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Ambitioniert

500'000 Teslas: So realistisch ist das Ziel von Elon Musk

Bereits im Vorverkauf findet das neue Tesla Model 3 reissenden Absatz. Nun will Elon Musk die Tesla-Produktion in zwei Jahren verzehnfachen. Ein Experte erklärt, warum der Zeitplan heikel ist.

Gabriel Knupfer

Jetzt ist klar, wie der Tesla Model 3 aussieht: Konzernchef Elon Musk hat das erste Elektroauto für den Massenmarkt aus seinem Hause präsentiert. Viele technische Daten waren bisher nicht bekannt...
... nun ist es offiziell: Der Tesla Model 3 soll es von null auf 100 Kilometer in sechs Sekunden schaffen. Mit einer Batterieladung fährt das Auto rund 345 Kilometer weit. Tesla erlebte zur Präsentation einen regelrechten Ansturm.
Musk zufolge gab es in den ersten 24 Stunden gut 115'000 Vorbestellungen. In vielen Tesla-Filialen - auch in der Schweiz – standen die Menschen am Donnerstag Schlange, um mit 1000 Franken Vorschuss ein Fahrzeug zu reservieren.
Ein Grund für das Interesse ist der moderate Preis: Der neue Tesla soll in den USA rund 35'000 Dollar kosten, das sind etwa 33'600 Franken. Frühestens Ende 2017 ist das Auto erhältlich.Tesla
Elon Musk
... somit will Tesla die Produktion verzehnfachen: Letztes Jahr liefen in der Fabrik im kalifornischen Fremont über 50'000 Autos vom Band. Bald will Tesla auch in Europa und China Werke eröffnen.
Mit dem Model S hat Tesla den Durchbruch geschafft: Das Auto ist ein Verkaufsschlager - auch in der Schweiz ist es zurzeit die bestverkaufte Oberklasse-Limousine. Flickr/CC/anisoboy
Letzten Herbst lancierte Tesla den Nachfolger des S, seinen Luxus-Geländewagen Model X. Blickfänger des SUV sind die Flügeltüren.
Das erste Modell war der Roadster im Jahr 2008. Tesla bezeichnet den Elektroflitzer als das erste autobahntaugliche rein elektische Serienfahrzeug.
Tesla stellt seinen Käufern in vielen Ländern ein Netz an Schnellladestationen zur Verfügung, wo sie die Elektrowagen mit Strom betanken können. Ende 2016 sollen weltweit 900 dieser Stromtankstellen in Betrieb sein. Flickr
Telsa baut auch Batterien, und dies nicht nur, um die eigenen Autos auszustatten. Der Konzern verkauft seine «Powerwall»-Batterien an Hausbesitzer, welche den Strom aus Sonnenkollektoren speichen wollen. In der Schweiz vertreibt die Landi das Produkt.
Firmenchef Elon Musk beschränkt sich nicht auf Autos und Batterien: Mit seiner Firma Space X ist er in auch der Raumfahrt tätig. Das selbst gesteckte Ziel ist ambitiös: Space X soll mithelfen, den Mars zu besiedeln.Bilder: Keystone/Flickr/Tesla
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RMS

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500'000 Teslas will Elon Musk im Jahr 2018 produzieren. Die Produktion des neuen Model 3 könne man viel schneller hochfahren als bisher geplant, so der Konzernchef. 2020 werde nun eher die Millionen-Marke angepeilt, sagte Musik n einer Telefonkonferenz mit Analysten. Doch sind diese Vorgaben wirklich realistisch? Experten haben Zweifel.

Auch wenn das 35'000 Dollar teure Model 3 sicher einfacher zu produzieren sei, als die bisherigen Autos von Tesla, bleibe er skeptisch, sagt Jamie Butters, Autoexperte bei der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Anders als grosse Hersteller wie Toyota habe Tesla keine Erfahrung mit derartiger Massenproduktion: «Als Startup ging es bei Tesla bisher darum, dass bestmögliche Auto zu planen und danach über die Produktion nachzudenken.»

Ausstoss verzehnfachen

Im letzten Jahr lieferte der Elektroautopionier erst gut 50'000 Autos aus. Doch das Modell 3 findet bereits im Vorverkauf reissenden Absatz. In kürzester Zeit gab es 400'000 Reservierungen für den ersten Massen-Tesla, der frühestens in einem Jahr in Produktion gehen wird. «Mit den Bestellungen steht Tesla unter Druck, die Kundenwünsche zu erfüllen», so Butters.

Ein grosses Problem stellen die Batterien dar. Tesla habe bisher nicht bewiesen, dass sie genügend Batterien in ihrer Gigafactory herstellen könnten, sagt Butters. «Tesla will die globale Kapazität von Lithium-Batterien verdoppeln.» Auch hier ist der Zeitplan ambitioniert, plant doch Musk noch in diesem Jahr mit der eigentlichen Zellproduktion zu beginnen, wobei allerdings erst ein kleiner Teil der Anlage überhaupt gebaut ist.

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«Man muss wirklich schwierige Ziele setzen»

Elon Musk hat sich in der Vergangenheit nicht als besonders treffsicher erwiesen, was Zeitpläne angeht. Für Butters ist klar, dass dies auch ein Teil seines Managementstils ist. «Man muss wirklich schwierige Ziele setzen.» Auch der Produktionsstart des Modells 3 am 1. Juli 2017 sei unwahrscheinlich. «Doch wenn du Dezember als Ziel herausgibst, wirst du nicht im September oder Oktober starten.»

Neben technischen Problemen bleibt die Frage nach dem Geld. Der Ausbau der Produktion werde mindestens 1 Milliarde Dollar verschlingen, glaubt Butters. Um das Ziel von einer Million Teslas im Jahr 2020 zu erreichen, dürfte es weitere Fabriken brauchen, beispielsweise in Europa und China, so der Experte. «Doch viele Investoren setzen auf Tesla-Aktien.» Einer grossen Finanzierungsrunde dürfte damit wenig im Weg stehen. Zumindest solange die Investoren an Elon Musk und seine Versprechungen glauben.

Über die Autoren
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer
Gabriel Knupfer ist Redaktor Wirtschaft-Desk RMS für Blick und die Handelszeitung, für die er seit zehn Jahren arbeitet.

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