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Karriere

In jungen Jahren Konzernchef - diese CEOs machen es vor

In jungen Jahren haben sie es bereits bis an die Spitze einer börsenkotierten Firma geschafft: Junge CEOs, wie der neue Novartis-Lenker Vas Narasimhan sind rar, aber es gibt sie. Ein Überblick.

Julia Fritsche,

Karen Merkel

Ein Überblick über junge Top-Chefs:Vas Narasimhan übernimmt ab kommendem Jahr den Posten des Novartis-CEO von Joe Jimenez. Der 41-Jährige wird der aktuell jüngste Chef eines SMI-Unternehmens. Überhaupt sind Firmenlenker unter 50 in der Schweiz und international rar, wie folgende Beispiele zeigen.
Patrick Frost (Swiss Life/Bild) und Christian Mumenthaler (Swiss Re) waren bei ihren jeweiligen Jobantritten 46 Jahren. Im Vergleich zu ihren übrigen SMI-CEO-Kollegen schafften sie den Sprung an die Spitze damit vergleichsweise jung.
Die deutsche Julia Jäkel wurde 2013 mit 41 Jahren Vorsitzende des Verlagshauses Gruner + Jahr. Davor leitete sie etwa die Zeitschrift Brigitte und ab 2008 die Geschäfte von über 20 Zeitschriften und Digitalangeboten.
Heute ist die 61-jährige Meg Whitman CEO von Hewlett Packard. Vor rund 20 Jahren übernahm sie 42-jährig bei Ebay den Chefposten und führte das Unternehmen an die Börse.
Modezar Ralph Lauren setzte bei seiner Nachfolge auf den erst 42-jährigen Stefan Larsson. Knapp eineinhalb Jahre später kam es aber zu Differenzen über die Zukunft des Unternehmens und der gebürtige Schwede verliess Ralph Lauren wieder.
Erst seit Anfang des Jahres führt Ulf Mark Schneider den Schweizer Lebensmittelgiganten Nestlé. Davor war er Vorstandsvorsitzender beim deutschen Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius. Beim Stellenantritt 2003 war er gerade 38 Jahre alt.
Boris Collardi übernahm 34-jährig die Spitzenposition bei Julius Bär. Noch will er dort auch bleiben, wie er an der Bilanzmedienkonferenz im Februar dieses Jahres versicherte.
Markus Blocher, Sohn von Christoph Blocher, war erst 32-jährig als er die Leitung der Dottikon ES übernahm. Seine Schwester Magdalena Martullo-Blocher war mit 35 Jahren nur wenig älter, als sie an die Spitze der EMS Chemie kam.
Mit nur 32 Jahren wurde Daniel Schwartz zum CEO von Burger King. Den Einstieg schaffte er, nachdem sein damaliger Arbeitgeber 3G die Fastfoodkette aufkaufte. Zuerst wurde er Finanzchef, weniger als drei Jahre später übernahm Schwartz die Gesamtverantwortung. Der Erfolg gibt dem schnellen Aufstieg recht: Der Wert des Fastfoodriesen hat sich unter dem jungen CEO verdreifacht.Screenshot Youtube
Facebook-Chef Mark Zuckerberg stand kurz vor seinem 29. Geburtstag als er mit seiner Plattform 2013 den Börsengang wagte. Der ehemalige Harvard-Student gründete das Soziale Netzwerk im Alter von 19 Jahren. Mit einem Vermögen von 71.5 Milliarden US-Dollar zählt Zuckerberg zu den reichsten Menschen der Welt.
Erst 27 war Julie Smolansky als sie das Unternehmen Lifeway Foods nach dem Tod ihres Vaters übernahm. Unter ihrer Führung hat Lifeway Foods kräftig expandiert. Forbes zählt den Kefir- und Drinkjoghurtproduzenten denn auch zu den besten kleinen Unternehmen der USA.zvg
Mit Snapchat-Mutter Snap ging der 27-jährige Gründer Evan Spiegel im Frühling an die Börse. Der aktuelle Börsenwert des Unternehmens liegt bei 11 Milliarden Franken. Die Idee zur App kam ihm während seines Produktdesign-Studiums in Stanford.
Michael Dell wurde 1992 im Alter von 27 der jüngste CEO einer Fortune-500-Firma. Der Gründer des drittgrössten PC-Herstellers der Welt leitet das Unternehmen mit einem kurzen Unterbruch bis heute als CEO.
Als jüngster CEO der Welt gilt Suhas Gopinath. Mit 17 wurde der heute 30-jährige Inder CEO seines selbst gegründeten IT-Unternehmens Globals Inc. 2007 wurde ihm vom Europäischen Parlament und der International Association for Human Values in Brüssel der «Young Achiever Award» verliehen. Zwei Jahre später hatte er am WEF in Davos einen Auftritt. Dort wurde er als «Young Global Leader» ausgezeichnet.Screenshot Youtube/Bilder: Keystone
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Novartis zählt zu den grössten Pharmafirmen der Welt. 212 Milliarden Franken Börsenwert, 120'000 Mitarbeiter. Der Konzern ist ein Gigant. Und dessen Schicksal liegt bald in den Händen eines 41-Jährigen: Vasant «Vas» Narasimhan übernimmt im Februar 2018. Hochqualifiziert, laut Beobachtern eine glänzende Wahl. Und doch ist es aussergewöhnlich, einen börsenkotierten Riesen einem so jungen Manager anzuvertrauen.

