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Eklat bei Sika: Übernahme durch die Hintertür

2,75 Milliarden Franken will die französische Saint-Gobain-Gruppe hinblättern, um den Bauchemiehersteller Sika zu kontrollieren. Die Konzernleitung droht mit dem Rücktritt.

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Sika-Sitz in Baar: Machtübernahme von Saint-Gobain sorgt für rote Köpfe.   Keystone RMS

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Beim Bau- und Industriezulieferer Sika droht ein Kontrollwechsel. Die französische Saint-Gobain-Gruppe beabsichtigt, indirekt sämtliche von der bisherigen Hauptaktionärin gehaltenen Aktien zu übernehmen. Sie waren bisher in der Hand der Eigentümerfamilie Burkard, Saint-Gobain will 2,75 Milliarden Franken dafür zahlen. Der Verwaltungsrat und das Management stellen sich dagegen und drohen mit dem Absprung.

Die Nachricht bringt die Aktie zum Absturz:  Bereits kurz nach 9 Uhr lagen die Sika-Titel mit über 15 Prozent im Minus. Bis um 10 Uhr verloren die Sika-Inhaber-Aktien über 14 Prozent an Wert. Der Gesamtmarkt (SMI) notierte derweil bei minus 0,1 Prozent. An der Pariser Börse verloren die Aktien von Saint-Gobain 3,0 Prozent.

Kauf durch die Hintertür

Die Übernahme soll wie folgt verlaufen: Saint-Gobain kauft die Schenker Winkler Holding, die derzeit 16,1 Prozent des Aktienkapitals und 52,4 Prozent der Stimmrechte bei Sika hält. Bisher liegt die Kontrolle über das Unternehmen bei der Gründerfamilie Burkhard. Wie Saint-Gobain am Montag mitteilte, werde man so in der Lage sein, Sika voll in den eigenen Büchern zu konsolidieren. Für die restlichen Anteile von Sika wird es kein Übernahmeangebot geben, so Saint-Gobain weiter.

Saint-Gobain-Konzernchef Pierre-André de Chalendar bezeichnete den Firmenkauf an einer Telefonkonferenz vom Montag als eine Win-Win-Situation. Er zeigte sich überrascht vom Widerstand des Managements. Die ersten Treffen mit dem Sika-Management am Wochenende seien konstruktiv gewesen, erklärte de Chalendar. Er könne daher die emotionalen Momente nicht verstehen.

Die französische Gruppe erhofft sich vom Einstieg bei Sika Synergien. Dies aufgrund der Nähe von Sikas Aktivitäten zu jenen Saint-Gobains, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst. Konkret rechnet Saint-Gobain mit Synergien von 100 Millionen Euro im zweiten Jahr, das heisst 2017. Ab 2019 schätzen die Franzosen mit einem Synergiepotenzial von 180 Millionen Euro jährlich. Die Übernahme werde ab dem vierten Jahr Wert generieren, heisst es weiter.



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Verwaltungsrat und Management aussen vor

Über das Vorhaben seien der Verwaltungsrat und das Management am vergangenen Freitagabend informiert worden, teilte Sika am Montagmorgen mit. Beide seien nicht in die angekündigte Transaktion involviert gewesen und auch nicht beratend beigezogen wurden. Sie lehnten den geplanten Kontrollwechsel ab, heisst es weiter.

Die Transaktion stehe unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden und werde voraussichtlich spätestens in der zweiten Hälfte 2015 abgeschlossen sein. Sollte die Transaktion wirklich realisiert werden, werden die ungebundenen Mitglieder des Verwaltungsrates und die Konzernleitung im Anschluss an das Closing der Transaktion geschlossen zurückzutreten.

(awp/sda/gku/me/ccr)
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