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Rücktritt

Das Ende der Ära Sepp Blatter

Die Korruptionsaffäre hat Fifa-Chef Sepp Blatter zu Fall gebracht. Zuletzt kam die Affäre Blatter selbst immer näher. Nun soll auch das FBI ermitteln. Sponsoren bejubeln indes den Rücktritt.

Sepp Blatter (mitte) begann seine Karriere beim Weltfussballverband Fifa im Jahr 1975. Der studierte Betriebswirt und frühere PR-Chef der Uhrenfirma Longines wurde Direktor für Entwicklungsprogramme. Das Bild zeigt eine Delegation schweizerischer Fussballexperten.
Ab dann nahm Blatters Karriere seinen Lauf: 1981 wurde der Schweizer Generalsekretär der Fifa.
Krönung im Jahr 1998: In Paris wird Sepp Blatter zum Fifa-Präsidenten gewählt und tritt die Nachfolge des zurücktretenden FIFA-Präsidenten Joao Havelange an (re.). Er setzte sich gegen den UEFA-Präsidenten Lennart Johansson mit 111 zu 80 Stimmen durch. Bereits damals gab es Vorwürfe, dass die Wahl nicht ganz sauber verlaufen sei.
Bei der nächsten Präsidentschaftswahl im Jahr 2002 galt Blatter zunächst als Aussenseiter. Sein Konkurrent war der afrikanische Fußballboss Issa Hayatou. Wieder gewann am Ende der Schweizer, Hayatou hatte mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen.
Sepp_Blatter
Bei der Wahl im Jahr 2011 hiess sein schärfster Konkurrent Mohamed bin Hammam. Doch auch dieses Mal setzte sich Blatter mit 186 von 203 Stimmen durch. Sein Gegenkandidat Mohamed bin Hammam aus Katar zog seine Kandidatur kurz zuvor zurück. Mittlerweile ist er aus dem Fifa-Exekutivkomitee ausgeschlossen.
11.06. 2014: Joseph «Sepp» Blatter gibt im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Brasilien am Fifa-Kongress bekannt, dass er während einer fünften Amtszeit regieren will.
20.11.2014: Der Prüfungsbericht zur WM-Vergabe an Russland 2018 und Katar 2022 spaltet die Fifa. Vereinsboss Sepp Blatter will mit einer Strafanzeige bei den Mannen von Bundesanwalt Michael Lauber Licht ins Dunkel bringen. Kritiker bezeichnen die Anzeige als blosse Wahltaktik.
8.12.2014: Der von der Fifa eingesetzte Untersuchungsrichter Michael Garcia, der den Bericht verantwortete, tritt Knall auf Fall zurück. Er dementiert sogar seinen eigenen Report über die WM-Vergaben an Katar und Russland. Sepp Blatter berät sich in Marokko.
14.01.2015: Die Fifa bestellt zwei Gutachten, die Garcias Ermittlungsbericht zur WM-Vergabe an Russland und Katar prüften. Die Gutachter geben Entwarnung und geben zu bedenken, dass Russland und Katar klagen könnten, wenn ihnen die WM entzogen würde.
06.05.2015: Die deutsche TV-Anstalt ARD sendet eine Recherche zur Fifa und wirft dem Verband vor, es sei in Katar zu Millionen-Bestechung gekommen. Kronzeugin ist die Ex-Medienchefin der Bewerbung Katars, Phaedra Almajid.
25.05.2015: Fusballlegende und Uefa-Chef Michel Platini bezichtigt Blatter der Lüge und fordert ihn auf, zurückzutreten.
Kurz vor dem 65. Fifa-Kongress in Zürich findet Sepp Blatter nur lobende Worte für Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Die Russen hätten «Five Stars» verdient für ihre WM-Vorbereitung.
27.05.2015: Tatort Zürich: Hier im noblen Fünfsternhotel Baur au Lac erfolgt am frühen Morgen der Zugriff: Sechs männliche Fifa-Offizielle werden abgeführt, ein siebter von der Kantonspolizei im Laufe des Vormittags festgesetzt. Der Vorwurf: Verwicklung in Bestechungsdelikte. Die Festnahme erfolgt auf Antrag der US-Justiz. Am Fifa-Hauptsitz in Zürich konfisziert die Bundesanwaltschaft Dokumente und Dateien.
27.05.2015: 11 Uhr: Walter De Gregorios Auftritt. Der Medienchef der Fifa hält Blatter den Rücken frei - der Präsident zeigt sich nicht. De Gregorio meint, die Fifa sei froh um die Aktivitäten der US- und Schweizer-Justiz. Er wiederholt standhaft: «Blatter ist nicht involviert.»
27.05.2015 Loretta Lynch hält am Nachmittag in Washington Hof. Die US-Generalstaatsanwältin und Justizministerin ermittelte jahrelang im Fifa-Umfeld. Nun erntet sie mit den internationalen Zugriffen erste Früchte der Arbeit.
29.05.2015: Der chancenlose Herausforderer Prinz Ali Bin Hussein zwingt Blatter bei der Wahl des Fifa-Präsidenten in einen zweiten Wahlgang, verzichtet dann aber...
... Joseph Blatter wird für eine fünfte Amtszeit problemlos gewählt. Seine Freunde aus Südamerika, Afrika und Asien sind seine Hausmacht.
29.05.2014, nach der Wahl: Sepp Blatter gibt SRF ein teilweise konfuses Interview. Er will sein Mandat in Angriff nehmen und antwortet auf Fragen zum Teil seltsam unkonzentriert und abschweifend.
02.06.2015: Die «New York Times» erwähnt Fifa-Generalsekretär als Mittäter bei verschobenen 10 Millionen und bezieht sich dabei auf Quellen im US-Justizministerium. Die Fifa dementiert umgehend.
02.06.2015, 18.45 Uhr: Joseph «Sepp» Blatter tritt zurück. Er wird einen ausserordentlichen Kongress einberufen, auf dem sein Nachfolger bestimmt werden muss. Dieser soll «möglichst bald» stattfinden. Bis dahin bleibt Blatter im Amt. Bilder: Keystone
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RMS

