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Erwartungen

Die Apple-Euphorie kennt kaum Grenzen

Apples Geschäfte laufen glänzend: Der iPhone-Boom ist ungebrochen, an der Börse erklimmt die Aktie Rekordhöhen und neue Geräte sollen bald kommen. Alles schön und gut – wären da nicht die Warner.

Business-Apps für die Apple Watch sollen die Management-Arbeit erleichtern. Doch wie gut gelingt das? Zehn Apps im Test:
Dingbel – ohne Worte 
Die 
App Dingbel wurde
 bereits mit dem
 Blick auf die Apple
Watch entwickelt.
 Der Nutzer kann 
über sie ohne Text
 kommunizieren. Er 
hat die Auswahl
zwischen zwei Möglichkeiten: Positiven Nachrichten – einmal Tippen – und negativen Nachrichten – zweimal Tippen. Der Empfänger bekommt einen grünen beziehungsweise roten Kreis angezeigt. Fazit: Der Empfänger muss raten, was gemeint ist. Schwierig.
Evernote – magere Adaption 
Auf
 dem iPhone erstellt und verschickt 
Evernote Notizen
 mit Text, Fotos und 
Sprachaufzeich
nungen. Per Mail
 oder Chat können
 Empfänger zugreifen, und das schon in der Gratisversion. Davon bleibt auf der Apple Watch wenig. Vorhandene Notizen lassen sich per Sprachbefehl aufrufen, die Suche muss aber umständlich doppelt geöffnet werden. Wer Notizen als Audiodatei diktiert, kann diese nicht nachträglich bearbeiten. Fazit: Magere Adaption.
Hours Tracker – nützlich 
Hours-
Tracker verwaltet
 Arbeitszeit, spei
chert die gearbei
teten Stunden, kal
kuliert Pausen und
 berechnet die Einnahmen 
des Nutzers. Wie bei vielen Apps können Nutzer über die Smartwatch keine neuen Einträge hinzufügen. Aktive Jobs können aber über das Handgelenk gesteuert werden, zum Beispiel, um eine Pause einzugeben oder einen Job zu beenden.Fazit: Der aktuelle Job kann mit einem Tippen verwaltet werden. Praktisch.
Powerpoint – ferngesteuert 
Powerpoint ist als Zusammenspiel von iPhone und Apple Watch gedacht. Mit der App des
 Microsoft-Program
mes können Nutzer
 im Zweifel ganze
 Präsentationen auf dem Smartphone erstellen, sie bearbeiten und verschicken. Die Apple Watch dient als Fernbedienung, mit der das Abspielen der Folien gesteuert werden kann. Fazit: Gut als Fernbedienung, mehr aber auch nicht.
Sunrise Calendar – dürftig 
Der
 Sunrise Calendar 
von Microsoft 
erlaubt, verschiedene Kalender in
 einem darzustellen 
und Termine zu
 koordinieren. Auf
 der Apple Watch 
ist das Anzeigen der Termine und Besprechungen möglich. Die Übersicht zeigt die Termine pro Tag an. Auch hier gilt: Die Anwendung auf der Apple Watch ist eine Verlängerung des iPhones, Termine zu bearbeiten oder zu erstellen ist nicht möglich. Fazit: Zu wenig, um zu überzeugen.
Swissquote – SMI im Fokus 
Wäh
rend die iPhone-
Version alle wichtigen Börsenindizes
 im Überblick bietet,
 sieht der Nutzer 
auf der Apple 
Watch nur den SMI.
 Er kann die einzelnen Werte in Echtzeit verfolgen, Kauf und Verkauf sind aber nicht möglich. Börsenkalender, Finanznachrichten und diverse Tools wie der Währungsrechner fehlen ebenfalls.Fazit: Ein Überblick für SMI-Fans.
Trello – recht eigenständig 
Trello
 bietet wie andere
 Apps auf der Apple
Watch die Ergänzung per Sprach
eingabe. So kann 
der Nutzer in der
 Orga-Anwendung
 Einträge erstellen,
 Checklisten erweitern. Vorlagen vom iPhone werden mit Fotos und Chronik der Bearbeitung angezeigt, Ergänzungen per Uhr auf das iPhone übertragen. Fazit: Eigenständiger als andere Apps, aber ausbaufähig.
Uber – minimale Erweiterung 
Einen
 Abfahrtsort ange
ben, die Uber-Ka
tegorie wählen und
 den Preis für eine 
bestimmte Strecke 
kalkulieren – all das
 kann die Uber-Anwendung nur auf
 dem iPhone. Der Taxidienst bietet für die Smartwatch lediglich die Möglichkeit, eine auf dem iPhone gestartete Anfrage abzuschliessen. Dann kann der Nutzer die Wartezeit auf der Smartwatch ablesen. Fazit: Reine Verlängerung des iPhones.
1Password – praktisch 
Mit
 1Password können
 Nutzer Logins speichern. Die
 Anwendung zählt 
seit Jahren zu den
 besten ihrer Kate
gorie. Um die App 
per Apple Watch zur verwenden, ist allerdings ein Upgrade auf die Pro-Version nötig. Kostenpunkt: Stolze 9.99 Euro. Dann können Nutzer ihre geheimen Daten – mit einem extra-Code geschützt – auf der Smartwatch ablesen. Fazit: Teuer für den kurzen Überblick.
Fit Brains – zum Spielen 
Das Gedächtnistraining von Fit Brains auf der Apple Watch ist lösgelöst von den Angeboten für das iPhone. Drei Spiele wurden speziell für die Smartwatch konfiguriert. Der Nutzer trainiert Geschwindigkeit, Gedächtnis und Konzentration in verschiedenen Schwierigkeitsgraden. Das nächste Level wird abhängig von der Punktzahl in der Vorrunde freigeschaltet.Fazit: Lustig, aber ausbaufähig. Bilder: Screenshots iTunes-Store
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Zehn Jahre iPhone – und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Nach unerwartet starken Zahlen im Frühjahr verspricht Apple nun auch für das laufende Quartal glänzende Geschäfte. Bei Anlegern befeuerte das Spekulationen, das nächste Modell des Kassenschlagers, das «Geburtstags-iPhone», könnte schon im September auf den Markt kommen. Es soll mit vielen technischen Neuerungen bestückt sein.
Seit 2007, als Apple mit dem ersten iPhone eine Revolution auf dem Handymarkt auslöste, hat der Konzern aus Kalifornien 1,2 Milliarden Geräte verkauft. Die in der Nacht zum Mittwoch veröffentlichten Zahlen lösten Begeisterung an den Börsen weltweit aus: Die Apple-Aktien erreichten ein Rekordhoch und könnten dem Dow Jones im Tagesverlauf erstmals über die Marke von 22'000 Punkten helfen. Die Papiere von Zulieferern legten zu, der Technologie-Index in Asien erreichte das höchste Niveau seit 2000 – bevor die damalige Blase platzte.

