Die US-Bank Goldman Sachs schafft Diversitätskriterien für die Wahl des Verwaltungsrats ab. Geschlecht, Herkunft und sexuelle Orientierung spielen bei der Auswahl von Kandidaten keine Rolle mehr. Hat das Auswirkungen auf andere Unternehmen?
Viele Firmen werden nun ihre formellen
Diversitätskriterien infrage stellen. Bei Goldman Sachs wurde Druck von einem aktivistischen Aktionär ausgeübt. Diese Gruppe hat bereits weitere «Fortune 500»-Firmen kontaktiert. Mehrere Unternehmen in den USA haben ihre «Diversity Equity and Inclusion»-Programme schon formell gestrichen, viele haben sie umbenannt.
Welche Effekte hat es in der Schweiz?
Es ist nicht auszuschliessen, dass es auch hier Auswirkungen geben wird. Besonders bei global agierenden kotierten Firmen mit viel Business in den USA wird es möglicherweise auch Druck von Investoren geben. Diversitätskriterien erhöhten das Risiko, dass bestimmte Kandidaten diskriminiert würden, argumentiert der Investor.
Solche Kritik kommt von Personen, die Privilegien genossen haben. Für die ist es klar einschneidend. Es hat jahrzehntelange Bemühungen gegeben, bei der Diversität Fortschritte zu machen. In den USA betrifft es auch ethnische Gruppen, die zahlenmässig kaum eine Minderheit, aber komplett unterrepräsentiert sind. Welche Kriterien wünschen Ihre Klienten bei der Besetzung von Kaderpositionen?
Sie fragen normalerweise nach einer ausbalancierten Shortlist. In einigen Sektoren bedeutet das einen grösseren Aufwand. In einigen Fällen suchen Klienten gezielt nach einer Frau. Wie bitte?
Wenn es beispielsweise in einem Team gar keine Vielfalt gibt, wird die Ernennung einer Frau begrüsst. Beim Profil wollen unsere Klienten deswegen aber in der Regel keine Abstriche machen. In den USA gibt es eine Rückkehr zu traditionellen Werten in der Arbeitswelt. Wie erleben Sie das in der Schweiz?
Zwar haben beispielsweise Roche, Novartis und die UBS 2025 ihre Diversitätsprogramme gestrichen respektive verändert. Aber einen Trend wie in den USA sehen wir nicht. Auch Firmen, die kein formelles Ziel haben, bemühen sich oft informell um mehr Diversität.