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Kommentar

Hürden für Klimageräte gehören abgeschafft

Während Heizungen hierzulande normal sind, gelten Klimaanlagen immer noch als böse Stromfresser. Dafür gibt es keinen Grund mehr.

Michael Heim Handelszeitung

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«Klimaanlagen sind sinnvolle Abnehmer von überschüssigem Strom», meint Michael Heim, Ressortleiter Unternehmen & Politik. HZ

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Hinter uns liegen Rekordtage, und ja, die Rede ist vom Wetter. In meinem Wohnort Basel kletterten die offiziellen Temperaturen auf über 39 Grad, und das wohlgemerkt am Stadtrand und nicht im eng bebauten Zentrum. Zuletzt kühlte es auch in der Nacht nicht mehr richtig ab. Und Basel war keine Ausnahme. Die ganze Schweiz erlebte eine mächtige Hitzewelle. Es wird nicht die letzte dieser Art gewesen sein.
Glücklich war, wer in dieser Zeit auf eine Klimaanlage zurückgreifen konnte. Denn noch immer sind diese in der Schweiz, einem Land mit ansonsten gut ausgebauter Infrastruktur, eine Seltenheit. Lange hielten wir die Stromfresser hierzulande für überflüssig und belächelten Amis und Asiaten für ihren Hang zu künstlichen Kühlschranktemperaturen. Doch seien wir ehrlich: Das geht so nicht mehr.

Die fehlende Klimatisierung wird zum Gesundheitsproblem

Als halbwegs gesunder Endvierziger sind Temperaturen gegen vierzig Grad für mich bloss anstrengend, aber für viele Menschen – alte, kranke, schwangere – wird die Hitze zunehmend gefährlich. Dass selbst Spitäler und Altersheime aus vermeintlich ökologischen Gründen noch immer ungekühlt sind, ist verrückt. Der Klimawandel ist – so sinnvoll es ist, gegen ihn anzukämpfen – eine Tatsache, der wir uns beugen müssen. Ob uns das gefällt oder nicht.

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Doch noch immer gibt es vielerorts Gesetze und Verordnungen, welche die Installation von Klimaanlagen verbieten oder erschweren. In Schulhäusern werden die Abwarte in der Nacht aufgeboten, um die Klassenzimmer stosszulüften, und trotzdem sind viele Räume schon nach wenigen Lektionen so heiss, dass die Köpfe rauchen. Als ich klein war, gab es an Sommertagen noch «hitzefrei». Würde man die Regeln von damals heute noch anwenden, würde die Schule im Sommer wohl wochenlang ausfallen.

Wir haben im Sommer genug Strom, um Klimageräte zu betreiben

Energetisch spricht immer weniger für ein Klimaanlagenverbot. Im Gegenteil: Mittlerweile drohen unsere Stromnetze im Sommer über die Mittagsstunden durch ein Überangebot von Solarstrom zu kollabieren. Die Marktpreise am Strommarkt sinken dann unter null, bezahlt wird, wer Strom verbraucht. Klimaanlagen sind – den Tag durch eingesetzt – längst keine Belastung mehr für das Stromnetz. Im Gegenteil: Sie könnten vielmehr sinnvolle Abnehmer von überschüssigem Strom sein. Erst recht, wenn dieser vom Solarpanel auf dem eigenen Dach stammt.
Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel. Fest verbaute und in Lüftungen und Haustechnik von Häusern integrierte Klimaanlagen sind nicht nur energetisch effizienter als die in letzter Minute beschafften Monoblockgeräte vom Discounter, die nun gerade Absatzrekorde verzeichnen. Sie werden schlicht notwendig sein, wenn sich das Klima – wie absehbar – weiter erwärmt. Es käme ja auch niemandem in den Sinn, ein Haus ohne Heizung zu bauen.

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