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Übernimmt der Künzli-Besitzer?

Das vorletzte Kapitel von Bally

Roberto Martullo wollte erst 27 Schuhmacher, die Bally im Frühling entlassen hatte, und einige Maschinen übernehmen. Nun will er das Traditionshaus ganz.

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Künzli-Besitzer Roberto Martullo will Bally gern retten – unter gewissen Bedingungen.
Künzli-Besitzer Roberto Martullo will Bally gern retten – unter gewissen Bedingungen. Gian Marco Castelberg für Handelszeitung

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Als im Mai bekannt wurde, dass Bally die Produktion in Caslano nach 175 Jahren einstellt, dachte Künzli-Besitzer Roberto Martullo erst an einen Glücksfall: Da war auf einen Schlag sehr viel schuhmacherisches Savoir-faire auf dem Markt und für ihn die Möglichkeit, in der Schweiz statt in Portugal zu produzieren, in Griffnähe. Zweimal fuhr er ins Tessin. Am Ende gab es keinen Deal: Er hätte sämtliche Maschinen kaufen müssen, was für Künzli keinen Sinn ergeben hätte.
Wenig später drehte Martullo den Spiess um und unterbreitete dem US-Fonds Regent, seit 2024 Eigentümer von Bally, das Angebot, das ganze Unternehmen, bestehend aus Marke, Boutiquen und Produktion, zu kaufen. Diesmal lehnte Regent ab: Man hatte längst andere Pläne. Ob diese aufgehen oder nicht, ist offen – und der dazugehörige Sachverhalt vertrackt: Anfang Juni wurden die Bally-Schuhfabriken von Caslano nach Zug verlegt, seit Mitte Juni sind sie in provisorischer Nachlassstundung. Rund 20 Millionen Franken Schulden stehen im Raum. Sachwalterin ist Transliq in Bern.
Parallel läuft im Tessin ein Verfahren um das Wertvollste, das Bally besitzt: den Namen. Die Rechte daran sollten an die im Mai gegründete US-Gesellschaft Aare LLC übertragen werden. Doch das hat die Sezione 2 der Pretura in Lugano gestoppt. Sie klärt nun ab, ob es rechtens war, die Marke aus der Schweizer Bally-Gesellschaft herauszulösen und an die US-Briefkastenfirma zu übertragen.

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Das verwaiste Bally-Fabrikareal in Caslano ist zur Vermietung ausgeschrieben.PR
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Das verwaiste Bally-Fabrikareal in Caslano ist zur Vermietung ausgeschrieben.PR
Von diesem Entscheid hängt nun viel ab. Ohne Marke ist das Unternehmen dem Konkurs geweiht. Mit der Marke sähe die Rechnung anders aus – und Martullo wäre wieder im Spiel. «Dann möchte ich Bally übernehmen», sagt er, «einen entsprechenden Businessplan habe ich bei der Sachwalterin bereits eingereicht.» Darin baut er nicht nur auf die Marke, sondern auch auf das entlassene Team aus Produktion, Kreation und Administration. «Die würde ich alle zurückholen.» Auch müssten «gewisse Parameter» stimmen, etwa, dass Bally international weiterläuft. Noch im April sprach das Unternehmen von 112 Boutiquen weltweit. Deren Umsatz schätzt Martullo auf 150 Millionen Franken. Zur Frage nach Budget und Finanzierung einer allfälligen Übernahme hält er sich bedeckt, lächelt und sagt: «Ich kann nur versichern, dass sie gesichert ist.» Die Nachlassstundung läuft bis Mitte Oktober. Jetzt muss sich Martullo erst einmal gedulden. In Caslano wird derweil eine Zukunft ohne Bally geplant. Das Fabrikareal, das seit 2020 einem UBS-Immobilienfonds gehört, ist von H&B Real Estate zur Miete ausgeschrieben – dem Vernehmen nach für eine Million Franken pro Jahr.

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