Abo
Nachrichten

Das Erfolgsrezept des chinesischen Whatsapp

Im Bezug auf die Nutzer liegt Whatsapp klar vorne. Dennoch schauen die Amerikaner zum chinesischen Konkurrenten WeChat auf, denn deren App kann entscheidend mehr. Was macht den Erfolg mΓΆglich?

Gabriel Knupfer

wechat.jpg
WeChat: Mit der chinesischen App lΓ€sst sich neben Nachrichten auch Geld verschicken.Β Β Picasa RMS

Werbung

Als der chinesische Internetgigant Tencent 2011 seine Chat-App fΓΌrs Smartphone startete, gab es den amerikanischen Konkurrenten Whatsapp schon seit zwei Jahren. Seither hat WeChat eine rasante Aufholjagd hingelegt. Auch dank der geschΓΌtzten Stellung in China kommt der Dienst inzwischen auf 650 Millionen aktive Nutzer. Neben Kurznachrichten verschicken User heute mit WeChat nicht nur Audionachrichten, Bilder und Videos, sondern auch Geld.
Damit hat Tencent etwas erreicht, was Facebook weder mit Whatsapp noch mit dem hauseigenen Messenger geschafft hat. Die EinfΓΌhrung der WeChat-Bezahlfunktion 2013 habe die App fΓΌr Millionen Chinesen zum Zentrum ihrer gesamten OnlineaktivitΓ€ten gemacht, schreibt das Β«Wall Street JournalΒ». Egal ob fΓΌr den Einkauf, ein (Geld-)Geschenk an Freunde oder einen Arzttermin, WeChat ist Begleiter in allen Lebenslagen.

Wo Nutzer viel Zeit verbringen

Die erfolgreiche VerknΓΌpfung von Nachrichten mit Shopping und Dienstleistungen hat die US-Konkurrenz aufgescheucht. Β«Im Silicon Valley wird im Moment keine andere Technologie genauer untersucht und diskutiert als KurznachrichtendiensteΒ», bestΓ€tigt Jenny Lee von GGV Capital gegenΓΌber dem Β«Wall Street JournalΒ». Die Dienste sind aus Analystensicht ideale Zentren fΓΌr andere Angebote, weil ein grosser Teil der Nutzer viel Zeit mit ihnen verbringt.

Partner-Inhalte

Weltweit fΓΌhrend in der Branche ist Facebook. Der Social-Media-Gigant besitzt mit Whatsapp und dem eigenen Messenger die beiden beliebtesten Dienste mit 900 Millionen respektive 700 Millionen regelmΓ€ssigen Nutzern. Kein Wunder, dass sich die Amerikaner nach eigenen Angaben WeChat genau ansehen und ein Γ€hnliches System kreieren wollen, indem die Nutzer die eigenen Dienste nicht mehr verlassen mΓΌssen. Ob aber in den USA und in Europa auch die kulturellen Voraussetzungen dafΓΌr gegeben sind, ist eine andere Frage.

Unterschiedliche Voraussetzungen

In China hΓ€tten Messaging-Apps eine weit grΓΆssere Bedeutung als im Westen, wo die Dienste hauptsΓ€chlich als billige und leistungsfΓ€higere Alternative zum SMS genutzt werden, so das Β«Wall Street JournalΒ». Das hΓ€ngt einerseits damit zusammen, dass SMS in China nie dieselbe Bedeutung wie bei uns erlangt haben und sich deshalb auch die Messenger nicht als Konkurrenz zum alten System, sondern als etwas neues und eigenstΓ€ndiges entwickelt haben.
Die Mehrheit der Chinesen geht mit mobilen GerΓ€ten wie Smartphones ins Internet und nicht mit einem Computer. Zwar entwickelt sich die Tendez zum mobilen Internet auch im Westen, doch in China ist der Wechsel viel schneller und extremer erfolgt. Die Umstellung ging auch darum so rasch, weil die Preise fΓΌr traditionelle Kurznachrichten in China durchschnittlich um das 26-fache hΓΆher liegen als in den USA.

Werbung

Tradition findet Eingang ins Virtuelle

Dazu kommen noch weitere Eigenheiten Chinas, die sich nicht einfach ΓΌbertragen lassen: Einen riesigen Erfolg feiert WeChat beispielsweise mit den virtuellen Hong Bao – roten BriefumschlΓ€gen, in denen Geldgeschenke zum Geburtstag, zur Hochzeit oder zu chinesischen Festen ΓΌberreicht werden. Eine chinesische Tradition, die damit in das digitale Zeitalter ΓΌbersetzt wurde.
Diese BrΓ€uche lassen sich in den USA und Europa wohl kaum kopieren, dennoch arbeiten Facebook und Co. an der VerknΓΌpfung von Chat-Apps mit allerlei anderen Diensten. Uber hat beispielsweise erst im Dezember angekΓΌndigt, in den USA mit dem Facebook Messenger zusammenzuarbeiten. Die hartnΓ€ckigen BemΓΌhungen haben einen Grund: Das Potenzial der Nachrichtendienste ist gewaltig. Laut der Beratungsfirma Activate sind inzwischen rund 2,5 Milliarden Menschen bei mindestens einem Chat-Dienst registriert. Bis 2018 soll die Zahl der Nutzer auf 3,6 Milliarden steigen. Das wΓ€ren 90 Prozent der internetbefΓ€higten Menschen auf der Welt.
Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS fΓΌr Blick und die Handelszeitung, fΓΌr die er seit zehn Jahren arbeitet.

Werbung