Die Geschäftsfliegerei steckt in schwierigen Zeiten. An der Genfer Flugzeugmesse Ebace ist von den Problemen der Branche dennoch wenig zu spüren. Einzig Pilatus geht es gut.
Vom 19. bis 21. Mai trifft sich zum 15. Mal die Branche der Business-Fliegerei an der Ebace in Genf. Spektakulär ist einmal mehr das sogenannte Static Display mit über 50 aktuellen Flugzeugen.RMSSeite an Seite präsentieren Hersteller und Business-Fluggesellschaften ihre Produkte, wie hier Embraer. Die Brasilianer haben gleich eine kleine Flotte mitgebracht.RMSMit erwarteten 13'000 Besuchern und rund 500 Ausstellern ist die Ebace eine der wichtigsten Flugzeugmessen in Europa. Aviatik-Fans sind hier aber nicht anzutreffen. Als reine Fachmesse bleibt die Ebace Ausstellern und Käufern vorbehalten.RMSDie Branche hat in den letzten Jahren zu kämpfen. Trotzdem existiert offenbar weiter ein Markt für die luxuriöse Art zu reisen. Vom riesigen Boeing Business Jet...RMS... bis zum Learjet von Bombardier – alle buhlen sie auf dem Vorfeld des Genfer Flughafens um Aufmerksamkeit und Kunden.RMSWobei sich der Doppeldecker von Waco Classic Aircraft wohl doch eher als Fotosujet eignet, denn als Geschäftsflugzeug.RMSFür Pilatus ist die Ebace gewissermassen ein Heimspiel. Gezeigt wird unter anderem ein PC-12 mit Sonderlackierung. Gestaltet wurde der Flieger zum 75-jährigen Jubiläum der Pilatus Werke vom kürzlich verstorbenen Künstler Hans Erni.RMSAuch innen ist das Flugzeug mit Seriennummer 1515 mit Tauben von Hans Erni geschmückt.RMSDer PC-12 gehört zu den vielfältigsten Turboprop-Flugzeugen der Welt und wird nicht nur im Business-Bereich, sondern auch als Fracht- und Linienflugzeug sowie in zahlreichen weiteren Funktionen eingesetzt.RMSNicht an der Ebace ist der Prototyp des Pilatus PC-24. Dafür zeigt Konkurrent Honda den Hondajet, ein zweistrahliges Geschäftsreiseflugzeug für maximal fünf Passagiere. Das erste von der Honda Aircraft Company entwickelte und gebaute Serienflugzeug fischt im gleichen Markt wie der PC-24.RMSDas topmoderne Glascockpit des Hondajets stammt von Garmin und gehört ebenso zu den Verkaufsargumenten...RMS... wie die schmucke Ausstattung. Wobei der Innenraum im bloss 13 Meter langen Flieger begrenzt ist.RMSDie Chartergesellschaft TAG-Aviation bietet da schon einiges mehr an Beinfreiheit...RMS... im Innern ihrer Gulfstream 550 lassen sich gut ein paar Stunden verbringen.RMSNoch luxuriöser eingerichtet ist diese Gulfstream V von 1997. Sie steht nach einer Renovation zum Verkauf.RMSProblematisch für Hersteller wie Gulfstream ist der Trend vom individuellen Charterflug oder firmeneigenen Jet zu kostensenkenden Varianten wie Leasing und Mitgliedschaftsmodell.RMSDabei existiert eine riesige Industrie von Zulieferern und Ausstattern für die Business-Fliegerei. In den Hallen der Palexpo drängen sich deshalb hunderte Firmen, die in der Branche tätig sind.RMSViele Flugzeughersteller haben begehbare 1:1-Modelle mitgebracht. So etwa Honda und ...RMS... Pilatus mit dem PC-24. Zwar ist das Orderbuch nach dem Verkaufserfolg der Schweizer im Moment zu. Doch schon in wenigen Jahren sollen wieder Bestellungen für den ersten Schweizer Businessjet entgegengenommen werden.RMSDassault zeigt kleine und grosse Modelle. Im Hintergrund ist ein 1:1-Modell des Falcon 5x zu sehen, der sich derzeit in Entwicklung befindet.RMSObwohl der französische Flieger erst 2017 ausgeliefert werden soll, gibt es bereits genaue Vorstellungen über die Kabinengestaltung.RMSViel Andrang herrscht beim Global 7000 von Bombardier. Das neue Geschäftsreiseflugzeug mit interkontinentaler Reichweite soll ab 2016 wichtige und reiche Leute transportieren.RMSIm Innern geht es nach Vorstellung von Bombardier äusserst luxuriös zu und her.RMSDas Flugzeug ist in verschiedene Räume unterteilt. Es gibt ein Wohnzimmer, ein Ess- und sogar ein Schlafzimmer...RMS... selbst das WC sieht beim Global 7000 ziemlich