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90-Millionen-Forderung

Avaloq und EFG droht eine schmutzige Scheidung

Einst waren sie Joint-Venture-Partner, nun sind die Fronten verhärtet: Der Konflikt zwischen Avaloq und der Privatbank EFG um eine ­Entschädigungszahlung steuert auf eine Eskalation zu.

Holger Alich

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EFG: Liegt mit Avaloq im Streit um eine millionenschwere Entschädigung. Keystone Keystone

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Einst waren sie Joint-Venture-Partner, nun folgt eine schmutzige Scheidung. Im Streit zwischen der Privatbank EFG und ihrem Noch-IT-Partner Avaloq um eine Entschädigungszahlung sind die Fronten total verhärtet, sodass der Fall möglicherweise von einem Gericht entschieden werden muss.
Avaloq beharrt auf ihrer Forderung einer Zahlung von 90 Millionen Franken, EFG will davon nichts wissen. Grund für die Forderung von Avaloq ist, dass die EFG nach der Übernahme der Bank BSI den Outsourcing-Vertrag der Tessiner Bank mit Avaloq vorzeitig gekündigt hat. Um Kosten zu sparen, will EFG die Backoffice-Prozesse der BSI Ende des Jahres auf die eigene IT-Plattform übertragen. «Je früher man aussteigt, desto teurer wird es», sagt ein Avaloq-Insider zur Begründung der Entschädigungsforderung.

Klar definiertes Vorgehen

«Es ist bei Avaloq üblich, in den Outsourcing-Verträgen auch ein potenzielles Ende der Zusammenarbeit zu regeln», heisst es offiziell von Avaloq-Seite. «Gerade wenn unsere Kunden in Übernahme-Situationen kommen, ist es nützlich, ein klar definiertes Vorgehen für einen solchen Fall zu haben.» So klar scheint die Vertragslage allerdings nicht zu sein. Denn die neue BSI-Mutter EFG hält die Forderung für unbegründet. Sie sehe daher «keinen Grund, für diese Forderung eine Rückstellung zu bilden», schreibt die EFG in ihrem Geschäftsbericht.

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Die Privatbank, die von Joachim Strähle geleitet wird, hält sich allerdings eine Hintertür offen. «EFG hat Anspruch auf Schadenersatz vom Verkäufer der BSI Group für Verluste, die aus diesem Sachverhalt entstehen könnten», heisst es im Geschäftsbericht weiter. Im Klartext: Sollte die EFG am Ende doch zahlen müssen, will sich Strähle das Geld vom BSI-Verkäufer, der brasilianischen Bank BTG Pactual, zurückholen.

Wichtigste Avaloq-Kunde in der Schweiz

Avaloq und BSI waren einst Joint-Venture-Partner bei B-Source. Die IT-Firma wickelt noch bis Ende 2017 die Bankprozesse der BSI ab. Zeitnah zur Ankündigung der Übernahme der BSI durch die EFG kaufte Avaloq im Februar 2016 der BSI deren 49-Prozent-Anteil an B-Source ab. Mit einem Umsatz von rund 80 Millionen Franken ist die BSI der wichtigste Avaloq-Kunde in der Schweiz. Deren CEO Francisco Fernandez will das Umsatzloch mit neuen Verträgen füllen, unter anderem mit Einnahmen aus jenem mit der Raiffeisen Gruppe.
Das sind 2017 die besten im Private Banking:
Zum neunten Mal testete «Bilanz» mit einer ausgefeilten Methodik die Leistungen im Private Banking. Das sind die besten Banken 2017:
GesamtsiegerZum ersten Mal holt sich mit der Rothschild Bank eine Auslandbank den Gesamtsieg. Wo sich die Bank Rothschild wirklich von den anderen zwei Finalisten absetzen kann, ist bei der Erklärung der Risiken. Die Berater der Bank simulieren an der Präsentation live, wie sich das vorgeschlagene Portfolio der Kunden in der Vergangenheit verhalten hätte. Insbesondere gehen sie auf den maximalen Verlust des Portfolios ein, der in der Vergangenheit 31,8 Prozent betragen hätte.
Banken nationalIn der Kategorie Banken national hat das VZ VermögensZentrum zum wiederholten Mal gewonnen. Für das Finale um den Gesamtsieg reichte es unter anderem nicht, weil der Beratungsprozess der Jury bürokratisch erschien und die Kunden mit einem Anlagevorschlag im Umfang von mehreren 100 Seiten überfordert wurden.
Knapp hinter dem VZ Vermögenszentrum landete in der Kategorie Banken national die Bank Raiffeisen. Raiffeisen erhielt unter anderem Punktabzüge, weil sie viele hauseigene aktive Fonds einsetzte.
Banken regionalDen ersten Platz in der Kategorie Regionalbanken sichert sich die Valiant. Die Berner präsentieren sympathisch und bieten günstige Konditionen. Auf 0,65 Prozent beläuft sich die geschätzte Gesamtkostenquote. Das erstaunt die Jury, weil die Bank im Internet 1,25 Prozent für ein Standardportfolio verlangt.
Den zweiten Platz der besten Regionalbanken - und damit knapp hinter der Valiant - sichert sich die Berner Kantonalbank. Diese schlug das aggressivste Portfolio von allen Banken vor und investierte fast 90 Prozent des Geldes in Aktien.
PrivatbankenIn der Kategorie Privatbanken liegt Maerki Baumann vorne. Die Privatbank unterbreitete zum Erstaunen der Jury das günstigste Angebot.
Auf den zweiten Platz direkt hinter Maerki Baumann positionierte sich die Bank Vontobel in der Kategorie Privatbanken. Die Bank reichte einen guten Anlagevorschlag ein, die Jury wunderte sich einzig über ein strukturiertes Produkt, das eher in das Portfolio von weniger vermögenden Kunden gepasst hätte.
Die Jury, die die besten Beraterteams kürten, bestand aus sieben Experten.
Thorsten Hens ist Präsident der Jury des Private-Banking-Ratings von «Bilanz». Er ist «Swiss Finance Institute Professor» an der Universität Zürich und wissenschaftlicher Beirat des IVA. Auf Anfrage bietet er den Banken Erklärungen zum Rating an (früher gratis, wegen der hohen Nachfrage inzwischen kostenpfichtig).
Christian Dreyer (l.) ist Geschäftsführer der CFA Society Switzerland, der führenden Vereinigung von Anlageprofis mit dem international renommierten Abschluss als CFA Charterholder. Seine Organisation setzt sich unter anderem für ethische Standards in der Finanzbranche ein. Kurt Haug (mitte) ist Senior Partner bei der unabhängigen Vermögensverwaltung Huber & Partner. Rudolf Strahm (r.), Ökonom, ist Kolumnist sowie ehemaliger Nationalrat und Preisüberwacher.
Marco Infanger (l.) ist Leiter der Vermögensverwaltung beim unabhängigen Vermögens- und Vorsorgeberatungsunternehmen Weibel Hess & Partner. Andreas Beck ist Leiter des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) in München. Die Firma hat sich auf die Qualitätssicherung im Banking spezialisiert und prüft auch die Portfolios von Schweizer Banken.
Ebenfalls Mitglied der Jury ist Harry Büsser, Leiter der Finanzredaktion von «Bilanz». Bilder: Holger Salach/Keystone
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RMS

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