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Die heissen Investments der Nobel-Stiftung

Um das Preisgeld jedes Jahr an die Nobelpreisträger ausschütten zu können, versucht die Stiftung das von Alfred Nobel hinterlassene Vermögen zu mehren - indem sie mit Hedge Funds und Aktien spekuliert

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Nobelpreiskomitee: Nobels Nachlassverwalter agieren immer risikanter. RMS

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Zum Ruhm kommt eine Stange Geld. Die diesjährigen Nobelpreisträger können sich über 898'000 Franken pro Kategorie freuen. Um das Preisgeld jedes Jahr ausschütten zu können, versucht ein kleines Team, das von Alfred Nobel hinterlassene Vermögen zu erhalten oder gar zu mehren. Um die Kosten von 3 Prozent zu verdienen, wird derzeit eine jährliche Rendite von 3,5 Prozent anvisiert.

Immer risikoreichere Anlageklassen

Angesichts der weltweit grassierenden Negativzinsen wird das zum immer grösseren Problem. Wie viele Pensionskassen werden auch Nobels Nachlassverwalter in immer risikoreichere Anlageklassen gedrängt. Der Anteil der Anleihen sinkt, die im herkömmlichen Verständnis riskanteren Aktien und alternativen Anlagen gewinnen im Nobel-Depot an Bedeutung.
So sind 40,7 Prozent des Stiftungsvermögens in acht Hedge Funds investiert – zum Vorjahr ein siebenprozentiger Zuwachs. 44 Prozent der Gelder versucht die Stiftung auf den Aktienmärkten zu mehren. Alfred Nobel hat testamentarisch eine defensive Anlage gefordert. Bereits 2012 verlief enttäuschend: Wegen Kursverlusten senkte die Stiftung das Preisgeld erstmals seit 1949.
Sehen Sie in der Bildergalerie, welche Ökonomen in den letzten Jahren den Wirtschafstnobelpreis bekamen:

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Richard H. Thaler: Thaler ist ein US-Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Universität von Chicago. Der Preisträger von 2017 gilt als einer der führenden Verhaltensökonomen und beriet unter anderem Ex-US-Präsident Barack Obama.
Angus Deaton: Der Professor an der Universität Princeton gewann den Nobelpreis 2015. Seine Analyse von Konsum, Armut und Sozialstaat brachte ihm die höchsten Ehren ein.
Jean Tirole: Der 61-Jährige unterrichtet in Toulouse und forscht zur Entstehung von Monopolen und Marktmacht. Er gewann den Nobelpreis 2014. Seine Handlungsempfehlungen beeinflussen die Politik beim Thema Regulierung.
2013 erhielten die US-Professoren Eugene Fama, Lars Hansen und Robert Shiller den begehrten «alternativen» Nobelpreis für Wirtschaft für ihre Arbeiten über Preisbildung. «Alternativ» deshalb, weil Alfred Nobel ursprünglich gar keine Ehrung für Ökonomen vorsah.
2012 waren die Gewinner Lloyd Shapley (l.) und Alvin Roth den begehrten «alternativen» Nobelpreis für Wirtschaft. Die beiden US-Wissenschaftler erhielten die Auszeichnung für ihre Forschung im Bereich der Allokationstheorie. Praktisch angewendet werden ihre Ergebnisse unter anderem in der Medizin, bei der Zuteilung von Transplantationsorganen.
2011 erhielten Christopher Sims und Thomas Sargent den Preis. Die Amerikaner entwickelten verschiedene Werkzeuge der Makroökonomie, welche weltweite Zusammenhänge beschreiben. Kritisiert wurde die Vergabe, weil die beiden Ökonomen jahrzehntelang mit dem Konstrukt des rational handelnden Wirtschaftsakteurs arbeiteten.
2010 wurden Peter Diamond, Dale Mortensen und Christopher Pissarides (v.l.n.r.) für ihre Forschungen zu Friktionen, vor allem auf Arbeitsmärkten geehrt. Friktion bezeichnet dabei das Auftreten von Hindernissen, welche Transaktionen verteuern.
2009 wurden Oliver Williamson und Elinor Ostrom mit dem Nobelpreis geehrt. Die im Sommer 2012 verstorbene Ostrom beschäftigte sich mit der Ökonomie gemeinsam genutzter Güter wie Fischgründen, im Fachjargon Allmendegüter genannt. Sie war die einzige Frau, die den Preis bislang erhielt.
Einer der umstrittensten Preisträger ist Paul Krugman. Der Princeton-Professor bekam den Preis 2008. Bekannt wurde er einem breiten Publikum für seine Kolumne in der New York Times, in der er sich als lupenreiner Demokrat outet.
Roger B. Myerson (USA), Eric S. Maskin (USA) und Leonid Hurwicz (USA; v.l.n.r.) bekamen im Jahr 2007 für ihre Arbeiten über die Grundlagen der «Mechanischen Designtheorie» den Nobelpreis.
Der an der Columbia University unterrichtende Edmund Phelps wurde 2006 geehrt. Er untersuchte die Zielkonflikte von Wirtschaftsakteuren bei Entscheidungen über verschiedene Zeiträume.
Einer der prominentesten Nobelpreisträger ist Joseph Stiglitz. Er erhielt die Ehrung 2001 für seine Arbeiten zum Verhältnis von Märkten und Informationen. In dem Jahr wurde er gemeinsam mit...
... George Akerlof, dem Ehemann der seit Februar 2014 amtierenden Fed-Chefin Janet Yellen, und...
... Michael Spence (Mitte) geehrt.
Der Kanadier Robert Mundell erhielt den Nobelpreis im Jahr 1999 für seine Arbeiten zur Theorie der optimalen Währungsräume, die er bereits in den frühen 1960er Jahren begann.  Bilder: Keystone/Bloomberg
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RMS
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