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Bieterkampf

Ausverkauf bei Air Berlin: Das sind die Interessenten

Die insolvente Airline Air Berlin verwaltet ein ansehnliches Kapital: ihre Start- und Landerechte. Darauf hat eine bunte Schar von Bietern ein Auge geworfen. Nun entscheidet sich, wer es ernst meint.

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Air Berlin: Die Airline will den KΓ€ufer am 25.September verkΓΌnden.Keystone RMS

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Ein Chinese, ein frΓΌherer Rennfahrer, zwei reiche Buchautoren - im Bieterkampf um Air Berlin wirft eine bunte Schar ein Auge auf den WΓΌhltisch, auf Flugzeuge und Flugrechte. Jetzt entscheidet sich, wer es ernst meint.

Der derzeit begehrteste Schatz im deutschen Luftverkehr liegt recht gut versteckt. Wer Berlins Innenstadt nach Nordwesten verlΓ€sst, passiert ein GefΓ€ngnis und AutowerkstΓ€tten, bis sich hinter KleingΓ€rten ein Achtgeschosser aus Backstein und Glas erhebt.

Dort sitzt Air Berlin, die chronisch klamme, inzwischen insolvente Fluggesellschaft, und verwaltet dennoch ein ansehnliches Kapital: ihre Start- und Landerechte. Auf diese Lizenzen hat es die Konkurrenz abgesehen. Bis zum heutigen Freitag nimmt Air Berlin Kaufangebote fΓΌr sich selbst entgegen.

Doch die Bieter sollen zunΓ€chst geheim bleiben - bis zum geplanten Ende des Ausverkaufs am Tag nach der Bundestagswahl. Einige Interessenten haben sich jedoch bereits in die Karten blicken lassen:





Lufthansa

Dem deutschen MarktfΓΌhrer werden gute Chancen auf ein grosses StΓΌck vom Kuchen nachgesagt - weil lange GesprΓ€che mit Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann laufen, der aus dem Lufthansa-Konzern zu Air Berlin kam. Und weil man in der Bundesregierung den Dax-Konzern pΓ€ppeln will, zum Β«deutschen Champion im internationalen LuftverkehrΒ».

Der deutsche Bund hΓ€lt Air Berlin mit einem Kredit ΓΌberhaupt noch in der Luft, sonst hΓ€tte die Airline ihre Start- und Landrechte lΓ€ngst zurΓΌckgeben mΓΌssen. Konkurrenten wie Ryanair wittern daher ein Β«abgekartetes SpielΒ» zugunsten der Lufthansa.

Der Konzern wolle 90 der 144 Flugzeuge ΓΌbernehmen, wollten Beobachter zwischenzeitlich erfahren haben. 38 Maschinen davon hat Lufthansa schon seit einem Jahr geleast. Jetzt besonders im Fokus: die Touristik-Tochter Niki und ein Teil der Langstreckenflugzeuge. Sie sollen fΓΌr die Lufthansa-Tochter Eurowings an den Start gehen.



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Condor und Niki Lauda

Der frΓΌhere Rennfahrer Lauda hat einst Niki gegrΓΌndet, nun scheint er sein Baby zurΓΌck zu wollen. Kurz vor Ende der Bieterfrist hat er sich mit dem Ferienflieger Condor zusammengetan und nach eigenen Angaben 100 Millionen Euro geboten - nach Medienberichten fΓΌr 38 Flugzeuge und die Tochter Niki. Der Plan: Es werden nur noch Urlauber geflogen und die holt die Condor-Mutter Thomas Cook in die Flieger.

Easyjet

Gleich nach der Insolvenz im August hiess es, Lufthansa und Easyjet kΓΆnnten sich Air Berlin teilen - schon weil das Kartellamt eine KomplettΓΌbernahme durch Lufthansa blockieren wΓΌrde. Dem britischen Billigflieger wird Interesse an etwa 40 Flugzeugen nachgesagt und der Ehrgeiz, damit am bisherigen Air-Berlin-Drehkreuz DΓΌsseldorf einen Fuss in die TΓΌr zu bekommen. Easyjet hΓ€lt sich aber bedeckt.

Hans Rudolf WΓΆhrl

Der Unternehmer wollte schon mal bei Air Berlin einsteigen - der damalige Chef Hartmut Mehdorn entschied sich jedoch fΓΌr Geld von Golf und machte die Staatsairline Etihad zum GrossaktionΓ€r. Als die Araber im August den Geldhahn zudrehten, war Air Berlin insolvent.

Nun will WΓΆhrl Air Berlin als Ganzes. Er hat angeboten, mit Partnern 50 bis 500 Millionen Euro zu bezahlen. Nach den massenhaften Krankmeldungen von Air-Berlin-Piloten warnte er aber vor dem Scheitern der GesprΓ€che. WΓΆhrl hat gerade ein Buch geschrieben: Β«Wie meine TrΓ€ume fliegen lerntenΒ».

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Utz Claassen

Ein Β«Angebot zur KomplettΓΌbernahme und expansiven Sanierung der Air BerlinΒ» soll Claassen ausgearbeitet haben, zu einem Kaufpreis von 100 Millionen Euro, wie das deutsche Β«HandelsblattΒ» (Freitag) erfuhr. Zusammen mit nicht nΓ€her genannten Investoren stelle Claassen zusΓ€tzliche LiquiditΓ€t in Aussicht. Claassen war Vorstandschef beim Medizintechnikunternehmen Sartorius, beim Energiekonzern EnBW und dem Solarunternehmen Solar Millennium. Er ist auch Buchautor, mit Titeln wie Β«UnbequemΒ» und Β«Mut zur WahrheitΒ».

Jonathan Pang

Der chinesische Investor hat seit lΓ€ngerem einen Blick auf den deutschen Luftverkehrsmarkt geworfen. 2016 versuchte er ohne Erfolg, den Flughafen Hahn im HunsrΓΌck zu kaufen. Schon seit zehn Jahren gehΓΆrt ihm der Flugplatz Parchim in Mecklenburg-Vorpommern. Spekuliert wird, dass Pang Air Berlin dorthin verlegen kΓΆnnte.

Zeitfracht

Die Berliner Spedition hat vergangene Woche ein Angebot angekΓΌndigt. Der Transportbetrieb mit rund 800 BeschΓ€ftigten sieht nach eigenen Angaben Wachstumspotenzial im Frachtbereich der Air Berlin, im PassagiergeschΓ€ft setzt Zeitfracht auf Kooperationen.
(sda/ccr)

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