Entlocken lΓ€sst er sich einzig, dass Labelux gruppenweit 2000 Personen beschΓ€ftigt; davon stehen ΓΌber 80 Prozent auf der Lohnliste von Bally. Ein geschΓ€tzter Gruppenumsatz von gegen 700 Millionen Franken ist nicht ΓΌberwΓ€ltigend. Zum Vergleich: LVMH, Sinnbild des Luxuskonglomerats, erzielte letztes Jahr 36-mal mehr an VerkaufserlΓΆsen.
Da muss Reinhard Mieck noch einiges dazukaufen.