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Der grösste Korruptionsskandal in der Geschichte des Fussballweltverbandes hat Fifa-Chef Joseph Blatter zu Fall gebracht. Der 79-Jährige kündigte am Dienstag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz seinen Rücktritt an. Er begründete dies mit dem mangelnden Rückhalt bei Fans, Spielern und Verbänden. Kurz zuvor war bekanntgeworden, dass einer seiner engsten Vertrauten für dubiose Millionenzahlungen der Fifa verantwortlich sein soll. Unbestätigten Medienberichten zufolge ermittelt in der Affäre die US-Bundespolizei FBI auch gegen Blatter selbst. Die Frage nach seinem Nachfolger bei der Fifa ist indes offen. Ein neuer Präsident wird wohl frühestens am Jahresende gewählt.

«Die Fifa braucht tiefgreifende Veränderungen», sagte Blatter bei seinem kurzen Auftritt in der Fifa-Zentrale in Zürich, bei dem er keine Fragen zuliess. Er wurde erst am Freitag auf dem Jahreskongress der Organisation in eine fünfte Amtszeit wiedergewählt. Die Wahl sei zwar vorüber, aber die Probleme bestünden weiter, sagte Blatter. Sein Nachfolger werde auf einem Sondertreffen gewählt, das so schnell wie möglich stattfinden solle. Aus Fifa-Kreisen verlautete, die Konferenz könnte zwischen Dezember und März einberufen werden. Blatter kündigte zudem an, sein Amt bis dahin auszuüben.

