Die SRG plant den Abbau von rund 250 Stellen. Damit reagiert sie auf Einsparungen von 40 Millionen Franken, die ab 2016 anfallen. Als Grund werden die wegbleibende Mehrwertsteuer sowie der hรถhere Gebรผhrenanteil fรผr Privatsender angegeben.
Das Sparprogramm betreffe alle Sprachregionen und Unternehmensbereiche und erfolge vorrangig in Verwaltung, Informatik und Produktion, teilte die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft SRG am Dienstag in einem Communiquรฉ mit.
Der Abbau der rund 250 Stellen entspricht fรผnf Prozent aller Vollzeitstellen. In der Deutschschweiz sollen bei SRF und der Tochtergesellschaft tpc zusammen voraussichtlich 102 Vollzeitstellen abgebaut werden. In der Romandie droht bei RTS ein Abbau von 74 Stellen, bei RSI in der Italienischen Schweiz sind es 49 Stellen. Die Generaldirektion soll um 20 Stellen verkleinert werden.
ยซKein politischer Druckยป
ยซDieses Sparprogramm ist unerlรคsslichยป, sagte SRG-Generaldirektor Roger De Weck am Dienstag gegenรผber SRF. ยซWir wollen versuchen, noch effizienter zu arbeiten, wo es mรถglich ist.ยป Aber es werde auch Abstriche am Programm geben. ยซWir werden uns bemรผhen, die Qualitรคt zu halten, aber das Angebot wird etwas kleiner sein.ยป Die Zuschauer und -hรถrer wรผrden kรผnftig vielleicht die eine oder andere Sendung ยซvermissenยป.
Die Frage eines SRF-Journalisten, ob der politische Druck auf die SRG bei den Sparรผberlegungen eine Rolle spiele, quittierte De Weck mit einem schlichten ยซNeinยป. Der รคrgste Widersacher der SRG, der Schweizerische Gewerbeverband, forderte jรผngst erneut eine breite รถffentliche Diskussion รผber ยซInhalt und Umfangยป des Service Public. Die SRG solle ihren Leistungsumfang kรผrzen, lautet eine der Hauptforderungen.
Frรผhpensionierungen und Sozialplan
Eine Arbeitsgruppe mit Vertreterinnen und Vertreter aller Sprachregionen hatte die Details des Sparprogramms erarbeitet. Nach Rรผcksprache mit dem Verwaltungsrat verabschiedete die Geschรคftsleitung den Massnahmenkatalog.
Die SRG werde Mitarbeitende, das Schweizer Syndikat Medienschaffender (SSM) als Sozialpartner und die Vereinigung der Kader (VDK) konsultieren, teilte sie weiter mit. Parallel zu dieser Konsultation will die SRG mit dem Sozialpartner SSM รผber einen ยซfairen Sozialplanยป verhandeln. Bevor sie Kรผndigungen ausspreche, wolle sie Frรผhpensionierung und Nichtbesetzen offener Stellen prรผfen.
Journalisten fรผrchten um Qualitรคt
In einer ersten Stellungnahme zeigten sich der Journalistenverband Impressum und die Gewerkschaft SSM angesichts des geplanten Abbaus von 250 Stellen bei der SRG schockiert und besorgt.
Der Journalistenverband Impressum bezeichnete die Massnahme als ยซdrakonischยป. ยซWir sind sehr besorgt um die Arbeitsplรคtze von Journalistinnen und Journalisten sowie um die journalistische Qualitรคtยป, wird Geschรคftsfรผhrer Urs Thalmann in einer Mitteilung zitiert. Die Medienschaffenden der SRG stรผnden schon heute unter sehr hohem Druck.
Der Verband forderte die Unternehmensleitung auf, keine Ressourcen zu streichen, welche die redaktionelle Qualitรคt und Vielfalt in Frage stellen.
Das SSM wies in einem Communiquรฉ darauf hin, dass die Sparmassnahmen fremdbestimmt seien und nicht auf unsorgfรคltiges Wirtschaften der SRG zurรผckgingen. Das SSM werde Mรถglichkeiten prรผfen, um mรถglichst viele Stellen und Arbeitsplรคtze zu retten, und sich fรผr einen fairen Sozialplan einsetzen. Die entsprechenden Verhandlungen sollen in den nรคchsten Tagen anlaufen.
Folge des Mehrwertsteuer-Ausfalls
Die Grรผnde des Sparprogramms sind das Mehrwertsteuer-Urteil des Bundesgerichts und der hรถhere Anteil von Lokal- und Regionalsendern an den Gebรผhreneinnahmen, wie die SRG schreibt.
Das Bundesgericht hatte am 13. April 2015 entschieden, die Gebรผhrenzahler mรผssten keine Mehrwertsteuer zahlen. Kรผnftig muss die SRG die Mehrwertsteuer deshalb aus eigenen Mitteln begleichen. Das kostet sie jรคhrlich 35 Millionen Franken.
Das revidierte Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) sieht zudem vor, dass der Anteil der Lokal- und Regionalsender an den Gebรผhreneinnahmen von heute 4 auf bis zu 6 Prozent steigt. Das UVEK hat angekรผndigt, dass diese privaten Anbieter rasch mehr Geld erhalten, wenn Mitte 2016 das Gesetz in Kraft tritt; offen ist die genaue Hรถhe. Das mindert die SRG-Einnahmen jรคhrlich um mindestens 5 Millionen Franken, wie die SRG schreibt.
Das Budget der SRG werde deshalb 2016 und in den darauffolgenden Jahren jeweils um rund 40 Millionen Franken (oder 2,5 Prozent) tiefer ausfallen als heute. Der aktuelle Jahresumsatz der SRG belรคuft sich auf rund 1,6 Milliarden Franken.
Infolge der Rรผckstellungen fรผr den Stellenabbau und der Mehrkosten wegen der Mehrwertsteuer erwartet die SRG fรผr 2015 ein betrรคchtliches Defizit. 2016 will sie wieder schwarze Zahlen schreiben, wie sie mitteilte.