So hätte sich Vas Narasimhan den Wochenstart nicht vorgestellt. Der Novartis-Chef musste innerhalb kurzer Zeit gleich
zwei schwere Rückschläge bei der Medikamentenentwicklung bekannt geben - mit üblen Folgen an der Börse. Bereits am Montag gaben die Aktien über 3 Prozent nach, nachdem das Scheitern eines wichtigen Cholesterinmedikaments kommuniziert worden war.
Am Dienstag kam's dann knüppeldick. Die Aktie verzeichnete mit einem Minus von 11 Prozent den grössten Tagesverlust seit mehr als sechs Jahren. Zuvor musste Novartis einen Fehlschlag mit dem Hoffnungsträger Del-Desiran zur Behandlung einer seltenen Muskelerkrankung vermelden. Auch am Mittwoch zeigt die Richtung für die Papiere nach unten. Im frühen Handel geben sie rund 1 Prozent nach.
Mit dem äusserst ungewöhnlichen Börsenrückschlag innerhalb von zwei Handelstagen hat die Novartis-Aktie fast die ganze Jahresperformance zunichte gemacht. Zurück auf Feld eins statt weiterer Jagd nach neuen Rekordhöhen an der Börse.
Die zwei Misserfolge der Medikamente, die zusammen fast 4 Milliarden Dollar an Umsatz hätten einbringen können, kommen für den Novartis-Chef - im Amt seit 2018 - zur Unzeit. Denn sein durchaus risikobehafteter Verwaltungsamtssitz beim KI-Unternehmen Anthropic, der Invstoren irritierte, und die neue Chefposition seiner Frau Srishti Gupta bei der US-Biotechfirma Novabridge Biosciences nährten zuletzt die Spekulationen, dass Narashihan Basel den Rücken zuwenden und in die USA zurückkehren würde.
Die Spekulationen veranlassten den Novartis-Chef bei der Bekanntgabe der Halbjahreszahreszahlen Ende Juli zu sagen, dass er gewillt sei, den Pharmakonzern durch die nächste Wachstumsphase führen. «Keine Änderung meiner Pläne», meinte Narasimhan entschlossen.
Novartis-Investoren reagieren ungehalten
Müssen die Pläne nun aber doch geändert werden? Denn nach dem Scheitern von zwei der drei grossen Hoffnungsträger in der Pipeline von Novartis reagierten Investoren ungehalten. Der Fehlschlag bei Del-Desiran erschüttere das Vertrauen in die Zukaufstrategie von Novartis, zumal die Erwartungen an das Mittel hoch gewesen seien, sagte James Eugene des Novartis-Aktionärs Verso Investment Management laut Reuters.
Gemäss der Zürcher Kantonalbank belastet der Fehlschlag sogar das Vertrauen in die gesamte eingekaufte Technologieplattform. Das Medikament Del-Desiran war das Kernstück der zwölf Milliarden Dollar schweren Übernahme von Avidity Biosciences.
Die Wachstumsziele des Novartis-Managements nach 2030 dürften ohne weitere Fusionen und Übernahmen nun wohl als unerreichbar wahrgenommen werden, schreibt ein Analyst von Jefferies. Er hat ein Kursziel von 110 Franken (derzeit: 111 Franken) für die Novartis-Aktie, für die er bloss eine «Halten»-Empfehlung hat.
Der Pharmaexperte deutet auch an, dass er die Aktie nach wie vor für überbewertet hält. Der Titel wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 16 für 2027 gehandelt. Das KGV des Pharma-Sektors dagegen liegt unter 13. Die Bewertung von Novartis werde wohl unter Druck geraten, so Jefferies.