Bessere und günstigere Batterien sind nötig, wenn der E-Mobilität der Durchbruch gelingen soll. Die wichtigen Rohstoffe Lithium und Kobalt stecken auch in weiteren Hightech-Gütern - könnten aber knapp werden. Deshalb buhlen die wichtigen Abnehmerländer um die Gunst der Förderstaaten.

Ohne sie muss die Revolution auf der Strasse, in der Energiewelt und bei der digitalen Kommunikation ausfallen: Lithium, Kobalt, Coltan und die Metalle der Seltenen Erden sind der Grundstein für Elektroauto-Batterien, Windkraftanalgen und Smartphone-Akkus. Auch in vielen anderen Produkten kommen die kostbaren Rohstoffe vor.

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Lithium: Unversichtbar, aber knapp

Vor allem bei Lithium zeichnet sich jedoch eine wachsende Knappheit ab - mit möglichen Folgen für die Versorgung von Herstellern und Kunden. Diese Situation verschärft sich, weil der Wirtschaftsgigant China versucht, weltweit Zugriff auf immer grössere Vorkommen zu erhalten, um die eigene Industrie besser gegen Preiskapriolen abzusichern.

Lithium ist unverzichtbar, besonders für die Elektromobilität. Batterien von E-Autos, aber auch viele weitere Elektronikprodukte sind auf Lithium angewiesen. Zwar sind andere Technologien in der Planung, der klassische Lithium-Ionen-Akku dürfte aber noch längere Zeit tonangebend sein. 

Lithium in Bolivien

Salzsee von Uyuni: Bolivien verfügt über 40 Prozent der weltweiten Vorkommen.

Quelle: Barcroft Media/Getty Images

Entscheidender Faktor

Das «weisse Gold» kommt in der Zellproduktion zum Einsatz. Deshalb bulen Autokonzerne weltweit um neue Partner und gute Kontrakte zum Einkauf der zentralen Verbindung Lithiumkarbonat.

Als entscheidender Faktor für die oft noch unzureichende Reichweite, Ladegeschwindigkeit und den hohen Preis von Elektroautos steuert die Batterie den Wandel der Autobranche massgeblich mit. Volkswagen etwa plant eine eigene Zellforschung, Daimler unterhält schon eine Batteriefertigung.

Staaten Südamerikas als Rohstoffmächte

Das Dreiländereck Chile/Argentinien/Bolivien wird bereits als das «Saudi-Arabien Südamerikas» bezeichnet. Am Salzsee von Uyuni im bolivianischen Hochland gibt es die wohl grössten Lithium-Reserven der Welt. «Wir werden eine grosse Lithium-Industrie aufbauen, über 800 Millionen Dollar stehen dafür bereit», sagte Boliviens Präsident Evo Morales der Deutschen Presse-Agentur vor einigen Monaten. 

Evo Morales

Evo Morales: Boliviens Präsident will über 800 Millionen Dollar in den Aufbau der Lithium-Industrie stecken.

Quelle: Dean Mouhtaropoulos/Getty Images

Nach Tests mit einem Pilotsystem soll bald eine grosse Förderanlage errichtet werden, die das deutsche Unternehmen K-UTEC aus dem ostdeutschen Thüringen geplant hat. Der Abbaukomplex umfasst rund 40 Quadratkilometer.

Firmen weltweit buhlen um Zuschlag

Um den Bau der Lithium-Fabrik haben sich 26 Firmen beworben - aus Ländern von China über Russland, Finnland, Deutschland und Spanien bis Mexiko. In der Nähe soll eine grosse Batteriefabrik entstehen, die Bolivien als Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Unternehmen betreiben will. Besonders chinesische Firmen hoffen auf den Zuschlag. 

Bolivien hat mit geschätzt neun Millionen Tonnen die grössten Lithium-Reserven. Chile wird bis auf weiteres aber Weltmarktführer bleiben; bis 2030 soll der Export von Lithiumkarbonat auf 180'000 Tonnen pro Jahr mehr als verdoppelt werden. Lithium-Fonds legen steile Gewinnkurven hin.

