Es ist Apples absehbar grösstes Projekt in Europa: 1.7 Milliarden Euro will der Tech-Gigant in zwei Rechenzentren investieren. Von dort wird Apple künftig seine Cloud-Dienste in den europäischen Ländern betreiben, «Hunderte» Arbeitsplätze entstehen, wie Firmenchef Tim Cook sagt. Das Besondere: Die Datenspeicher werden vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben.
Den wichtigen Eckdaten nach zu urteilen, wäre die Eidgenossenschaft geradezu prädestiniert gewesen für die Grossinvestition. Ein solches Projekt hierzulande «wäre natürlich interessant gewesen«, sagt Franz Grüter, Geschäftsleiter des führenden Schweizer Daten-Dienstleisters Green.ch. Und bestätigt:«Klar, die Investitionen von Apple sind ein Riesendeal, davon werden jetzt alle sprechen.»
Milliardeninvestitionen an der Schweiz vorbei
Doch die Datenspeicher von Apple entstehen nicht hier, der Konzern baut sie in Irland und in Dänemark. Warum ging die Milliardeninvestition an der Schweiz vorbei?
Die Rahmenbedingungen in der Schweiz wären gut: Rechenzentren boomen hierzulande, vor allem dank ausländischer Auftraggeber. Auch der Strommix ist vergleichsweise sauber – mit einem hohen Anteil an Wasserkraft – und bezahlbar. Das haben seit der ersten umfassenden Erhebung im Jahr 2012 zum «Datentresor Schweiz» mehrere Studien bestätigt.
Rechenzentren-Dichte nur in Irland höher
Die Rechenzentren-Dichte ist in Europa nur noch in Irland höher, berichtet etwa das Marktforschungsinstitut Broadgroup. In absoluten Zahlen liegt die Schweiz 2013 auf Platz sechs, mit einer Fläche von rund 235'000 Quadratmetern. Das entspricht einer Grösse von rund 33 Fussballfeldern. Gut 150'000 Quadratmeter entfallen auf Drittanbieter, also Unternehmen, die mit der Datenspeicherung von Kunden ihr Geld verdienen.
Und der Bedarf wächst drastisch, das Datenvolumen verdoppelt sich weltweit alle zwei Jahre. E-Mails, Bankdaten, Firmenkennzahlen – in der Cloud lagern Konsumenten und Unternehmen zunehmend ihre wichtigsten und sensibelsten Informationen.
US-Konzerne legen Datenspeicher in Europa an
Dazu kommt, dass nach der Snowden-Affäre viele gewichtige US-Konzerne auch Datenspeicher in Europa anlegen. Microsoft, Google und Amazon haben es vorgemacht, Apple zieht jetzt nach. Google und Amazon wollen ausbauen. Nur hat die Schweiz hier den Anschluss verpasst: Alle Tech-Giganten bauen in anderen Ländern. IBM und Hewlett-Packard (HP) unterhalten hierzulande allerdings jeweils drei Rechenzentren, HP eröffnet Ende 2015 ein viertes.
Investitionen in diesen Bereich sind für die Schweiz wichtig, denn sie haben Einfluss auf die Gesamtwirtschaft, erläutert Institut für Wirtschaftsstudien (IWSB) in Basel, das die Datentresor-Studien durchführte.
Zum einen sind Rechenzentren kostspielig und oft mit hohen Investitionen verbunden. Die komplexe Errichtung schafft viele temporäre Arbeitsplätze und einige dauerhafte für Hochqualifizierte, so das IWSB. Datenspeicher sind Langfristprojekte und mindestens auf zehn bis 15 Jahre angelegt. Eine positive Wechselwirkung mit der Ansiedlung von Firmen-Standorten sei ausserdem zu beobachten.
«Das neue Gold der Schweiz»
Branchenkenner erhoffen sich von der Datenspeicherung so viel, dass sie vom «neuen Gold der Schweiz sprechen» und davon träumen, dass die Schweiz eines Tages nicht mehr als Finanzplatz internationalen Ruf geniesst, sondern als modernster Datentresor.
Um Apple zu überzeugen, hat es vorerst allerdings nicht gereicht. Der Konzern hat hierzulande 500 Mitarbeiter, in Irland 4100. Eines ist sicher: Während in Irland und Dänemark Hunderte Jobs entstehen, ist Apple hierzulande mit keinem einzigen Angestellten in Rechenzentren engagiert.