Im Durchschnitt ist ein CEO bei Antritt seines Postens um die 50 Jahre alt, zeigt eine internationale Studie des Personalberaters Heidrick & Struggles. In Deutschland sind CEO bei der Übernahme als Chef genau 50 Jahre alt, ihre französischen und britischen Kollegen sind etwas jünger. In den USA sind Konzernchefs – dem Silicon Valley zum Trotz – im Durchschnitt sogar noch zwei Jahre älter. «Das auswählende Gremium will bei der Entscheidung für einen CEO maximal sicher sein, dass der Kandidat optimal passt», sagt Guido Schilling, der als Executive-Berater CEOs und Verwaltungsräte in Unternehmen vermittelt.

Boris Collardi –  mit 34 Jahren Bankenchef

Wichtig für Unternehmen sei dabei, so Schilling, dass das Auswahlgremium mit den Kandidaten vertraut ist. «Je weniger die Person dem Wahlgremium bekannt ist, umso mehr muss man sich auf erkennbare Leistungsausweise verlassen.» Dieses Vertrauen aufzubauen, dauert seine Zeit, auch in der Schweiz: Ein Blick auf die Spitzenleute der SMI-Firmen zeigt, dass ältere Semester in der Mehrheit sind.

Doch es gibt Ausnahmen – zum Beispiel Boris Collardi. Der CEO der Bank Julius Bär meisterte den Schritt nach ganz oben bereits mit 34 Jahren. Nur wenige Jahre älter war der heutige Nestlé-Chef Ulf Mark Schneider, als er zum ersten Mal die Führung in einem börsenkotierten Unternehmen anvertraut bekam. Der heute 51-jährige übernahm seinen ersten Chefposten beim deutschen Medizintechnikunternehmen Fresenius mit 38 Jahren.

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Jünger als der Durchschnitt

Älter als Collardi und Schneider, aber deutlich jünger als der Durchschnitt war auch der Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler bei Jobantritt 2015. Er war 46 Jahre alt, als er als CEO antrat. Ebenso sein Kollege bei Swiss Life, Patrick Frost – der für seinen mutigen offenen Umgang mit seiner Krebskrankheit viel Anerkennung gezollt bekam.

«Im Grundsatz gilt, je prosperierender die Wirtschaft, umso mehr Chancen haben die jungen Top Talente, das gilt auch für die Besetzung von Schlüsselpositionen an der Spitze der Unternehmen», sagt Schilling. «In diesen Fällen wird oft auf interne Nachwuchspersönlichkeiten gesetzt.» Das zeigt auch die Studie von Heidrick & Struggles: In Deutschland, Frankreich oder Grossbritannien kommen interne Kandidaten zwei bis drei Jahre schneller nach ganz oben als externe. Auf dieser Grundlage basiert sicher auch das Vertrauen in Vas Narasimhan bei Novartis. Er arbeitet seit 2005 in verschiedenen Führungspositionen für den Pharmariesen und lenkte zuletzt als «Global Head of Drug Development» bereits 10'000 Mitarbeiter.

