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Glencore

Das Turteln mit Rio Tinto geht weiter

Die abgeblasene Fusion der Konzerne ist noch nicht vom Tisch. Der steigende Glencore-Kurs spielt dem CEO Nagle bei der Bewertung in die Karten.

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Glencore und Rio Tinto könnten ihre Gespräche bald wieder aufnehmen. Die Verhandlungsposition von CEO Gary Nagle ist gestärkt. Bloomberg

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Fast jeder kennt in seinem Umfeld so ein Pärchen, wo jeder weiss, dass die beiden eigentlich zusammengehören und sie doch nie richtig zueinanderfinden. So geht es auch Glencore unter Gary Nagle und Rio Tinto unter Simon Trott, die am 5. Februar den Abbruch ihres Fusionsvorhabens bekannt gaben. Es war das vierte Mal in knapp zwanzig Jahren, dass zwischen den beiden Rohstoffkonzernen Gespräche um einen Zusammenschluss stattgefunden hatten. Mehr noch: Die Fusion gilt als letztes Puzzlestück im langfristigen Aufbauplan von Ex-CEO Ivan Glasenberg, dem heute grössten Aktionär von Glencore, der die Fusionspläne einst angestossen hatte.
Ivan Glasenberg (Bild) und Simon Trott haben unterschiedliche Vorstellungen zum Firmenwert.
Ivan Glasenberg (Bild) und Simon Trott haben unterschiedliche Vorstellungen zum Firmenwert.Bloomberg
Ivan Glasenberg (Bild) und Simon Trott haben unterschiedliche Vorstellungen zum Firmenwert.
Ivan Glasenberg (Bild) und Simon Trott haben unterschiedliche Vorstellungen zum Firmenwert.Bloomberg
Kein Wunder, umtänzelte man sich so oft: Die industrielle Logik eines Zusammenschlusses ist bestechend, sowohl von den Geschäftsfeldern her wie auch geografisch. Grösse ist wichtig im Rohstoffgeschäft, und gemeinsam wäre man die Nummer eins bei jenem Metall, um das sich derzeit alles dreht: Kupfer, entscheidend für die Energiewende. Gescheitert ist der Deal an den unterschiedlichen Preisvorstellungen. So sei der zugrunde liegende relative Wertbeitrag von Glencore zum fusionierten Konzern «signifikant unterbewertet», schrieb Glencore im einem Statement. Vor allem das «Kupfergeschäft und dessen führende Wachstumspipeline» seien nicht angemessen bewertet worden. Zudem wollte Rio Tinto den Präsidenten- und den CEO-Posten für sich beanspruchen, was ungewöhnlich, aber nicht unmöglich ist – dann hätte Rio Tinto aber beim Premium noch tüchtig was drauflegen müssen.

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Doch tot ist der Deal trotzdem nicht: Eine Änderung wichtiger Rahmenbedingungen und Einschätzungen könnte zu einer Neuauflage der Gespräche führen, heisst es aus dem Umfeld der Entscheidungsträger, und dies je nach Lage sogar schon in einigen Monaten.

Die momentane Entwicklung spielt Glencore in die Karten. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um 35 Prozent gestiegen, jener von Rio Tinto nur um 24 Prozent, und auch wenn man nur die Zeit seit dem Abbruch rechnet, ist das Plus bei Glencore mit 16 Prozent doppelt so hoch wie bei Rio Tinto mit 8 Prozent (Stand 20. April). Getrieben wurde der Kurs von Glencore auch durch die Erhöhung des Kohlepreises infolge des Iran-Kriegs. Nach einem Boom im Anschluss an den Ukraine-Krieg hatte der Geschäftszweig zuletzt arg auf den Gesamtgewinn gedrückt.

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