Andreas Bergers Büro am Zürcher Mythenquai ist ein architektonisches Sinnbild seines Arbeitgebers. Die dunkle Holztäfelung riecht nach protestantischer Arbeitsethik und erinnert an die traditionelle «Schweizer Rück» – kontrastiert vom scheinbar schwebenden Flachbildschirm, der über dem akkurat geordneten Schreibtisch wacht. Tradition trifft Hightech trifft akademisches Flair. Genau wie die Swiss Re selbst, diese 162-jährige Schweizer Institution. Endfünfziger Berger amtet im selben Büro wie sein Vorgänger, doch die Atmosphäre hat sich in seiner 21-monatigen CEO-Zeit gewandelt.
Wo der Physiker Christian Mumenthaler das grosse Ganze in akademischen Modellen erklärte – heute präsidiert er das UBS Center for Economics in Society an der Universität Zürich –, wirkt Jurist und Betriebswirtschafter Berger wie ein Zen-Meister mit scharfem Skalpell – auch im Gespräch. Er lehnt sich zurück, hört zu, analysiert, entscheidet und antwortet – oder führt aus. Und zwar schnell. Die Swiss-Re-Workforce hat das rasch gespürt. Nach wenigen Monaten im Amt musste er sie daran erinnern, dass die Woche am Montag anfängt und am Freitag aufhört. Homeoffice ja, aber sinnvoll umgesetzt. Selbst eine Selbstverständlichkeit wie diese sorgte für Schlagzeilen und machte aus Berger medial einen «Haudegen», was auch etwas über die Befindlichkeit am Mythenquai aussagt.