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Interview

«Wir sind im Kern ein Technologiekonzern»

Ferdinando D’Apice, Country-Manager von BYD Schweiz, im Gespräch über den Weg zur eigenen Vertriebsgesellschaft, Superhybride und die Ambitionen bis 2030.

Wilma Fasola von Handelszeitung

Ferdinando D’Apice, ist neu Country-Manager von BYD Schweiz.
Ferdinando D’Apice, ist neu Country-Manager von BYD Schweiz.zVg

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BYD ist mit ambitionierten Zielen in der Schweiz gestartet. Wie fällt Ihre Zwischenbilanz aus?

Als ich im September 2025 als Head of Marketing anfing – heute bin ich Country-Manager –, waren wir zu siebt in einem temporären Büro. Wir hatten vier Händler und verkauften unter hundert Autos im Monat. Ein Jahr später zählt unser Team in der Schweiz über 30 Personen, wir arbeiten mit 31 aktiven Händlern und verzeichnen monatlich 700 bis 800 Erstzulassungen. Im Juni 2026 verbuchten wir einen Rekord, und der aktuelle Monat verspricht einen neuen Höchstwert.

Zu Beginn gab es am Schweizer Markt Skepsis gegenüber der neuen Marke aus China.

Richtig. Anfangs musste ich BYD oft erst erklären. Heute kennt man uns – ein Erfolg, auf den das ganze Team stolz ist. Mittlerweile bieten wir neun Modelle an, das zehnte folgt in Kürze. Unser Preis-Leistungs-Verhältnis ist extrem konkurrenzfähig.

Zur Person

Ferdinando D’Apice ist ein erfahrener Automobilmanager und ausgebildeter Ingenieur aus Turin. Vor seinem Aufstieg zum Country-Manager stiess er als Head of Marketing zu BYD Schweiz.

Anders als viele asiatische Mitbewerber setzt BYD nicht auf Partner wie zum Beispiel Emil Frey, sondern auf den Direktvertrieb. Warum?

Der Weg über einen Importeur ist der schnellste, da Infrastruktur und Händlernetz bereitstehen. Wir haben bewusst die eigene Tochtergesellschaft aufgebaut. Das als klares Signal: Wir sind vor Ort und bleiben hier. Ein Importeurvertrag läuft irgendwann aus; BYD als Hersteller ist direkt greifbar. Das schafft langfristig Vertrauen bei Händlern und Endkunden.

In Europa gibt BYD sechs Jahre Garantie auf die Fahrzeuge, in der Schweiz jedoch acht Jahre. Warum diese Sonderregelung?

Wir möchten unser Netz und unsere Kunden bestmöglich unterstützen und ein starkes Signal senden. Mit den acht Jahren Garantie, die sowohl für das Fahrzeug als auch für die Blade-Batterie gelten, bieten wir den Schweizer Kunden und Kundinnen ein exklusives Schutz- und Sicherheitspaket, das volle Qualität und Verlässlichkeit garantiert.

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Wie sieht die Verteilung Ihres Händlernetzes aktuell aus?

Unser Ziel sind 55 Händler in der Schweiz. Aktuell haben wir 31 aktive Händler, und weitere 17 befinden sich im Vertragsprozess. Wir decken bereits alle Hauptstädte und wichtigen Regionen ab. In Zürich sind wir beispielsweise an der Uraniastrasse, in Schlieren und bald auch im Zürcher Nordraum vertreten. Wir verdichten das Netz schrittweise, damit jeder Kunde in seiner Region einen direkten Ansprechpartner hat.

Der Schweizer Markt gilt als technologieaffin, zeigt aber bei reinen Stromern oft noch Zurückhaltung. Wie verteilt sich der Absatz bei BYD zwischen reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden?

Derzeit entfallen rund 60 Prozent des Absatzes auf unsere Superhybride (DM-i) und 40 Prozent auf reine Elektrofahrzeuge (BEV). Das meistverkaufte Modell ist aktuell der Seal U DM-i.

Viele Autofahrer sind bei Plug-in-Hybriden skeptisch, da sie ungeladen als schwer und ineffizient gelten.

Unsere Superhybridtechnologie ist anders: Der Verbrenner lädt die Batterie beim Fahren nach, man muss theoretisch nie an die Steckdose. Wer lädt, fährt bis zu hundert Kilometer rein elektrisch, bei fast tausend Kilometern Gesamtreichweite. Wer noch nicht bereit fürs reine E-Auto ist, findet hier die ideale Zwischenlösung, inklusive Allradantrieb, was in der bergigen Schweiz essenziell ist.

BYD ist kein reiner Autobauer, sondern ein Technologiekonzern. Welchen Vorteil bringt das?

Wir sind im Kern ein Technologieunternehmen: Der Akku ist unsere Wurzel, wir bauen eigene Chips, Ladestationen und über 80 Prozent der Fahrzeugteile inhouse. Während andere mit Lieferketten oder Batterieengpässen kämpfen, kontrollieren wir die Wertschöpfung selbst. Das sichert eine hohe Qualität, tiefere Kosten und kurze Lieferzeiten von maximal drei bis vier Monaten.

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Sie haben die Ladeinfrastruktur angesprochen. Auf der Auto Zürich präsentieren Sie eine neue Technologie.

