Abo
Nach CEO-Entlassung

«Endlich tut sich da was» bei Lindt & Sprüngli - jetzt gerät der Verwaltungsrat ins Visier

Nach monatelanger Talfahrt an der Börse reagiert Lindt & Sprüngli nun mit wichtigen Entlassungen. Laut Vontobel muss für eine strategische Neuausrichtung auch der VR überprüft werden.

Luca_Niederkofler

Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, bei einem Auftritt am Firmensitz in Kilchberg ZH im Jahr 2016.
Ernst Tanner, Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli, bei einem Auftritt am Firmensitz in Kilchberg ZH im Jahr 2016.imago/Geisser

Werbung

Die Aktien von Lindt & Sprüngli verlieren kurz nach Handelsstart rund 1,5 Prozent auf 85’600 Franken. Die Partizipationsscheine (PS) geben rund 2,1 Prozent auf 8’245 Franken nach. Auslöser ist der sofortige Abgang von CEO Adalbert Lechner.
Damit reagiert der Schokoladenhersteller auf die seit Monaten anhaltenden Herausforderungen im zugrundeliegenden Geschäft - und wohl auch auf die erheblichen Kursverluste. Denn seit dem enttäuschenden Ostergeschäft sind die Lindt-Titel um zeitweise fast 40 Prozent gefallen. Schwankende Kakaopreise und die Grenzen der Preissetzungsmacht haben Schwächen im Geschäftsmodell offengelegt.
«Endlich tut sich da was», meint ein Händler gegenüber Dow Jones Newswires. Neben Lechner werden auch die Führungspositionen in Deutschland und Österreich neu besetzt. «Der Verwaltungsrat ist überzeugt, dass dieser Führungswechsel künftiges Wachstum aktiv vorantreiben wird», begründet Ernst Tanner, exekutiver Verwaltungsratspräsident, die weitreichenden personellen Wechsel.
Auch Vontobel bewertet die Neuigkeiten tendenziell positiv. Das Ausmass der Wechsel deutet aus Sicht der Bank allerdings auf unterschiedliche interne Einschätzungen zur Preisgestaltung in Europa, zur Preissensibilität der Konsumenten und zum Handlungsbedarf hin. Laut der Bank gehört deshalb auch der Verwaltungsrat (VR) auf den Prüfstand. Einen umfassenden Führungswechsel fordern Anleger schon seit mehreren Monaten.

Partner-Inhalte

Lechners Vorgänger Dieter Weisskopf, derzeit Vizepräsident des VR, übernimmt nun die Leitung des Konzerns, bis im zweiten Quartal 2027 ein Nachfolger gefunden sein soll. Laut Vontobel ist er der richtige Mann für die Aufgabe: Die Bank sieht in ihm den «versiertesten Manager der Schokoladenindustrie», der Lindt in einer Übergangsphase wieder auf Kurs bringen kann.
Vontobel hält dennoch vorerst an seinem Kursziel von 11’000 Franken für die Partizipationsscheine (PS) und an der Kaufempfehlung fest. Unter den Analystinnen und Analysten gehen die Meinungen jedoch auseinander: Von 14 Expertinnen und Experten empfehlen fünf die Aktie zum Kauf, drei raten zum Halten und sechs zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel beträgt 94’213 Franken für die Namenaktien und 9’517 Franken für die PS.
Über die Autoren

Werbung