Die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica steht im Zentrum der neuen Facebook-Datenaffรคre. Die Firma soll die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern genutzt haben, um 2016 den US-Wahlkampf von Donald Trump zu unterstรผtzen. Deshalb sollen nun die Bรผrorรคume von Cambridge Analytica in London durchsucht werden. Auch Facebook kรผndigte eine รberprรผfung an. Im Folgenden einige Informationen zu dem Unternehmen:
Welchen Ursprung hat die Firma?
Cambridge Analytica ist ein Ableger der SCL Group, die sowohl Auftrรคge von der Regierung als auch dem Militรคr annimmt und von sich selbst sagt, von der Forschung zur Lebensmittelsicherheit bis zu politischen Kampagnen alles anzubieten. Cambridge Analytica wurde der ยซNew York Timesยป zufolge vor etwa fรผnf Jahren gegrรผndet und konzentrierte sich zunรคchst auf US-Wahlen. Der republikanische Milliardรคr Robert Mercer stellte demnach 15 Millionen Dollar bereit, der Name sei durch den spรคteren Trump-Berater Steve Bannon gewรคhlt worden. Bevor die Firma Trump im Wahlkampf unterstรผtzte, soll sie der Zeitung zufolge dem republikanischen Senator Ted Cruz geholfen haben.
Was macht die Firma?
Cambridge Analytica wirbt damit, fรผr Kunden aus Politik und Wirtschaft Verbraucherstudien zu erstellen sowie personalisierte Werbung und andere datenbezogene Dienstleistungen anzubieten. Auf der Internetseite werden als Beispiele fรผr Auftraggeber eine Tageszeitung genannt, die mehr รผber ihre Abonnenten wissen mรถchte, sowie ein US-Autoversicherer, der sich selbst besser vermarkten will. Als Standorte sind Bรผros in New York, Washington, London, Brasilien und Malaysia aufgefรผhrt.
Was wird der Firma vorgeworfen?
Die ยซNew York Timesยป und der britische ยซObserverยป berichteten am Wochenende, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern angezapft haben soll. Dabei seien sowohl die Nutzer als auch Facebook betrogen worden. Den Zeitungen zufolge wurden die Informationen durch eine von dem britischen Wissenschaftler Aleksandr Kogan entwickelte Anwendung abgegriffen. Etwa 270'000 Menschen haben die Anwendung laut Facebook runtergeladen, die dann sowohl auf ihre Daten als auch die ihrer Freunde Zugriff hatte. Kogan gab die Informationen dann an Cambridge Analytica weiter, wie sowohl die Firma als auch Facebook mitteilten. Kogan konnte nicht zu einer Stellungnahme erreicht werden.
Cambridge Analytica hatte nach eigenen Angaben zunรคchst nichts von einem Verstoss gegen Facebooks Bestimmungen gewusst. Als die Firma dies 2015 entdeckt habe, seien die Daten gelรถscht worden. Dagegen berichteten die beiden Zeitungen, die Informationen seien nicht entfernt worden. Facebook รผberprรผft nun die Beschuldigungen.
Was passiert als nรคchstes?
Facebook hat externe Prรผfer damit beauftragt, den Vorwรผrfen nachzugehen. Zugleich teilte das soziale Netzwerk mit, sowohl Cambridge Analytica, als auch die Muttergesellschaft SCL, Kogan sowie einen weiteren ehemaligen Mitarbeiter von Cambridge Analytica wegen des Verstosses gegen Unternehmensregeln von der Plattform verbannt zu haben. Mรถglicherweise muss Facebook mit der Untersuchung bis zum Ende der Ermittlungen der Regierungsbehรถrden warten. Die britische Datenschutzbehรถrde plant eine Durchsuchung der Bรผrorรคume und hat Facebook aufgefordert, solange abzuwarten. Generalstaatsanwรคlte aus den US-Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut ermitteln mittlerweile, wie mit den Facebook-Daten umgegangen wurde. Auch das Bรผro des Generalstaatsanwalts in Kalifornien, dem Unternehmenssitz von Facebook, hat Bedenken geรคussert.