Dänemark konnte punkten
Der Standort Irland mag dabei für den US-Konzern konkurrenzlos gewesen sein: Apple hat dort seine Europazentrale, ausserdem ist das Land als Datenstandort führend. Mit Dänemark dagegen sollte die Schweiz mithalten können – in Sachen Standortattraktivität rangiert das Land deutlich weiter hinten. Der Data Center Risk Index sieht die Schweiz im Jahr 2013 weltweit auf Platz 11, Dänemark schafft es nicht unter die ausgewiesenen Top 30. Der Index bewertet die Standortattraktivität für Rechenzentren.
Dennoch punktete Dänemark. «Zum einen liegt das Land klimatisch günstig, es ist im Sommer zum Beispiel kühler dort als in der Schweiz, was den Stromverbrauch für die Kühlung senkt», erläutert Christian Grasser, Geschäftsführer des Schweizer Telekommunikationsverbandes Asut. Die Kühlung ist eine der grössten Herausforderungen beim Betrieb eines Rechenzentrums. Darüber hinaus liegt der Standort in Viborg in Dänemark «günstig, weil das Rechenzentrum direkt an ein Fernwärmenetz angeschlossen werden kann», so Grasser. «Insgesamt wäre es in der Schweiz eventuell schwierig geworden, vergleichbare Rahmenbedingungen zu finden.»
Aktuelle Belastungen für den Standort Schweiz
Zumal der Standort Schweiz aktuell von weiteren Faktoren belastet wird. Wie das Bankenwesen lebt auch das Geschäft mit den Daten in hohem Masse von Vertrauen und macht Zuverlässigkeit über lange Zeiträume nötig. In der ersten Schweizer Branchenstudie von 2012 wurde dieser Punkt noch deutlich als Standortvorteil herausgestrichen. Doch heute sieht es anders aus: mit der Masseneinwanderungsinitiative steht die Zukunft der Bilateralen in den Sternen, die abrupte Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses sorgt für neue erhebliche Unsicherheiten.
Zwei weitere Rahmenbedingungen fallen ebenfalls ins Gewicht. Wenn die Energiestrategie 2050 umgesetzt werde, bedeutet das den graduellen Ausstieg aus der Kernkraft, sagt Green.ch-Chef Grüter. Er fürchtet im Zuge dessen steigende Energiepreise. «Das wäre der absolute Killer für die Branche.»
«Staatliche Überwachung darf nicht ausgeweitet werden
Ausserdem ist die Schweiz auf dem Weg, ihr restriktives Datenschutzgesetz aufzuweichen, das bislang ebenfalls als wichtiges Plus für die Ansiedlung von Rechenzentren gilt. Im Frühjahr will der Ständerat sich mit dem Vorhaben befassen, ob die Vorratsdatenspeicherung von sechs auf zwölf Monaten ausgeweitet werden soll. Für Unternehmen bedeutete eine längere Laufzeit nicht nur höhere Kosten, sondern ein grösseres Sicherheitsrisiko.
Das wäre eine Zumutung für Unternehmen, die etwa Mailserver in der Schweiz halten wollen, sagt Grüter, der als Präsident der SVP Luzern derzeit für den Kantonsrat kandidiert. Für diesen Fall läge eine Gegen-Initiative schon in der Schublade. Er sagt: «Die staatliche Überwachung darf nicht ausgeweitet werden.»
Grüter ist an sich von der Schweiz als prosperierendem Standort für Rechenzentren überzeugt. Doch er sagt: «Wenn diese Rahmenbedingungen verändert werden, belastet es das Wachstum des Datenstandortes in der Schweiz.» Ob Apple letztlich über das Vorhaben auch mit der Schweiz gesprochen hat, ist nicht bekannt – aber vor allem die Vergabe nach Dänemark ist ein Signal, wie schnell der Druck im internationalen Wettbewerb steigt.
