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Streaming

Die Dominanz von Netflix neigt sich dem Ende

Netflix hat weniger Neukunden dazu gewonnen als erwartet. Denn der Branchenleader hat ein Problem: Er ist nicht mehr alleine.

David Torcasso

Stranger Than Things
Szene aus der Netflix-Serie Β«Stranger than ThingsΒ»: Der Abonnenten-Zuwachs viel beim Streaming-Dienst bescheiden aus. zvg

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Streaming ist im Trend und erfreut sich steigender Beliebheit: Beim Fernsehen werden immer hΓ€ufiger Streaming-Plattformen genutzt – und weniger TV-KanΓ€le. In den USA dΓΌrfte dieser Trend laut dem Marktforschungsinstitut Β«eMarketerΒ» weiter zunehmen – und bis in zwei Jahren einen Anteil von 35 Prozent am gesamten Konsum ausmachen. Zu verdanken ist diese Entwicklung auch dem amerikanischen Streaming-Pionier Netflix.
Angefangen in den USA, der Heimat von Netflix, hat sich das Unternehmen inzwischen auf der ganzen Welt ausgebreitet. Der Streaming-Gigant ist in allen LΓ€ndern der Welt erreichbar, ausser in China. Der Traffic, der beim Streaming von Netflix-Inhalten erzeugt wird, macht inzwischen unglaubliche 15 Prozent der gesamten Internet-Datennutzung aus. Der Trend spricht also fΓΌr Netflix.

Preise gehen rauf

Trotzdem hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Los Gatos gestern fΓΌr EnttΓ€uschung gesorgt. Netflix meldete, im zweiten Quartal weniger Neukunden gewonnen zu haben als erwartet. Das rΓΌhre vor allem daher, dass Netflix nach seinen Lockangeboten nun die Preise in einigen MΓ€rkten erhΓΆht habe. Die Schweizer zahlen weltweit fast am meisten fΓΌr Netflix.
Die Aktien brachen nachbΓΆrslich um mehr als 10 Prozent ein. Auch die Steigerung des Umsatzes um 26 Prozent konnte die Anleger nicht milde stimmen.

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Krieg der Streamingdienste

Sie sorgten sich aber nicht primΓ€r wegen der AbsΓ€tze, sondern wegen eines anderen dΓΌsteren Zukunftsszenarios, das Netflix droht: Der Branchenleader ist nΓ€mlich nicht mehr alleine.
Google-Tochter Youtube hat alleine in den USA ΓΌber 200 Millionen Nutzer und bietet inzwischen ebenfalls einen Bezahl-Streaming an. Amazons Dienst Β«PrimeΒ» behauptet, weltweit rund 100 Millionen Abonnenten zu haben. Und auch Disney kΓΌndigte im November einen eigenen Streaming-Service an, der mit rund 7 Dollar wesentlich gΓΌnstiger sein soll als Netflix. Dort kostet das Abo knapp 13 Dollar.
SpΓ€testens seit dem Einstieg von Disney ins Streaming-GeschΓ€ft lΓ€uten die Alarmglocken bei den Netflix-Anlegern. Der Mickey-Mouse-Konzern hat eine bemerkenswerte Sammlung von Inhalten, die er jetzt auf dem eigenen Kanal spielt und damit logischerweise Netflix nicht mehr zur VerfΓΌgung stehen. Und auch der amerikanische Sender HBO hat mit seinem Β«HBO MaxΒ» einige Asse gegen Netflix im Γ„rmel. Schliesslich gibt es dort Megaseller wie Β«Games of ThronesΒ» oder Β«Harry PotterΒ» zu sehen.
Orange is the new black
zvg
Orange is the new black
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Um in diesem erbitterten Konkurrenzkampf bestehen zu kΓΆnnen, braucht Netflix attraktive Inhalte. Dieses Jahr mΓΆchte das Unternehmen mit dem roten Logo rund 15 Milliarden Dollar in eigene Serien hineinbuttern. So viel wie kein anderes Medienunternehmen auf der Welt. Das ist bitter nΓΆtig, denn Netflix rinnen die Inhalt buchstΓ€blich durch die Finger.
Die grossen Produktions-Studios in den USA entziehen Netflix ihre Serien und Filme reihenweise. Das sind beisielsweise die All-Time-Klassiker Β«FriendsΒ» oder Β«The OfficeΒ», die ATT gehΓΆren und jetzt auf deren Plattformen zu sehen sind.
Am meisten schmerzt aber der Einzug von Disney ins Streaming-Business. Disney besitzt die Rechte an Filmen wie Β«Star WarsΒ» und ist beteiligt an den drei erfolgreichsten Kinofilmen im vergangenen Jahr.
Wer glaubt, Netflix habe selber genug attraktive Inhalte, der wird eines Besseren belehrt: Selbst die als Β«Netflix OriginalsΒ» bezeichneten Produktionen gehΓΆren nicht dem Unternehmen; die Lizenzrechte sind einer anderen Firma angeschlossen.

