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Europas Reiche lieben den Genfer Flughafen

Europas meistgeflogene Privatjet-Strecke führt nach Genf. Das zeigt ein Branchenreport. Auch sonst ist die Schweiz dank dem Flughafen an der französischen Grenze ein Hub für die Businessfliegerei.

Gabriel Knupfer

Mit 500 Ausstellern auf insgesamt 54'000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist die Ebace Europas wichtigste Messe für die Business-Fliegerei.
Auch in der Ausgabe 2014 ist die Aussicht auf das Vorfeld des Genfer Flughafens wieder spektakulär.
Flügel an Flügel steht hier alles was in der Business-Fliegerei Rang und Namen hat. In dieser Reihe sind die grossen Jets von Dassault Aviation zu sehen.
Auch Bombardier ist mit zahlreichen Geschäftsflugzeugen am Start.
Für kleinere Firmen eignen sich die grossen Business-Jets aber kaum. Die Challenger 605 von Bombardier (vorne) kostet rund 30 Millionen Franken.
Heck der Falcon 900 von Dassault.
Doch es geht nicht nur um Grösse: Propellermaschine des deutschen Herstellers Beechcraft.
Piaggio ist sonst eher für seine Motorroller bekannt, was auch am Flugzeug-Design zu sehen ist.
Wer in einem Boeing Business Jet zur Arbeit fliegt, muss bestimmt nicht am Hungertuch nagen.
Allerdings ist der Platz auch im geräumigsten Charterflugzeug begrenzt.
Mitarbeiter der Royal-Jet-Charterfluggesellschaft aus Abu Dhabi.
Es gibt auch preiswertere Lösungen: Die Pilatus PC-12 ist für etwa 4 Millionen Franken zu haben.
Die PC-12 wurde bisher mehr als 1200 mal verkauft.
Ein Pluspunkt ist die einfache Wartung. Einige Handgriffe genügen um Zugriff auf den Motor zu haben.
In den Hallen der Palexpo zeigen zahlreiche weitere Aussteller ihre neusten Entwicklungen in der Aviatik.
Modell am Stand von Pratt & Whitney Dependable Engines.
Flugzeugfans sind hier aber trotzdem nicht anzutreffen. Als reine Fachmesse bleibt die Ebace Ausstellern und Käufern vorbehalten.
Einige Hersteller haben begehbare 1:1-Modelle mitgebracht...
... die Global 7000 von Bombardier soll im Jahr 2016 in Dienst gestellt werden.
Ein Highlight ist auch das erste Business-Flugzeug von Honda.
Der nur knapp 13 Meter lange HondaJet (Honda HA-420) ist bis 2017 ausverkauft. Und dies obwohl erst in diesem Jahr mit der Serienproduktion begonnen werden soll.
Auch Fachbesucher können Aviatik-Fans sein.
Helikopter des amerikanischen Herstellers Bell.
Eine grosse Attraktion ist auch dieses Mal das Modell der PC-24 von Pilatus.
Der erste Schweizer Business-Jet soll 2017 zertifiziert werden.
Cockpit der PC-24.
Das futuristische Interieur scheint den Käufern zu gefallen...
... die gesamte Produktion des Flugzeugs sei bis 2019 bereits ausverkauft, teilte der Konzern am Mittwoch mit.Bilder Gabriel Knupfer
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RMS

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Lange hat die Businessfliegerei unter der Finanzkrise gelitten. Doch 2015 glaubt die Branche den Umschwung endlich geschafft zu haben. Und mittendrin im Milliardengeschäft mit der exklusiven Privatfliegerei mischt die Schweiz mit. Der Flughafen Genf gehört zu den absoluten Zentren für private Flugreisen, sowohl was einzelne Strecken anbelangt, als auch bezüglich der Abflüge insgesamt. Das zeigt ein neuer Branchenreport des Charterservice Victor.
Wie wichtig die Schweiz für die Branche ist, zeigt sich an den Vorjahreszahlen: Mit 17'742 Abflügen lag Genf 2014 vor illustren Flughäfen wie Nice Côte D’Azur, London Luton und Moskau-Wnukowo. Einzig Paris Le Bourget konnte noch mehr Charter- und Privatflüge verzeichnen als der Flughafen an der schweizerisch-französischen Grenze. Kein Wunder, dass auch die meist geflogene Verbindung genau diese beiden Flughäfen miteinander verbindet.

Paris Le Bourget nach Genf

Rund 1900 private Flüge von Paris Le Bourget nach Genf und ebensoviele in der Gegenrichtung machen das Städtepaar mit grossem Vorsprung zur wichtigsten Privatjet-Verbindung. Dahinter folgen Flüge von Mailand nach Rom und von Nizza nach Moskau, von denen es 2014 jeweils knapp 1200 gab.
Insgesamt finden sich unter den Top 30 Städtepaarungen acht Flüge von oder nach Genf. Wichtige Strecken führen vor allem im Sommer in den Mittelmeerraum, so etwa nach Nizza, Cannes, Ibiza oder Olbia. Dank Genf und auch Zürich (Platz 6 bei den Flughäfen) war die Schweiz 2014 der fünftgrösste Markt für die Privatfliegerei in Europa und dies noch vor grossen Ländern wie Spanien, Russland oder Holland.

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Wehrmutstropfen Frankenstärke

Trotz der insgesamt starken Position im Markt gibt es aber auch einen Wehrmutstropfen für die Schweiz. Die Zahlen für das erste Halbjahr 2015 zeigen einen Rückgang der Flüge um mehr als 5 Prozent, während der Markt in Westeuropa auf Jahressicht um 3 Prozent zugelegt hat. Grund für die Schwäche sei der starke Franken, so Victor. «Die Aufwertung hatte einen direkten Einfluss auf die Privatflüge».
Einen richtiggehenden Einbruch gab aber es in Osteuropa. Aus Russland hoben fast ein Viertel weniger Privatflieger ab und in der Ukraine schrumpfte der Markt sogar um mehr als die Hälfte. Angesichts des ersten Anstiegs im Gesamtmarkt seit der Finanzkrise 2008 sieht die Branche Grund zum Optimismus. «Der Privatjet-Markt in Europa ist endlich wieder im Aufwind», lässt sich Richard Koe von WingX Advance zitieren und bezieht sich dabei auf das erwartete Plus von 0,5 Prozent im Jahr 2015.

«Bedeutender Wandel»

«Die Privatjet-Industrie erlebt gerade einen bedeutenden Wandel», so Victor-Chef Clive Jackson. Beim britischen Charterservice ist man zuversichtlich. Mit Apps und Vermittlungsportalen im Internet wollen Victor und andere Charter-Anbieter den Markt aufmischen. Eine Vereinfachung der Zusammenführung von Kunden und Flugzeugen bietet auch in Europa ein grosses Wachstumspotenzial.

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Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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