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Jubiläum

125 Jahre ABB: Wo der Technologiegigant heute steht

Mit 125 Jahren Geschichte soll ABB heute agiler werden. Doch obwohl der Konzern derzeit nicht glänzend dasteht: Die historische Fusion, die den Grundstein legte, wird gemeinhin als sinnvoll bewertet.

ABB feiert dieses Jahr ein grosses Jubiläum: 125 Jahre Industriegeschichte – von der BBC zur ABB.Heute verbindet man ABB mit modernen Technologien wie etwa Robotern. Vor 125 Jahren gehörte diese Sparte natürlich noch nicht zum Portfolio. Doch immer war der Technologiekonzern ganz nahe bei den Trends der Zeit.
Im Oktober 1981 wurde die BBC von den zwei Ingenieuren Walter Boveri (li.) und Charles Eugene Brown (re.) in Baden gegründet. Beide waren vorher für die Maschinenfabrik Oerlikon tätig. Die Gründung der eigenen Firma wurde möglich, als Brown die Tochter eines reichen Zürcher Seidenfabrikanten heiratete und von ihm ein Darlehen erhielt. Brown widmete sich bei BBC der technischen Seite, während sich sein Partner Boveri sich ums Kommerzielle kümmerte.
Die Wahl von Baden als Standort erwies sich als richtig. Dort gab es billige Arbeitskräfte und eine gute Eisenbahnanbindung. So konnte das Werksgelände ans Bahnnetz angeschlossen werden. Frühe Erfolge waren die Ausrüstung des Kraftwerks Kappelerhof und 1893 der Bau des ersten thermischen Kraftwerks überhaupt in Frankfurt.
Auch bei der Elektrifizierung der Eisenbahn machte sich BBC einen Namen. Ab 1900 baute die Firma Dampfturbinen. Vier Jahre später war die Turbinensparte bereits für die Hälfte des Umsatzes verantwortlich.
Bereits neun Jahre nach der Gründung expandierte die BBC ins Ausland. (Bild: Fabrik in Mannheim um 1905). Die Expansion beschleunigte sich bis zum Ersten Weltkriegs, auch mit Zukäufen in Deutschland, Frankreich, Italien und anderen Ländern in Europa. Im Zuge dessen wandelte sich BBC in eine Aktiengesellschaft um. Stark wuchs das Unternehmen in den 1920er Jahren. Ein weiterer Boom fand von 1950 bis in die 1980er Jahre statt. Dies erlebten die Gründer allerdings nicht mehr, beide starben 1924.
Nicht immer aber liefen die Geschäfte von BBC gut. Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise machten dem Unternehmen zu schaffen. Ende der 1980er Jahre dann hatte BBC erneut zu kämpfen, als sinnvoll erschien zu der Zeit die Fusion mit der schwedischen Asea zur ABB, die 1988 zustande kam.
Die neu fusionierte ABB zählte weltweit rund 170'000 Mitarbeiter und setzte 14 Milliarden Dollar um. Architekt der Fusion war Fritz Leutwiler (li.), ehemaliger Präsident der Schweizerischen Nationalbank und Verwaltungsratspräsident der BBC seit 1985. Der Asea-Chef Percy Barnevik (re.) übernahm als Chef bei ABB. Auch die Politik nahm Anteil an der schwedisch-schweizerischen Fusion – Ministerpräsident Ingvar Carlsson und Bundespräsident Jean-Pascal Delamuraz (Mitte) waren ihre Vertreter.
Die Fusion machte Sinn. BBC war in Europa und im Nahen Osten stark verankert, Asea in Nordamerika und im Fernen Osten. Auch bei den Kompetenzen ergänzten sich die Partner: Die Schweden waren in der Robotik stark, die Schweizer im Elektrizitätsgeschäft. Asea schien wie ein Partner mit einem neuen Geschäftsmodell, während BBC seinen technischen Vorsprung verloren hatte.Bilder: Keystone/PR / Quelle: sda
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RMS

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Von Jubiläumsstimmung ist bei ABB derzeit nicht viel zu merken: Das Unternehmen spart. Schlanker und agiler soll der Konzern mit 125 Jahren Geschichte werden. Die Kur ist auch deshalb nötig, weil das Wirtschaftsumfeld alles andere als günstig ist.
Der tiefe Ölpreis dämpft die Investitionslaune der Kunden aus der Öl- und Gasbranche. Zudem schwächelt die Konjunktur in den Schwellenländern und der starke Dollar – Konzernwährung von ABB – drückt die Zahlen des Unternehmens.

Sparen ist angesagt

Angesichts des garstigen Umfelds setzt ABB auf sparen: Bis Ende 2017 sollen die Kosten um rund 1 Milliarde Dollar geschmälert werden. Dies dürfte mit einem Stellenabbau einhergehen. In welcher Form und Grösse ist bisher aber nicht bekannt. Zudem soll die Zahl der Sparten von fünf auf vier reduziert werden.
Obwohl das Unternehmen derzeit nicht glänzend dasteht: Die historische Fusion, die überhaupt erst zur heutigen ABB führte, wird gemeinhin als sinnvoll bewertet. 1988 hatte der grosse Zusammenschluss zwischen der Schweizer BBC und der schwedischen Asea zur ABB stattgefunden.

Ungleiche Partner

Eine Art Vernunftehe, aber keine auf Augenhöhe scheint es gewesen zu sein. Zumindest gemäss den Aussagen des ehemaligen ABB-Schweiz-Chefs Edwin Somm. In einem Interview mit der «Nordwestschweiz» sagte er vor einigen Jahren, rational betrachtet sei die Fusion auch für die BBC der richtige Entscheid gewesen.

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Asea sei kommerziell viel besser geführt gewesen. Davon habe BBC profitieren können. BBC sei ein Reich der Ingenieure gewesen. Betriebswirtschaftler hätten dort wenig zu sagen gehabt.
Zum Zeitpunkt der Fusion habe sich die BBC aber in einem «denkbar miserablen Zustand» befunden. Man hätte die BBC vor der Fusion selbst mit einer Rosskur erneuern sollen. «Dann wäre man als gleichberechtigter, sanierter Partner in die Verhandlungen eingestiegen», so Somm.

Überrissene Forderung schadet Fusionschef

Stattdessen habe sich die BBC unter Wert mit der Asea zusammengeschlossen. «In den Verhandlungen spielten Barnevik und seine Leute die BBC schlicht an die Wand. Darauf waren die BBC-Leute um Fritz Leutwiler nicht vorbereitet», sagte Somm.
Percy Barnevik, der vor dem Zusammenschluss Asea-Chef war und nach der Fusion jahrelang den ABB-Konzern führte, galt als äusserst fähiger Manager. Bei seinem Abgang bei ABB verspielte er allerdings seinen guten Ruf. Seine Abgangsentschädigung in der Höhe von 148 Millionen Franken sorgte für einen öffentlichen Aufschrei. Später gab Barnevik 90 Millionen zurück.
(sda/jfr)

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