GeschΓ€ftsmodell wankt

Netflix hat rund 150 Millionen Abonnenten – mehr als alle anderen. Aber die Konkurrenz ist definitiv aufgewacht und hat die Netflix-Anleger aufgeschreckt. Netflix galt als Shootingstar der BΓΆrse, die Aktie hat in den letzten zehn Jahren um 8500 Prozent zugelegt.

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Kein Wunder: Netflix fuhr die im Silicon Valley so weit verbreitete Strategie des Β«the winner takes it allΒ». Vor zehn Jahren konnte sich Netflix nahezu ungestΓΆrt von den grossen Medienunternehmen der Welt bedienen. Das Unternehmen schloss VertrΓ€ge mit Disney und anderen grossen Studios ab und gelang so gegen eine bescheidene GebΓΌhr an Inhalte, die es beliebig ausstrahlen konnte. Jetzt werden aber die VertrΓ€ge mit Netflix aufgelΓΆst. Die Dominanz von Netflix im Streaming-GeschΓ€ft ist vorbei.

Die Netflix-Aktie braucht neue Erfolge

Manche Analysten halten den Erfolg von Netflix fΓΌr Β«unaufhaltsamΒ». Doch der Streamingdienst muss sich das eine oder andere einfallen lassen, um auch an der BΓΆrse weiterhin punkten zu kΓΆnnen. Mehr dazu lesen Sie hier bei cash.ch

Netflix-Wert sinkt

Noch weist Netflix einen Marktkapitalisierung von rund 160 Milliarden Dollar auf und liegt damit auf Platz 30 bei den grΓΆssten amerikanischen Unternehmen, die kotiert sind.
Doch ohne attraktive Inhalte sind diese Zahlen Makulatur. Abonnenten werden ihr Abonement nicht mehr erneuern oder zur Konkurrenz wechseln, wenn sie ihre Lieblingsserie nicht mehr vorfinden. Ein Szenario, das ein Nutzer mehrere Streamingdienste abonniert ist zwar mΓΆglich, aber auch mit dem Β«Entertainment-BudgetΒ» einer Person verbunden.

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Doch selbst wenn es Netflix gelingt, auch in Zukunft Serien und Filme zu produzieren, die sich grosser Beliebtheit erfreuen, ist der Wert des Unternehmens ΓΌberrissen, schreibt Stephan McBride im amerikanischen Β«ForbesΒ». Ohne die grossen Filmklassiker und die All-time-Favorite-Serien bΓΌsst Netflix an Wert ein. Die Filme und Serien, die Netflix anbietet oder angeboten hat, sind selbst Millionen Wert.
McBride schΓ€tzt, dass selbst bei einem Β«Best-Case-SzenarioΒ» Netflix nur noch auf einen Wert von 100 Milliarden Dollar kommen wird. Dann wΓΌrde der Kurs 225 Dollar pro StΓΌck betragen, rechnet er vor. Das wΓ€re 40 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Er warnt die Anleger: Durch die steigende Konkurrenz und den Verlust von Inhalten kΓΆnnte sich die Aktie in den nΓ€chsten ein bis zwei Jahren halbieren.

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