Mehr Technik für mehr Geld

Das dritte Quartal des Geschäftsjahres ist für Apple üblicherweise schwierig, weil sich viele Kunden vor der Markteinführung des neuesten Modells mit Käufen zurückhalten. Dieses Mal konnte das Unternehmen aber den Absatz steigern. So verkaufte Apple mit etwa 41 Millionen Geräten 1,6 Prozent mehr iPhones als vor Jahresfrist. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf 45,4 Milliarden Dollar, der Gewinn stieg um zwölf Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar. Analysten hatten nicht so viel erwartet.

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Auch für die kommenden Monate zeigte sich Apple zuversichtlich und sagt einen höheren Umsatz vorher, als Analysten bislang für möglich gehalten haben. Der Ausblick lasse darauf schliessen, dass das nächste iPhone pünktlich auf den Markt komme, sagte Analyst Jan Dawson von Jackdaw Research. Es wird damit gerechnet, dass das Gerät Displays mit einer höheren Auflösung, bessere Touchscreens und die Möglichkeit zum Laden ohne Kabel bietet – möglicherweise zu einem Preis von mehr als 1000 Dollar.

In China hinter einheimischen Konkurrenten

Doch es werden auch warnende Stimmen laut. «Wenn man sich den gesättigten Smartphone-Markt ansieht, längere Abstände zwischen neuen Modellen, zunehmende Konkurrenz in China und einen wachsenden Zweitmarkt, dann denken wir, dass es Apple schwer damit haben wird, die Erwartungen des Marktes zu erfüllen», schrieben die Experten der Deutschen Bank. Apple ist seit der Markteinführung stark vom iPhone abhängig. Es stand zuletzt für etwa rund zwei Drittel der Erlöse. Der Erzrivale Samsung verzeichnete unlängst einen Gewinnrückgang in seiner Smartphone-Sparte.
Besonders stark gewachsen ist der Umsatz nach Konzernangaben in den aufstrebenden Volkswirtschaften ohne China. Dagegen nahmen die Verkäufe in der Gross-Region China um 9,5 Prozent auf acht Milliarden Dollar ab. Vor allem in Hongkong gingen die Verkäufe zurück. Grund dafür dürfte sein, dass Verbraucher dort auf die oft billigeren lokalen Smartphones zurückgreifen. Apple liegt in der Volksrepublik inzwischen auf dem fünften Platz hinter Rivalen wie Huawei, Oppo, Vivo und Xiaomi. Um das Geschäft anzukurbeln, wirbt das Unternehmen um die Gunst der Führung in Peking und investiert unter anderem in ein neues Daten-Speicherzentrum in Guizhou.

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Apple-Chef Tim Cook verteidigte die umstrittene Entfernung der VPN-Apps aus dem App Store in China, nachdem diese für illegal erklärt worden waren. Mit deren Hilfe war es bislang möglich, die Internetzensur zu umgehen und gesperrte Websites sowie die Seiten westlicher Medien zu erreichen. «Offenkundig hätten wir die Apps lieber nicht entfernt. Aber, wie in anderen Ländern auch, halten wir uns an die Gesetze.»

Überraschung beim iPad

Auch beim Tabletcomputer iPad lief es zuletzt gut, der Absatz stieg überraschend auf 11,4 Millionen von 9,95 Millionen im vergangenen Jahr. Das Geschäft mit den Diensten App Store, Apple Pay und iCould legte gut ein Fünftel zu.
Zu der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Apple wolle drei Fabriken in den USA bauen, äusserte sich Cook nicht direkt. Vor einer Woche hatte Trump gesagt, der Apple-Chef habe ihm drei Fabriken versprochen – «gross, gross, gross». Cook stellte nun eine «bedeutende Investition» in autonome Systeme in Aussicht. Aus seiner Sicht sei Autonomie die Mutter aller Künstlicher Intelligenz, sagte er. «Die autonomen Systeme können vielfältig eingesetzt werden, und ein Auto ist nur eine Möglichkeit.»
(reuters/jfr)

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