Richtig, wir zeigen dort unser neues Flash-Charging-System mit einer Leistung von bis zu 1500 Kilowatt. Die ersten zwei Schnellladestationen dieser Art installieren wir in Kürze in der Schweiz – eine direkt bei unserem Hauptsitz in Baar und eine zweite zu Demonstrationszwecken. Später folgen dann weitere Stationen, die wir prioritär an unser Händlernetz verteilen, damit die Kunden die superschnelle Ladetechnologie direkt beim Autokauf erleben können.

Ein weiteres wichtiges Thema im Flotten- und Ersatzteilgeschäft ist die Verfügbarkeit. Wie organisiert BYD die Logistik in der Schweiz?

Neben unserem europäischen Zentrallager in den Niederlanden verfügen wir auch bereits über ein Lager für Fahrzeuge und Ersatzteile in der Schweiz. Die Lagerfläche für Ersatzteile haben wir auf über tausend Quadratmeter erweitert. Da unsere Autos qualitativ sehr verlässlich sind, verzeichnen wir kaum mechanische Werkstattaufenthalte; der Bedarf liegt primär bei Karosserie- und Crashteilen, und diese sind lückenlos verfügbar.

Wie sieht die Strategie beim Thema Nachhaltigkeit und Batterie-Recycling aus?

Wir gewähren acht Jahre Garantie auf unsere Batterien, daher gehen wir von vornherein davon aus, dass sie eine lange Lebensdauer haben, die sich über mehrere Fahrzeugbesitzer erstreckt. Nach ihrem Einsatz in einem Auto können die Batteriemodule wiederverwendet werden, beispielsweise als stationäre Energiespeichersysteme, die die Ladeinfrastruktur oder das Netzmanagement unterstützen kön Am Ende ihres Lebenszyklus werden die Rohstoffe dann systematisch recycelt.

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Vernetzte Fahrzeuge aus Asien geraten beim Thema Datensicherheit immer wieder in die Kritik. Wie stellt BYD sicher, dass Schweizer Kundendaten geschützt bleiben?

«All eyes are on us» – dessen sind wir uns voll bewusst. Wir halten uns akribisch an alle europäischen und Schweizer Datenschutzgesetze. Ein konkretes Beispiel: Unsere chinesischen Ingenieure und Kollegen haben aus strikten Privacy-Gründen keinerlei Zugriff auf die Schweizer Kundensysteme oder deren Daten. Alle Prozesse sind lokal und europäisch isoliert.

Wie viel künstliche Intelligenz und Fahrassistenz braucht der Schweizer Autofahrer wirklich?

Technologie muss dem Menschen dienen und darf nicht überfordern oder nerven. Sicherheitsrelevante Systeme wie der Müdigkeitswarner sind gesetzlich vorgeschrieben und immer aktiv. Viele andere KI- und Assistenzfunktionen lassen sich bei BYD jedoch individuell personalisieren oder auf Wunsch komplett deaktivieren. Das Fahrzeug verhält sich wie ein Smartphone: Regelmässige Overthe-Air-Updates halten die Software frisch, während der Fahrer entscheidet, welche Assistenten er im Alltag nutzen möchte.

Wie positioniert sich BYD emotional im Schweizer Markt, um Vertrauen aufzubauen?

Als neue Marke muss man nah an den Menschen sein. Wir investieren gezielt in Schweizer Institutionen und Sportarten: Wir sind Partner der Tour de Suisse, engagieren uns im Eishockey, arbeiten mit lokalen TV-Anbietern zusammen und unterstützen den Rad- sowie Skisport. Wir zeigen Präsenz dort, wo die Schweizerinnen und Schweizer ihre Freizeit verbringen. Beim Google-Suchvolumen (Share of Search) lagen wir vor einem Jahr noch unter 1 Prozent in der Schweiz. Heute liegen wir stabil bei über 4 Prozent.

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Was erwartet uns modellseitig im kommenden Jahr?

Das erste Halbjahr 2027 wird sehr intensiv. Bis Juni stellen wir fünf bis sechs neue Modelle beziehungsweise grosse Modellpflege-Updates (Facelifts) vor. Zudem werden wir auf den kommenden Automessen, unter anderem in Paris, unsere Fortschritte im Bereich des autonomen Fahrens demonstrieren.

Wo steht BYD Schweiz im Jahr 2030?

Unser Anspruch ist klar: Wir wollen in allen Märkten, in denen wir vertreten sind – inklusive der Schweiz – eine führende Rolle einnehmen. Mit unserer Modellvielfalt, der eigenen Technologie und dem Ausbau des Händlernetzes haben wir das Fundament gelegt, um bis 2030 zu den Topmarken des Landes zu gehören.

Und zum Schluss: Wissen eigentlich mittlerweile alle Ihre Kunden, wofür die drei Buchstaben BYD stehen?

Am Anfang musste ich es ständig erklären! Heute schicken mir Freunde manchmal Witze darüber. Aber im Ernst: Build Your Dreams bringt genau das auf den Punkt, was wir als Marke und Unternehmen bieten wollen: eine nachhaltige, grüne und technologisch ausgereifte Mobilität für die Zukunft.
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