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Entziffert: Der Aufenthalt in einem Spital dauert 12,4 Tage

Niemand auf der Welt bleibt so lange in einem Akutspital liegen wie ein Schweizer Patient, und zwar nach praktisch allen Operationen. Ist das nicht sonderbar?

Markus Schneider

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Β«Bisher wurden die SpitΓ€ler bei uns so geplant, dass man von jedem Dach eines Spitals das Dach des nΓ€chstliegenden sehen kannΒ», spasst der Berner GesundheitsΓΆkonom Gerhard Kocher. TatsΓ€chlich ist die Schweiz mit Akutbetten so dicht versorgt wie kaum ein anderes Land im OECD-Raum. In Schweden genΓΌgen 2,4 Betten pro 1000 Einwohner, die Schweiz braucht deren 3,9. Und wer wissen will, wie gut diese vielen Betten belegt sind, staunt erneut: Die hiesige Belegungsquote ist mit 85 Prozent hΓΆher als in den meisten anderen OECD-LΓ€ndern.
Also stellt sich die Frage, ob wir Schweizerinnen und Schweizer etwa so viel krΓ€nker sind, dass wir deswegen ΓΆfter ins Spital mΓΌssten. – Das ist zum GlΓΌck nicht der Fall. In der Statistik der KrankenhausfΓ€lle bewegt sich unser Land im ΓΌblichen Rahmen. Luxemburg hat 17 626 KrankenhausfΓ€lle, Schweden 16 009, die Schweiz nur 15 414 (jeweils bezogen auf 100 000 Einwohner).
Doch treten wir einmal ins Spital ein, bleiben wir dort auffΓ€llig lange liegen. Laut den neuesten Daten des Bundesamts fΓΌr Statistik betrΓ€gt ein Spitalaufenthalt in der Schweiz durchschnittlich 12,4 Tage und ist damit etwa doppelt so lange wie in der ΓΌbrigen OECD. Die hiesigen Spitalverantwortlichen rechtfertigen diese Differenz gerne mit statistischen Verzerrungen, da Akut- und Pflegeabteilungen oft vermischt wΓΌrden.

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Nun hat die OECD aber eine CD-ROM herausgegeben, die internationale Vergleiche fΓΌr jeden einzelnen operativen Eingriff erlaubt. Diese Zahlen sind verblΓΌffend: Nach einer normalen Entbindung bleibt eine Mutter bei uns 6,3 Tage im Spital, wΓ€hrend es in Schweden oder Holland 2,6 Tage sind, in Luxemburg 4,3 Tage. Nach einem Schenkel- oder einem Leistenbruch sind Patienten in der Schweiz 4,8 Tage hospitalisiert, in Schweden 2,2 Tage, in Holland 3,0 und in Luxemburg 4,1 Tage. Nach einer Prostatakrebs-Operation bleiben MΓ€nner hierzulande 11,6 Tage im Spital liegen, in Schweden 7,0 Tage, in Holland 8,7 und in Luxemburg 8,9 Tage. Γ„hnlich nach einer Brustkrebs-Operation: Frauen in der Schweiz sind 10,0 Tage im Spital, in Schweden 5,2 Tage, in Holland 6,7 und in Luxemburg 8,2 Tage. Nach einem akuten Herzinfarkt betrΓ€gt der durchschnittliche Spitalaufenthalt in der Schweiz 10,4 Tage, in Schweden 6,3 Tage, in Luxemburg 8,5 und in Holland 9,9 Tage. Noch grΓΆsser sind die Differenzen bei einem Spitaleintritt wegen Diabetes mellitus: 17,4 Tage Spitalaufenthalt in der Schweiz, 7,2 Tage in Schweden, 10,0 in Luxemburg und 14,0 in Holland.
So brisant diese Zahlen sind, sie werden kaum thematisiert. Dabei fΓΌhrt das Schweizer System eindeutig zu falschen Anreizen: Bei uns werden die SpitΓ€ler nach der Anzahl Belegungstage bezahlt: Je lΓ€nger die Patienten bleiben, umso hΓΆher die Einnahmen. KΓΆnnten die Krankenkassen die Leistungen fΓΌr jede einzelne Diagnose einkaufen, kΓ€men wohl einige SpitΓ€ler unter Kostendruck. Β«FallpauschalenΒ», so nennt man diese Systeme im Ausland; erprobt sind sie in ganz Skandinavien und auch anderswo, nur in der Schweiz redet man bloss davon.

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Übrigens: Schwedinnen und Schweden fühlen sich so gesund wie wir, sie werden auch praktisch gleich alt wie wir. Aber die Gesundheitskosten pro Kopf sind in Schweden ein Drittel tiefer.
Quelle: OECD-Gesundheitsdaten 2004: Vergleichende Analyse von 30 LΓ€ndern. CD-ROM. ISBN 92-64-10648-0

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