teuer aus.RMSDer amerikanische Hersteller Bell zeigt einen Helikopter für Geschäftsreisende...RMS... dieser kann aber platzmässig nicht mit einem Flugzeug mithalten.RMSAndere Firmen haben sich auf Zubehör spezialisiert. So zum Beispiel Flughafenfahrzeuge...RMS... oder Trainingsequipement und Cockpit-Technologie wie hier bei Garmin.RMSSafran ist nach Rolls-Royce Europas zweitgrösster Hersteller von Strahltriebwerken.RMSWeitere Firmen widmen sich der (luxuriösen) Innenaustattung. Zu den führenden Unternehmen gehört Boutsen Design. Die Firma bietet in Zusammenarbeit mit 140 Luxusmarken individuelle Einrichtungen für Flugzeuge und Jachten.RMSKonzept eines Flugzeug-Innenraums von Aeria.RMSMit der Ebace steht Genf jährlich für einige Tage im Fokus der gesamten Branche und ihrer ultrareichen Kunden. Obwohl immer wieder andere Standorte zur Diskussion stehen, wollen die Verantwortlichen auch in Zukunft an der Palexpo festhalten. Bilder: Keystone/Gabriel KnupferRMS
Die Geschäftsfliegerei steckt in schwierigen Zeiten. Erst letzte Woche teilte Bombardier mit, in der Flugzeugsparte weitere 1750 Stellen zu streichen. Dies nachdem der kanadische Industriekonzern schon Anfang Jahr 1000 Beschäftigte entlassen hatte. Damals stoppte Bombardier die Entwicklung des Learjet 85, nun soll die Produktion der Modelle Global 5000 und Global 6000 zurückgefahren werden.
Zu schaffen macht Bombardier die schwächelnde Nachfrage nach Firmenjets. Selbst in ehemaligen Topmärkten wie China und Russland wird gespart. Problematisch für die Hersteller ist auch der Trend vom firmeneigenen Jet zu billigeren Varianten wie Leasing und Mitgliedschaftsmodellen.
500 Aussteller auf 40'000 Quadratmetern
An der diesjährigen Ebace ist von den Problemen der Branche indes wenig zu spüren. Die grösste Messe für Business-Fliegerei in Europa wartet auch bei ihrer 15 Austragung mit einem riesigen Angebot auf. Rund 500 Aussteller präsentieren auf 40'000 Quadratmeter an der Palexpo in Genf alles was mit Business-Fliegerei zu tun hat. 13'000 Besucher erwarten die Veranstalter in den drei Tagen vom 19. bis 21. Mai.
Besonders spektakulär kommt auch 2015 das sogenannte Static Display auf dem Vorfeld des Genfer Flughafens daher. Mit mehr als 50 aktuellen Flugzeugen werben Hersteller und Business-Fluggesellschaften für ihre Produkte. Vom Boeing Business Jet in der Grösse eines Linienflugzeugs bis zum neuen 13-Meter-Zwerg von Honda gibt es alles zu sehen, was die Industrie zu bieten hat.
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Verkäufe nahezu halbiert
Doch der Konkurrenzkampf um die verbleibenden Kunden ist hart. Nach Angaben des Branchenverbandes General Aviation Manufacturers Association (Gama) lag die Zahl der verkauften Geschäfts- und Privatjets 2014 bei rund 700 Stück. Zum Vergleich: Im Spitzenjahr 2008 waren noch über 1200 dieser Flugzeuge verkauft worden.
Umso glücklicher kann sich vor diesem Hintergrund Pilatus schätzen. Im letzten Jahr konnte der Nidwalder Flugzeugbauer an der Ebace 84 Exemplare des neuen Businessjet PC-24 absetzen. Und dies noch bevor der erste Prototyp den Hangar verlassen hatte. Die gesamte Produktion des Flugzeugs bis 2019 ist damit bereits seit einem Jahr ausverkauft.
Ein Pilatus-Unikat von Hans Erni
An der Ebace 2015 nimmt Pilatus deshalb trotz erfolgreichem Erstflug keine Bestellungen für den PC-24 entgegen. Die Orderbücher für die Jahre ab 2020 will Pilatus erst im nächsten oder übernächsten Jahr wieder öffnen. Verkauft wird dafür weiterhin PC-12. Das taugt zwar auch als Geschäftsmaschine und ist daneben auch in verschiedensten Situationen einsetzbar, etwa als Fracht- oder Ambulanzflugzeug.
Passend zu dieser Rolle als Arbeitspferd wird an der Ebace eine vom kürzlich verstorbenen Künstler Hans Erni gestaltete Sonderlackierung gezeigt. Der Flieger zum 75-jährigen Jubiläum der Pilatus Werke zeigt Pferdemotive. Er soll ein Unikat bleiben.