Lithium Bolivien

Bohrung zur Gewinnung von Lithium in Bolivien: Nationen buhlen um die Gunst der Förderstaaten.

Quelle: Barcroft / Getty Images

China bringt sich in Stellung

China ist einer der aktivsten Spieler bei Lithium. Die Nachfrage nach dem Rohstoff als strategische Ressource kommt nicht von ungefähr: Mit mehr als 500'000 verkauften Elektro- und Hybridwagen hat sich die Volksrepublik 2017 zum grössten Absatzmarkt für E-Autos entwickelt. Peking will aber nicht nur Weltmarktführer in der E-Mobilität sein, sondern auch die vorgelagerte Produktion von Batterien dominieren.

Schon heute verbraucht China über 40 Prozent des weltweiten Lithiums. Es streckt daher seine Fühler nach Südamerika aus - und auch nach Australien, wo Lithium ebenfalls in grossem Stil gewonnen wird. 

Der chinesische Autohersteller Great Wall Motors kaufte sich kürzlich beim australischen Konzern Pilbara Minerals ein, der über grosse Lithium-Minen verfügt. Die Pekinger Investmentfirma GSR Capital will sich laut Berichten am Lithium-Produzenten SQM aus Chile beteiligen.

China Elektromobilität

Grössten Absatzmarkt für E-Autos: China bringt sich bei der Erschliessung neuer Rohstoffquellen in Stellung.

Quelle: Zhang Peng / Getty Images

Warnungen vor Blase

Nach Schätzungen der Deutschen Rohstoffagentur (Dera) wird sich der globale Bedarf an Lithium von derzeit etwa 33'000 Tonnen bis zum Jahr 2025 mindestens verdoppeln. 

Einige Experten wie Jaime Alée, Direktor des Lithium-Programms an der Universidad de Chile, warnten zuletzt jedoch auch vor einer Blase: «Die Reserven liegen weltweit geschätzt bei 40 Millionen Tonnen.» Ein akuter Mangel sei daher unwahrscheinlich. 

Auch aus der Dera hiess es, zumindest bis 2025 müsse man nicht um eine ausreichende Versorgung bangen - jedenfalls bei Annahme optimistischer Szenarien: «Es wird langfristig genug Lithium für den Ausbau der E-Mobilität geben.»

Auch Kobalt-Nachfrage wächst

Die Metalle Kobalt, Nickel und Platin sowie Graphit und Seltene Erden spielen ebenso eine zentrale Rolle für die Hightech-Wirtschaft. Die Kobalt-Nachfrage wuchs von 2010 bis 2015 von 65'000 auf über 90'000 Tonnen pro Jahr. 

Derzeit wird die Hälfte in Batterien verbaut, wo das Metall es möglich macht, die Energiedichte kleiner Akkus zu erhöhen. Auch für Magneten in Windturbinen, Bauteile von Gasturbinen oder Energiespeicher braucht man Kobalt. Das Öko-Institut in Freiburg erklärte kürzlich, es könne jedenfalls vorübergehend zu einer Verknappung kommen. Daher sei mehr Rohstoff-Recycling nötig.

Kobalt-Mine im Kongo

Kobalt-Mine im Kongo: Die Arbeitsbedingungen sind gefährlich, oft ohne Sicherheitsausrüstung.

Quelle: The Washington Post / Getty Images

Kongo ist reich an Kobalt

Mehr als die Hälfte des weltweit geförderten Kobalts kommt aus dem Kongo - dem unruhigen zentralafrikanischen Riesenreich von der Grösse Westeuropas, das den Begriff Konfliktmineralien geprägt hat. Auch die Hälfte aller Reserven von rund sieben Millionen Tonnen liegt dort. 

Laut Schätzungen stammen 10 bis 20 Prozent des Kobalts aus kaum überwachten, improvisierten Minen und Kleinbergbau im Kongo. Amnesty International beklagt Kinderarbeit, Unfälle und Gesundheitsrisiken.

(sda/ccr)