Mark Zuckerberg war nicht der jüngste

Zwei andere Wege gibt es noch für junge Ambitionierte, es schnell an die Konzernspitze zu schaffen. Auf die eine besteht wenig Einfluss: die Nachkommen in Familienunternehmen übernehmen oft früh Verantwortung. Schweizer Paradebeispiele sind Philipp Gaydoul, der mit nur 26 Jahren bei Denner an die Spitze stiess oder die Geschwister Blocher. Markus Blocher war 32-jährig und Magdalena Martullo-Blocher 35-jährig, als sie die Steuer in ihren jeweiligen Unternehmen übernahmen. Doch auch Familienfirmen sind kein Garant für den Schnellstart. Nick Hayek war bereits 53, als er bei Swatch die Leitung ergriff.

Schneller und ohne Vitamin B an die Spitze kommen laut Heidrick & Struggles Gründer. Hier sind die USA top: Gründer werden dort durchschnittlich bereits mit 27 Jahren zum CEO. Und wenn es gut läuft, kotiert das Unternehmen auch bald an der Börse. Der jüngste, dem das jemals gelang, war nicht Mark Zuckerberg. Tatsächlich war ein anderer CEO und Gründer noch zwei Jahre jünger, als er zum CEO eines Fortune-500-Unternehmen aufstieg.

Wer das war und wer es noch aussergewöhnlich jung an die Spitze schaffte, sehen Sie in der Bildergalerie oben.



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Vier Persönlichkeitsmerkmale, um es bis ganz nach oben zu schaffen:
Lehre, Master, Diplom oder Doktortitel - was die SMI-Konzern-Chefs gelernt haben:
Sergio Ermotti, UBS: Nach einer Bankenlehre in Lugano hat er das Advanced Management Programme in Oxford absolviert.
Severin Schwan
Tidjane Thiam (links), Credit Suisse: An der Ecole Nationale Supérieure des Mines in Paris hat er 1986 Fortgeschrittene Mathematik und Physik studiert. Weiter hat er einen MBA an der INSEAD in Fontainebleau abgeschlossen.
Ulf Markus Schneider
Ulrich Spiesshofer, ABB: Der CEO des Technologieunternehmens ABB hat 1989 ein Ökonomie-Studium in Stuttgart absolviert.
Urs Schaeppi, Swisscom: Auch der Swisscom-Leiter hat an der Hochschule St. Gallen Ökonomie studiert. Später dann Ingenieurwissenschaften an der ETH in Zürich.
Alain Dehaze, Adecco: In Brüssel hat der heute 53-Jährige Wirtschaftsingenieurwesen abgeschlossen.
Boris Collardi, Julius Bär: An der IMD in Lausanne hat Collardi das Executive Programme absolviert.
Christian Buhl, Geberit: An der ETH Zürich hat Buhl Physik studiert und anschliessend an der Universität St. Gallen auf dem Gebiet der Finanzmarktforschung zum Dr. oec. HSG promoviert.
Christian Mumenthaler, Swiss Re: Der CEO der Versicherung Swiss Re hat den Doktorstudiengang Physik an der ETH absolviert.
Eric Olsen, Lafarge Holcim: Nach seinem Finanz- und Rechnungswesen-Studium in Colorado hat Olsen seinen MBA in Paris absolviert.
Frankie Ng, SGS: Der Leiter des weltweit grössten Prüfkonzerns hat Ingenieurwesen in Genf sowie Ökonomie in Essex studiert.
Gilles Andrier, Givaudan: Der gebürtige Franzose hat an der Ingenieurschule in Toulouse studiert.
Jean-Paul Clozel, Actelion: Der 62-jährige CEO des Schweizer Pharmaunternehmens Actelion hat in Nancy Medizin studiert.
Joe Jimenez
Mario Greco, Zurich Insurance: Der Ökonomie-Absolvent hat sein Studium in Rom und in Rochester abgelegt.
Nick Hayek, Swatch: Bei seinem Ökonomie-Studium an der HSG ist es nicht geblieben: Auch an der Filmakademie in Paris war Hayek erfolgreich.
Patrick Frost, Swiss Life: Der Geschäftsführer studierte an der ETH in Zürich sowie an den Universitäten Köln, Basel und Zürich. Der CFA-Charterholder verfügt über Abschlüsse in Naturwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften. Bilder: Keystone
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