Bisher machte sich ABB-Chef Spiesshofer vor allem mit Kostensenkungen einen Namen. Das ändert sich nun: Mit der B&R-Übernahme - der grössten seit 2012 - attakiert der Konzern Platzhirsch Siemens.
Ulrich Spiesshofer: ABB-Chef erweitert die Kompetenz in Automatisation. KeystoneRMS
Mit der grössten Übernahme seit 2012 will der Elektrokonzern ABB den Rückstand auf den Industrieautomations-Platzhirsch Siemens verkürzen. Das Zürcher Unternehmen übernimmt den österreichischen Steuerungshersteller Bernecker & Rainer (B&R) mit einem Umsatz von gut 600 Millionen Dollar. Die Synergien mit ABB betragen rund 8 Prozent des Umsatzes, sagt Konzernchef Ulrich Spiesshofer laut Reuters. Er sagt: «Diese Transaktion ist ein wahrer Meilenstein für ABB.»
Der Kaufpreis für die in Privatbesitz stehenden Firma entspreche den in der Branche üblichen Bewertungen. Gemessen an der in einem ähnlichen Gebiet tätigen amerikanischen Rockwell dürften die Zürcher damit knapp 2 Milliarden Dollar für B&R auf den Tisch legen. Mit der Übernahme sieht sich ABB «ideal positioniert, um die Wachstumschancen der Vierten Industriellen Revolution zu nutzen», schreibt ABB in einer Mitteilung vom Dienstag.
Stark wachsendes Unternehmen
Mit dem Zukauf schaltet Konzernchef Ulrich Spiesshofer, der sich bisher vor allem mit Kostensenkungen einen Namen machte, auf Angriff. Es werde weitere Übernahmen, sagte der ABB-Chef, aber keine «must haves». Grossinvestor Cevian, mit dem es in der Vergangenheit mehrfach zum Tauziehen gekommen ist, unterstützt den Zukauf. Die Aktie legte nach Börsenstart zu und gewann 0,69 Prozent.
Die 1979 von zwei Freunden im Keller einer Bank gegründete B&R ist in den letzten zwei Dekaden um durchschnittlich elf Prozent pro Jahr gewachsen und hat den Gesamtmarkt damit weit hinter sich gelassen. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 3000 Mitarbeiter und ist nach wie vor im Besitz der Gründer Erwin Bernecker und Josef Rainer. Die Firma ist in mehr als 70 Ländern aktiv.
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Ziel von 1 Milliarde Umsatz
In spätestens fünf Jahren soll die Firma unter den Fittichen von ABB die Umsatz-Marke von einer Milliarde Dollar knacken. B&R beliefert traditionell Maschinenbauer wie Krones mit Steuerungen. In der Industrieautomation kommen ABB und B&R gemeinsam auf einen Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar. Marktführer ist Siemens, die Nummer drei ist Emerson aus den USA.
ABB wird mit der Transaktion, die im Sommer abgeschlossen werden soll, eigenen Angaben zufolge der einzige Anbieter, der das ganze Spektrum in der Industrieautomation abdeckt. Experten zufolge könnte das Konkurrenten veranlassen, mit Übernahmen selbst ihre Angebotspalette auszuweiten. B&R wird laut Mitteilung Teil der ABB-Division Industrieautomation der Leitung des B&R-Geschäftsführers Hans Wimmer.
B&R beliefert Kunden direkt
B&R ist in den letzten Jahren dazu übergegangen, Endkunden wie Nestlé oder BMW direkt mit Fabrikautomationsgeräten und Software zu beliefern. Damit verstärkt sich ABB in Branchen wie Nahrungsmittel oder Autobau und kann die bisherige Abhängigkeit von der Öl- und Gasindustrie verringern, die zuletzt nur zögerlich investiert hat.
(reuters/ccr)
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