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Keinen Rückhalt in der Uefa

Am Freitag hatte er sich gegen seinen Herausforderer aus Jordanien, Prinz Ali bin al-Hussein, durchgesetzt. Vor allem Stimmen aus Lateinamerika, Asien und Afrika verhalfen ihm zu dem Erfolg. Dagegen verlor er im europäischen Verband Uefa immer mehr an Rückhalt. Dessen Präsident Michel Platini lobte den angekündigten Rücktritt: «Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung und die richtige Entscheidung.» Auch wichtige Sponsoren wie Visa oder Coca-Cola oder lobten den Schritt und forderten weitere Reformen.
«Die Ankündigung ist ein positiver Schritt für das Wohl des Sports, des Fussballs und dessen Fans», teilte der US-Getränkekonzern am Dienstag mit. Die Entscheidung werde dem Fussball-Weltverband helfen, die dringende Anpassung seiner Strukturen zu vollziehen. Coca-Cola ermahnte die FIFA erneut, entschieden zu handeln, um das Vertrauen derer zurückzugewinnen, die den Sport und den Fussball lieben.

«Dies ist ein wichtiger erster Schritt, um das öffentliche Vertrauen wieder aufzubauen, doch mehr Arbeit ist nötig», erklärte die US-Kreditkartenfirma Visa. Der Rücktritt Blatters zeige, dass die FIFA eingesehen habe, dass fundamentale Reformen notwendig seien. «Wir erwarten, dass die FIFA sofort Massnahmen ergreift, um sich mit den Problemen innerhalb der Organisation zu befassen.» Es gehe um Transparenz, Integrität und Fair Play.

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Vorwürfe gegen engen Vertrauten

Bei den Korruptionsermittlungen in der Schweiz und den USA geht es um den Verdacht, dass bei der Vergabe von Wettkämpfen Schmiergeld geflossen sein könnte. Die Ermittler hatten deswegen in der vergangenen Woche mehrere hochrangige Fifa-Funktionäre in Zürich festnehmen lassen und den mächtigen Verband in eine tiefe Krise gestürzt. Zuletzt kam die Affäre Blatter selbst immer näher. Einem Insider zufolge ist sein Generalsekretär Jerome Valcke im Visier der US-Fahnder. Demnach steht der Franzose in Verdacht, für dubiose Millionenzahlungen verantwortlich zu sein. Das Geld soll an den festgenommenen Fifa-Funktionär Jack Warner geflossen sein. Die Fifa hatte den Verdacht wenige Stunden vor Blatters Pressekonferenz zurückgewiesen.

Der US-Sender ABC berichtete auf seiner Webseite unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Personen, Blatter selbst sei im Visier des FBI. Dies berichtete auch die «New York Times» unter Berufung auf Ermittlerkreise. Demzufolge versuchen die Behörden, verdächtige Fifa-Funktionäre zur Zusammenarbeit zu bewegen. Das FBI äusserte sich nicht. Die schweizerische Bundesanwaltschaft erklärte, Blatter in ihrem Verfahren sei kein Beschuldigter.

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«Die Fifa ist mein Leben gewesen»

Bei der Fifa endet mit dem Rücktritt eine Ära. Der studierte Betriebswirt und frühere PR-Chef der Uhrenfirma Longines kam 1975 zum Verband, der die Weltmeisterschaften organisiert. 1998 wurde er Präsident. In seiner Amtszeit konnte die Fifa die Einnahmen aus Sponsorenverträgen und dem Verkauf von Fernsehrechten vervielfachen. Bis zuletzt konnte Blatter auf Rückhalt in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern bauen, weil die Fifa dort viel Geld in die Förderung des Fussballs gesteckt hat. «Die Fifa ist mein Leben gewesen», sagte Blatter auf der Pressekonferenz. Sein Verband und der Fussball in der Welt seien für ihn überhaupt das Wichtigste.

Zugleich warb er für tiefgreifende Veränderungen. Die bisherigen Reformen hätten nicht gereicht. So sollen die Mitglieder des mächtigen Exekutivkomitees künftig vom Fifa-Kongress gewählt werden, auf dem sich jährlich die etwa 200 einzelnen Verbände treffen. Blatter will sich auch dafür einsetzen, dass Mitglieder des Gremiums nicht zu viele Mandate auf sich vereinen.

(reuters/awp/ccr)

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