Auch 2015 wird Apple wieder viele Neuheiten vorstellen. Den Informationen eines Analysten zufolge möchten die Kalifornier das Kleinformat in die 6er-Serie zurückbringen. Das iPhone 6s Mini soll so gross sein wie das iPhone 5s (ganz links im Bild). RMS Mit den neuen iPhones wird Apple natürlich auch ein neues mobiles Betriebssystem vorstellen: das iOS 9. RMS Apple überarbeitet 2015 aber nicht nur seine Smartphones. Gespannt warten Fans auf die Smartwatch der Kalifornier. Die Apple Watch soll im Frühling in den Verkauf gehen. Das Äussere der Uhr ist bekannt. Über das Innenleben gibt es allerdings bis jetzt nur spärliche Informationen. RMS Mit der Apple Watch kommt auch ein neues Betriebssystem. Es wird sich nicht nur durch seine Punkte-Anordnung grundsätzlich vom iOS für das iPhone und das iPad unterscheiden. RMS In der Technologie-Szene rechnet man 2015 ebenfalls mit einem Mega-iPad. Laut «Business Insider» wird das Gerät bereits «iPad Pro» oder «iPad Plus» genannt. RMS Die nächste Neuheit: Apple wird im nächsten Jahr sein Nachfolge-Modell des iPad Air 2 vorstellen: Das iPad Air 3. RMS Das iPhone 7 könnte nächstes Jahr noch auf sich warten lassen. Mit einem komplett neuen Design wird nämlich nicht gerechnet. Das hat schon das iPhone 6 erhalten. Daher könnte erst einmal das schnellere iPhone 6S mit vielen neuen Funktionen auf dem Markt kommen. EIn Designer hat sich mal überlegt, was möglich wäre... RMS So könnte das nächste iPhone aussehen: Designer Martin Hajek hat zwei Entwürfe gemacht – links ein Smartphone mit abgerundeten Kanten, rechts ein randloses Display. In der Mitte zum Vergleich das derzeitige iPhone 6.
Bilder: Martin Hajek, mit freundlicher Genehmigung. Kontakt: www.martinhajek.com Twitter: @deplaatjesmaker RMS Der Lautsprecher ist bei der grössten Display-Version von Martin Hajek nach oben gerückt. Er hätte unten keinen Platz mehr. RMS Das Display muss ein Loch haben, um Platz für die Home-Taste zu schaffen. Das sind natürlich nur Gedankenspielereien, die zeigen, was denkbar wäre. RMS Das iPad Mini 4 soll laut «Business Insider» im Herbst auf den Markt kommen. Was wird anders sein? Klar: Es soll schneller sein und eine bessere Kamera haben. RMS Der kalifornische Nationalpark Yosemite ist der Namensgeber für das aktuelle Mac-Betriebssystem OS X. Schon der Vorgänger Mavericks war nach einem bekannten Surf-Spot in Kalifornien benannt. Auch 2015 wird Apple ein neues Betriebssystem vorstellen. Vielleicht ist es wieder nach einer Region im US-Sonnenstaat benannt. RMS Apple dürfte ein dünneres Macbook Pro präsentieren. Laut «Business Insider» wird es ähnlich wie ein Macbook Air aussehen, aber deutlich mehr Leistung haben. RMS Auch das Macbook Air dürfte ein Update erhalten und den superscharfen Retina-Bildschirm verpasst bekommen. RMS Schon in diesem Jahr hat der 27-Zoll iMac einen stark verbesserten Bildschirm erhalten. Nächstes Jahr ist der kleinere Bruder mit 21,5-Zoll an der Reihe: Auch er soll einen Retina-Display erhalten. RMS Ein dringendes Update hat das Film-Kistchen Apple TV nötig. Zum letzten Mal wurde es 2012 aufgefrischt. Im nächsten Jahr ist eine Überarbeitung daher überfällig. RMS Mit Homekit als Bestandteil von iOS 8 hat Apple bereits ein eigenes System für das vernetzte Zuhause vorgestellt. Über WiFi lässt sich mit dem iPhone oder iPad etwa die Heizung regulieren oder die Türe schliessen. Doch das ist erst der Anfang. Für Apples Homekit wird 2015 ein wichtiges Jahr werden. RMS In diesem Jahr hat Apple sein System für kontaktloses Bezahlen eingeführt. In den USA ist Apple Pay mit mässigem Erfolg gestartet. Auch im neuen Jahr wird das System ausgebaut werden. Auch immer mehr Apps dürften Apple Pay berücksichtigen. RMS Mit dem milliardenschweren Kauf des US-Kopfhörerherstellers Beats hat sich Apple in diesem Jahr bereit gemacht, für eine grundsätzliche Überarbeitung seines Musik- und Film-Programms iTunes. Zum einen könnte der Streaming-Dienst Beats Musik integriert werden. Zum anderen könnte das Wissen der Beats-Chefs Dr. Dre und Jimmy Iovine für die dringende Auffrischung der mittlerweile etwas in die Jahre gekommene iTunes-Software sorgen. RMS