Zwanzig Jahre lang schaute er den Bankern auf die Finger, zuletzt in der Schlüsselposition als Leiter der Bankenaufsicht bei der Finanzmarktaufsicht (Finma). Nun muss er den ehemaligen Kollegen bald selber Red und Antwort stehen: Per Anfang März wird Thomas Hirschi Risikochef bei der Bank Vontobel. Die Finma verliess er per Ende August, sein Wechsel folgt also auf den Tag genau nach jenen sechs Monaten, die den Behördenvertretern als Cooling-off-Periode vorgeschrieben sind.
Fast gleichzeitig wurde eine weitere interessante Personalie verkündet: Urban Angehrn, Leiter der Finma von 2021 bis 2023, soll nach der Generalversammlung vom April in der Verwaltungsrat von Julius Bär eintreten, wie die Bank wissen liess. Seit Mai letzten Jahres amtet Angehrn bereits in einem anderen Verwaltungsrat einer Finanzfirma, jenem der Zuger Partners Group.
Ehemaliger Leiter der Finma, Urban Angehrn.Keystone
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Die beiden haben ein prominentes Vorbild. Auch Patrick Raaflaub, Chef der Finma von 2008 bis Ende Januar 2014, wechselte zu einer von der Behörde beaufsichtigten Firma: Am 1. September 2014 wurde er Risikochef der Swiss Re, wo er bis 2025 blieb. All dies ist erlaubt, all dies erfolgte unter Einhaltung aller Regeln und Cooling-off-Vorschriften, wirft aber doch Fragen auf. Denn generell gilt es als unschön, wenn Vertreter von staatlichen Regulierungsbehörden nach ihrer Amtszeit in jenen Bereichen Jobs annehmen, die sie vorher beaufsichtigt haben. Der Grund für das Unbehagen liegt auf der Hand: Solches Verhalten sendet das Signal aus, dass man in seiner aktiven Zeit bei den Regulierungsbehörden mal nicht zu streng hinschauen sollte, nicht dass man es sich noch mit den Firmen verdirbt und man sich für weitere Karriereschritte die Aussicht auf lukrative Jobs verspielt.
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Ex-Finma-Chef Patrick Raaflaub.Christian Schnur
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In der Tat dürfen sich die eher kurz gehaltenen Staatsangestellten in der Finanzbranche auf deutlich saftigere Saläre freuen. Der Lohn von Finma-Chef Stefan Walter liegt laut dem Kaderlohn-Reporting des Bundes bei rund 746’000 Franken im Jahr, Bereichsleiter wie Hirschi verdienen im Schnitt jährlich rund 405’000 Franken. Vontobel gibt die Löhne der einzelnen Geschäftsleitungsmitglieder nicht bekannt, nur jenen des CEO. 2025 wurden für die fünf GL-Mitglieder total 15 Millionen Franken bezahlt. Zieht man die Saläre der beiden Co-CEOs Christel Rendu de Lint und Georg Schubiger von je 4,7 Millionen ab, bleiben im Durchschnitt noch 1,9 Millionen pro Kopf für die restlichen Mitglieder der obersten Führung. Auch Angehrn darf sich freuen: Zwischen 400’000 und 480’000 Franken betrug 2024 die Vergütung für einen normalen Partners-Group-VR, bei Julius Bär gab es für ein einfaches Mitglied zwischen 270’000 und 310’000 Franken. Damit hat er nur mit seinen beiden Teilzeitjobs schon so viel in der Kasse wie als Finma-Chef im harten Tagesgeschäft.