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Nachhaltigkeit in Schweizer Unternehmen

Schweizer Hightech für den Bayern-Stromer

Wie Walliser Aluminium die E-Mobilität von BMW nachhaltiger macht.

Wilma Fasola von Handelszeitung

Die Aussenhülle des iX3 bestehet zu einem Grossteil aus Schweizer Aluminium.
Die Aussenhülle des iX3 bestehet zu einem Grossteil aus Schweizer Aluminium.David Kuenzler

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Wenn ein modernes Automobil geräuschlos über die Strasse gleitet, denkt man primär an Elektromotoren, Batteriezellen und wegweisende Software. Doch das Fundament für eine nachhaltige E-Mobilität wird bereits weit vor der Montagehalle gegossen, unter anderem im Schweizer Rhonetal. Am Produktionsstandort des Leichtmetall-Spezialisten Novelis im Walliser Sierre entsteht ein technologisch hochkomplexes Schlüsselprodukt für die internationale Automobilindustrie. Die eng verwobene Partnerschaft zwischen dem Weltmarktführer für Aluminiumwalzprodukte und der BMW Group zeigt eindrücklich, wie tief verankert der globale Münchner Premiumhersteller in der Schweizer Wertschöpfungskette ist und wie aus lokaler Innovation messbare ökologische Fortschritte resultieren.

Partnerschaft mit BMW

Im Fokus dieser Zusammenarbeit steht ein Meilenstein der bayerischen Modelloffensive: der neue BMW iX3. Als Pionier und erster Vertreter der neu konzipierten «Neuen Klasse» setzt der vollelektrische SUV nicht nur bei Reichweite und Ladearchitektur Massstäbe, sondern auch bei der konsequenten Reduktion von Treibhausgasemissionen im gesamten Lebenszyklus. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistet das Aussenblech der Motorhaube. Das dafür benötigte Spezial-Aluminium stammt aus dem Novelis-Werk in Sierre, gewalzt aus einer Legierung mit einem Recyclinganteil von mehr als 50 Prozent.

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Dass hochprozentig rezykliertes Aluminium seinen Weg in die sichtbare Karosseriehaut eines Premiumfahrzeugs findet, ist das Resultat jahrelanger Entwicklungsarbeit. Die Herstellung von Karosserieaussenhäuten gilt im Automobilbau als Königsdisziplin: Selbst mikroskopisch kleine Unebenheiten oder minimale Mängel in der Werkstoffstruktur würden nach dem Lackierprozess direkt ins Auge stechen. Um diese Herausforderung zu meistern, tüftelten die Ingenieure in Sierre über vier Jahre lang an einer massgeschneiderten Legierung. Marcel Häfliger, Director Sales & Marketing Automotive Europe bei Novelis Europe, erklärt den Anspruch: «Die grösste Herausforderung bestand darin, den Recyclinganteil so weit wie möglich zu erhöhen und zugleich die volle Leistungsfähigkeit der Legierung sicherzustellen. Gerade bei sichtbaren Karosserieteilen wie einer Motorhaube müssen Formbarkeit, Oberflächenqualität und Leistungsfähigkeit höchsten Standards entsprechen.»

Einsparungen von 95 Prozent

Das Resultat ist ein Sekundäraluminium, das trotz des extrem hohen Recyclinganteils keine Kompromisse eingeht. Und die ökologischen Auswirkungen dieses Werkstoffdurchbruchs sind immens. Die Erzeugung von Primäraluminium gehört traditionell zu den energieintensivsten Prozessen der Industrielandschaft. Durch den Einsatz von Rezyklat lässt sich der Energiebedarf bei der Aluminiumherstellung gewaltig reduzieren. «Aluminiumrecycling benötigt nur rund fünf Prozent der Energie, die für die Herstellung von Primäraluminium erforderlich ist», so Häfliger. «Der grösste Hebel liegt in der weiteren Dekarbonisierung unserer Schmelz- und Wärmeprozesse. Gleichzeitig bleibt die Erhöhung des Recyclinganteils ein zentraler Faktor, um den CO₂-Fussabdruck unserer Produkte weiter zu reduzieren.»

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Um den verbleibenden Fussabdruck des Primäraluminiums im Materialmix weiter zu minimieren, setzt das Werk in Sierre zudem konsequent auf Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen wie der heimischen Wasserkraft. Darüber hinaus engagiert sich der Standort im regionalen Forschungsprojekt «Net Zero Lab Valais», um die gesamte Produktion Schritt für Schritt vollständig zu dekarbonisieren.Für BMW ist die Kooperation mit Novelis ein prominentes Aushängeschild der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie. Bis zum Jahr 2030 plant die BMW Group weltweit über den gesamten Lebenszyklus ihrer Fahrzeugflotte hinweg rund 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einzusparen. Da der Elektroantrieb während der Nutzungsphase emissionsfrei arbeitet, verlagert sich der CO₂-Fokus der Autobauer zwangsläufig in die Lieferkette. Häfliger hebt das gemeinsame Pionierdenken hervor: «Die BMW Group zählt zu den Vorreitern bei der Industrialisierung von besonders nachhaltigen High-Recycling-Legierungen. Was unsere Partnerschaft besonders macht, ist die gemeinsame Bereitschaft, innovative Materialien frühzeitig in Serie zu bringen. Uns verbinden ambitionierte Nachhaltigkeitsziele, ein gemeinsames Innovationsverständnis und eine langjährige globale Partnerschaft von mehr als zwanzig Jahren.»

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Kreislauffähige Werkstoffe sind gefragt

Die Partnerschaft ist dabei keineswegs ein Einzelfall, sondern fügt sich nahtlos in ein dicht geknüpftes Netzwerk ein. Mehr als dreissig Schweizer Lieferanten speisen regelmässig Hightech-Komponenten in die globalen Lieferketten der BMW Group ein. Die Rolle des Standorts Sierre geht dabei weit über reine Produktion hinaus: «Hier befindet sich eines der weltweit führenden Forschungs- und Entwicklungszentren von Novelis für die Automobilindustrie», so Häfliger. «Neue Legierungen sowie innovative Oberflächen- und Fügetechnologien werden im Wallis entwickelt und finden anschliessend weltweit Anwendung.» Mit Blick auf den Wandel der Branche rechnet Novelis mit einer weiter steil steigenden Nachfrage nach kreislauffähigen Werkstoffen: «Aluminium gehört aufgrund der unendlichen Rezyklierbarkeit zu den wirkungsvollsten Hebeln, wertvolle und energieintensive Materialien langfristig im Kreislauf zu behalten», resümiert Häfliger. Die automobile Zukunft fährt zwar elektrisch, doch ihre Stabilität, Leichtigkeit und ökologische Effizienz verdankt sie zu einem bedeutenden Teil Schweizer Know-how aus dem Rhonetal.
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